Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Mein freiwilliges Jahr

Zeugen

Ein einziges Mal waren die männlichen Kollegen meiner Station und ich im Kino. Dort sahen wir einen Film namens „Mad Max 3D – Fury Road“, der einen bleibenden Eindruck hinterließ. Nachdem ich an meinem letzten Tag im Krankenhaus nämlich ordentlich Pizza ausgegeben hatte, wurde ich in den Aufenthaltsraum gebeten, aus dem sehr verdächtige Musik drang. Meine Kollegen sprühten sich Sahne in den Mund und schrien dabei, dass sie meine Zeugen seien. Eine derartige Szene gab es auch in dem Film. Ich wurde bei der Sache keineswegs verschont, sondern voll mit einbezogen, sodass ich voller Sahne da stand und nichts mit mir anzufangen wusste. Anschließend durfte ich ein OP-Hemd überziehen.

Bei Feierabend ging ich dann im OP-Hemd zur Umkleide und verabschiedete mich auf dem Weg von etlichen Kollegen aus dem Krankenhaus. Allen voran natürlich die Leute von meiner Station, aus der Pflege, aus dem Ärzte-Team und aus der Therapie. Sie alle wünschten mir alles Gute und hielten mir noch einmal meine schlimmsten Fehler und Peinlichkeiten des Jahres vor. Danach gab es aber immer eine herzliche Umarmung, einen guten Spruch und manchmal auch die eine oder andere Träne auf beiden Seiten. Anschließend traf ich Krankenpflegeschüler, Schwestern und Pfleger von anderen Stationen, Reinigungskräfte, Leute aus der Objektversorgung und weitere Ärzte, die ich kennenlernen durfte. Auch hier gab es ein paar Worte des Abschiedes, lobende Sätze und Anerkennung, die ich gar nicht erwartet hatte.

Ich warf einen letzten Blick in meinen Spind, dachte an die letzten elf Monate, die ich Tag und Nacht hierher kam und wischte eine kleine Träne weg. Ich ging am Empfang vorbei, um auch dort „tschüss“ zu sagen, dann verließ ich das Krankenhaus und fuhr ein letztes Mal mit dem Bus, der mich zum Bahnhof bringt, um dort in den Zug steigen zu können, der bis jetzt mein treuer Begleiter nach Hause war. Nun ist es vorbei. Ich habe diese elf Monate geschafft. Verdammt, bin ich traurig, dass sie vorbei sind.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  21.09.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
21.09.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Neues altes Leben

Jetzt ist es endgültig vorbei: mein Jahr im Elsass. Eine tolle, prägende und vor allem interessante Zeit. Zum Abschluss gab es ein bisschen Kuchen, ein paar Abschiedsgeschenke und auch ein paar Tränen bei den Senioren und mir. Aber im Großen und Ganzen waren die letzten Tage in meiner Einrichtung außergewöhnlich schön.

Dank straffem Zeitplan sollte es aber nahtlos weitergehen. Nach meinem letzten Arbeitstag steht direkt ein Abschluss-Seminar zusammen mit den anderen Frankreich-Freiwilligen an. Von da aus muss ich einmal quer durch Deutschland nach Hause auf einen kurzen Zwischenstopp, um Farbe und Pinsel einzupacken, und im Anschluss dann direkt weiter zur Uni und in die neue WG.

Das war zumindest der Plan. Völlig übermüdet schaffe ich es natürlich nicht, planmäßig loszukommen. Dann höre ich im Radio, dass die Lufthansa streikt und viele auf das Auto umsteigen – und gerate selbstverständlich auch prompt in zwei Staus. Es war also absehbar, dass ich es nicht mehr rechtzeitig zur Anmeldung für einen Vorkurs in der Uni schaffen würde. Also entwickelte ich schnell einen Plan B und fragte Taxi Mama, ob es Zeit hat, mich vielleicht kurz mal zwischendurch in Köln abzuholen und nach Aachen zu begleiten. Der Vorkurs ist also gerettet, der Zwischenstopp zu Hause fällt aber flach. Doch obwohl ich noch kein Zeug zum Streichen dabei habe, als ich nach dem Termin in der Uni das erste Mal meine neue Wohnung und einen meiner Mitbewohner kennenlerne, bringen wir doch noch etwas Produktives zustande. Kochen und essen ist ja auch sehr wichtig.

Nach einer guten Stunde bringt meine Mama mich dann wieder zu meinem Auto und wir fahren endlich nach Hause. Beim abendlichen Telefonat mit meinem Freund nicke ich noch ein paar Mal weg, bevor ich nach den Gute-Nacht-Wünschen augenblicklich einschlafe. Soviel also zu meinem ersten Tag zurück in meinem neuen alten Leben.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  18.09.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
18.09.2015

Mein freiwilliges Jahr

Wie zu Schulzeiten

Mein Wecker klingelt um halb sieben. Nachdem die Müdigkeit im Kampf gegen mein Pflichtgefühl unterliegt, stehe ich auf und schlurfe ins Bad. Zurück in meinem Zimmer stehe ich vor meinem Kleiderschrank und muss mich für ein Outfit entscheiden. Instinktiv greife ich nach der ausgewaschenen Lieblingsjeans und einem meiner gemütlichen Hoodies. Doch ich halte inne und erinnere mich daran, dass ich nun nicht mehr zur Schule gehe und greife doch zu einer sauberen, schwarzen Hose und einem gebügelten Pullover. Abgesehen von meiner Klamotten- und Frisurwahl ist meine morgendliche Routine dieselbe – wie zu Schulzeiten. Meine Eltern sitzen mit mir zusammen am Frühstückstisch. Aber statt in meine Sneakers schlüpfe ich in schwarze Stiefeletten und statt einem Rucksack schnappe ich mir meine Handtasche. Jetzt bin ich bereit für einen weiteren Arbeitstag als FSJlerin.

Die Einsatzstelle für mein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur ist das Kulturbüro der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Hauptsächlich werden hier Veranstaltungen, beispielsweise Lesungen, Preisverleihungen oder Fastnachtssitzungen geplant und organisiert. In den nächsten Wochen steht eine Ehrung für Bürger an, die sich in besonderer Weise engagiert haben. Dafür habe ich in den letzten Tagen sämtliche Einladungen verschickt und die Ehrenurkunden geschrieben. Denn obwohl ich erst vor knapp zwei Wochen angefangen habe, habe ich schon eigene Aufgaben und ein kleines bisschen Verantwortung übertragen bekommen, worüber ich sehr froh bin. Und vor allem habe ich eines gelernt: Telefonieren. Ich weiß, dass man mit 19 Jahren in der Lage sein sollte, mit fremden Menschen zu telefonieren. Trotzdem habe ich anfangs immer Panik bekommen, sobald meine Kollegin alle Anrufer in ihrer Abwesenheit zu mir umgestellt hat. Nach den ersten paar Anrufern war meine Telefonphobie aber überwunden und mein Begrüßungssatz klingt immer weniger einstudiert.

Ich komme ein bisschen später als zu Schulzeiten nach Hause, aber dafür muss ich keine Hausaufgaben mehr machen. Abends kocht meine Mutter mein Lieblingsessen und mir wird einmal mehr bewusst, dass ich noch nicht dazu bereit wäre, in den nächsten Wochen auszuziehen. Denn es ist wirklich alles ein bisschen wie früher. Nur eben viel besser.

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  16.09.2015
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
16.09.2015