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Mein freiwilliges Jahr

Sommerloch

Das gibt es sogar im Krankenhaus: Eine Zeit, in der kaum etwas zu tun ist, in der kaum Patienten da sind, somit wenige zu Untersuchungen gebracht werden oder gepflegt werden müssen. Ich bin in dieser Zeit im Patiententransport, frage überall mehrmals nach, ob nicht irgendjemand irgendeinen Patienten braucht. Röntgen ist seit 10 Uhr durch, nur noch Notfälle von der Notaufnahme sind gegebenenfalls zu bearbeiten. Die fahre ich aber nicht. Für die CT gilt dasselbe. MRT läuft jede Stunde einmal. Und wir sind zu fünft. Da bleibt für den Einzelnen nicht viel zu tun. Während ich dasitze und warte, zerlaufe ich förmlich auf meinem Stuhl. Nur ab und zu bläst der Ventilator mir Luft ins Gesicht.

Kein Stress? Und das im Krankenhaus? Undenkbar, wie ich bisher dachte. Doch es scheint möglich zu sein. Dadurch bleibt viel Zeit, mich zu unterhalten, mich den neuen Freiwilligen und Auszubildenden zu widmen, sie kennenzulernen. Gleiches gilt für die wenigen Patienten, die ich durch die Gegend fahre. So habe ich mich mit jemandem unterhalten, der Lungenkrebs in ausgeprägter Form hat, aber voller Hoffnung ist, dass die sechs Chemotherapien anschlagen. Oder einen Vater, der sich wunderte, um wen es hier eigentlich gehe. Des Öfteren haben mich Patienten gefragt, ob ich mit Prinz Harry verwandt sei (schuld daran sind definitiv die ganzen Boulevard-Zeitschriften, die den Patienten in die Hand gedrückt werden). Also hat die Zeit der Untätigkeit doch etwas Gutes: Ich konnte mich richtig mit den Menschen beschäftigen, auf die ich im Krankenhaus treffe.

Autor: Thilo  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  20.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: auszeit nach dem abi
20.08.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Mit dem Rucksack durch Dänemark

Nach dem Abi wollte ich unbedingt etwas erleben. Vielleicht irgendein Abenteuer, das ich so schnell nicht mehr vergessen würde. Da es einer Freundin von mir ähnlich ging, haben wir kurzfristig beschlossen, zusammen nach Dänemark zu reisen. Ja, ich weiß. Dänemark klingt nicht nach dem puren Abenteuer. Aber wir haben gehört, dass es dort schön sei und die glücklichsten Menschen der Welt leben. Außerdem war der Reiseführer über Kopenhagen im Angebot. Meine Freundin und ich hatten einen groben Reiseplan im Kopf, wir buchten aber nur die Hin- und Rückreise sowie die ersten drei Nächte. Vier Wochen wollten wir weg bleiben, uns mit dem Rucksack vom Norden in den Süden vorarbeiten, bleiben, wo es schön war, couchsurfen, Leute und ein fremdes Land kennenlernen.

Dass Dänemark eins der teuersten Länder Europas ist, wussten wir von Anfang an. Deswegen machten wir uns auf nahezu alles gefasst, als wir zum ersten Mal einen dänischen Supermarkt betraten. Und der erste Schock war tatsächlich groß: „WAAAAS?! 35 Euro für ein Glas Nutella?!“ Das ist echt ganz schön teuer hier!«, stellte meine Freundin empört fest. Dass es sich bei dem Preis nicht um Euro, sondern um dänische Kronen handelte, fiel ihr im nächsten Moment dann selbst auf. Die umgerechneten Europreise waren dann zwar immer noch höher als in Deutschland, aber einigermaßen bezahlbar.

Am Ende des Monats waren wir insgesamt in elf verschiedenen Klein- und Großstädten. Wir sind mit dem Zug, dem Bus oder der Fähre quer durchs Land gefahren, haben viel Zeit in kleinen Küstenorten verbracht, aber auch in dänischen Studentenstädten. In Skagen haben wir am Strand gezeltet und gesehen, wo sich Nord- und Ostsee treffen. In Esbjerg gingen wir mit einigen dänischen Studenten Cocktails trinken, in Odense tanzten wir in coolen Clubs. In Kopenhagen schlenderten wir über die ellenlangen Einkaufsstraßen und sonnten uns im Park – wir genossen die Entspannung und die Unabhängigkeit sehr. Zwar war es manchmal anstrengend, kurzfristig Schlafplätze und eine Antwort auf die Frage „Was essen wir heute Abend?“ zu finden, aber trotzdem hatten wir am Ende jede Nacht ein Dach über dem Kopf und ein selbstgekochtes Essen auf dem Teller.

Diese Reise durch Dänemark war definitiv ein Abenteuer, das ich ganz sicher nicht so schnell vergessen werde. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und würde jederzeit wieder meinen Rucksack packen und ohne festen Plan in ein fremdes Land reisen. Und ich kann verstehen, wieso in Dänemark die glücklichsten Menschen der Welt wohnen: Das Land ist wirklich wunderschön und vielseitig!

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  17.08.2015
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
17.08.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Die eigenen vier Wände

Die letzten Wochen waren der reinste Horror. Ich hatte an keinem einzigen Tag Ruhepausen. Runterkommen konnte ich eigentlich nur in der Arbeit, weil ich mich dort auf festgelegte Aufgaben konzentrieren konnte und nicht so viel drum herum bedenken musste. So eine Wohnungssuche ist aufregend und spannend, aber an sich kein großer Spaß. Meine Freundin musste mich ständig launisch und genervt ertragen, ich hielt mich ja selbst kaum aus. Und dabei lief es bei uns gar nicht so schlecht. Nach der dritten Wohnungsbesichtigung hat es tatsächlich geklappt: Wir konnten uns eine Wohnung in Münster sichern, die Platz für zwei weitere Mitbewohner bietet. Stress vorbei. Stress vorbei? Denkste!

Die Suche nach neuen Mitbewohnern, das Abschließen von Versicherungen und das Unterzeichnen des Mietvertrags stellen sich als echte Zeitfresser heraus. Und: Wie sucht man überhaupt Mitbewohner aus? Inwiefern zählt das Aussehen eines Menschen? Ist man da wirklich so oberflächlich und urteilt schlecht über einen anderen aufgrund seiner schiefen Nase oder seines Piercings in der Augenbraue? Ich denke, dass das Aussuchen von Mitbewohnern eine sehr sensible Sache ist. Es ist verdammt schwierig, richtige Kriterien aufzustellen. Wir suchen nach Leuten, mit denen wir viel Spaß haben können, mit denen wir was unternehmen und erleben werden. Andererseits dürfen sie aber nicht zu abenteuerlustig sein, sondern sollten auch mal Rücksicht nehmen können. Man muss sich schließlich auch mal zurückziehen und von den anderen erholen können. Wir werden bestimmt passende Mitbewohner finden. Ich bin erst einmal froh, dass wir die Wohnung bekommen haben!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  11.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
11.08.2015