Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Mein Freiwilliges Jahr

Welpen

Seit einer Weile haben wir zwei neue Freiwillige im Krankenhaus, die ich einweisen soll. An ihrem ersten Tag waren beide unheimlich nervös und unsicher. Er hat gerade sein Abitur gemacht und weiß nicht, was er machen will, weshalb er dieses Jahr zur Orientierung nutzen möchte. Er sieht aus wie eine Mischung aus Bad Boy und Schnösel und hat einen ziemlich kruden Humor. Sie kommt von der Realschule, lebt im betreuten Wohnen mit zwei Jungs zusammen und möchte nach dem FSJ auch in der Pflege arbeiten. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Eine Gemeinsamkeit haben sie aber: Sie werden mir tierisch auf die Nerven gehen.

Das meine ich nicht mal böse. Es ist nur so, dass ich die ständige Fragerei aushalten muss. War ich auch so? Ich muss mir eingestehen, dass ich vermutlich sogar noch schlimmer war. Nicht nur einmal wurde ich deshalb zusammengefaltet, weil ich Menschen von ihrer Arbeit abhielt. Somit muss ich hier Nachsicht zeigen.

Außerdem arbeiten sie sehr langsam. Es ist echt irre, wie unsicher sie sind und wie oft man die Anweisungen wiederholen muss. Dabei fällt mir aber wieder ein, dass mir anfangs auch alles doppelt und dreifach erklärt wurde und erklärt werden musste. Da war keine Ungeduld, sondern sehr viel Rücksicht. Also: freundlich bleiben.

Interessant ist, wie die beiden Freiwilligen an alles herangehen. Sie machen noch aus allem ein großes Ding, weil es für sie neu ist. Medikamente fehlen auf der Station: Katastrophe! Ein Patient hat ist verwirrt: Weltuntergang! Jemand hat die Patientenakte verlegt: ein immenses Vergehen! Was mir mittlerweile völlig normal erscheint, ist für die beiden dermaßen besonders, dass sie es mir auch immer brav erzählen.

Eine Woche muss ich die beiden beim Patiententransport anleiten. Wie mobilisiert man Patienten? Wie schiebe ich Betten und Rollstühle? Wo finde ich die Akten und Kurven? Wo ist das MRT? Wo die CT? Sonographie? Angiographie? EKG? Am Ende haben sich die beiden doch ganz gut angestellt – und in einem Jahr werden sie die Neuen einlernen und vermutlich genauso denken wie ich jetzt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  25.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
25.08.2015

Mein freiwilliges Jahr

Sommerloch

Das gibt es sogar im Krankenhaus: Eine Zeit, in der kaum etwas zu tun ist, in der kaum Patienten da sind, somit wenige zu Untersuchungen gebracht werden oder gepflegt werden müssen. Ich bin in dieser Zeit im Patiententransport, frage überall mehrmals nach, ob nicht irgendjemand irgendeinen Patienten braucht. Röntgen ist seit 10 Uhr durch, nur noch Notfälle von der Notaufnahme sind gegebenenfalls zu bearbeiten. Die fahre ich aber nicht. Für die CT gilt dasselbe. MRT läuft jede Stunde einmal. Und wir sind zu fünft. Da bleibt für den Einzelnen nicht viel zu tun. Während ich dasitze und warte, zerlaufe ich förmlich auf meinem Stuhl. Nur ab und zu bläst der Ventilator mir Luft ins Gesicht.

Kein Stress? Und das im Krankenhaus? Undenkbar, wie ich bisher dachte. Doch es scheint möglich zu sein. Dadurch bleibt viel Zeit, mich zu unterhalten, mich den neuen Freiwilligen und Auszubildenden zu widmen, sie kennenzulernen. Gleiches gilt für die wenigen Patienten, die ich durch die Gegend fahre. So habe ich mich mit jemandem unterhalten, der Lungenkrebs in ausgeprägter Form hat, aber voller Hoffnung ist, dass die sechs Chemotherapien anschlagen. Oder einen Vater, der sich wunderte, um wen es hier eigentlich gehe. Des Öfteren haben mich Patienten gefragt, ob ich mit Prinz Harry verwandt sei (schuld daran sind definitiv die ganzen Boulevard-Zeitschriften, die den Patienten in die Hand gedrückt werden). Also hat die Zeit der Untätigkeit doch etwas Gutes: Ich konnte mich richtig mit den Menschen beschäftigen, auf die ich im Krankenhaus treffe.

Autor: Thilo  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  20.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: auszeit nach dem abi
20.08.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Mit dem Rucksack durch Dänemark

Nach dem Abi wollte ich unbedingt etwas erleben. Vielleicht irgendein Abenteuer, das ich so schnell nicht mehr vergessen würde. Da es einer Freundin von mir ähnlich ging, haben wir kurzfristig beschlossen, zusammen nach Dänemark zu reisen. Ja, ich weiß. Dänemark klingt nicht nach dem puren Abenteuer. Aber wir haben gehört, dass es dort schön sei und die glücklichsten Menschen der Welt leben. Außerdem war der Reiseführer über Kopenhagen im Angebot. Meine Freundin und ich hatten einen groben Reiseplan im Kopf, wir buchten aber nur die Hin- und Rückreise sowie die ersten drei Nächte. Vier Wochen wollten wir weg bleiben, uns mit dem Rucksack vom Norden in den Süden vorarbeiten, bleiben, wo es schön war, couchsurfen, Leute und ein fremdes Land kennenlernen.

Dass Dänemark eins der teuersten Länder Europas ist, wussten wir von Anfang an. Deswegen machten wir uns auf nahezu alles gefasst, als wir zum ersten Mal einen dänischen Supermarkt betraten. Und der erste Schock war tatsächlich groß: „WAAAAS?! 35 Euro für ein Glas Nutella?!“ Das ist echt ganz schön teuer hier!«, stellte meine Freundin empört fest. Dass es sich bei dem Preis nicht um Euro, sondern um dänische Kronen handelte, fiel ihr im nächsten Moment dann selbst auf. Die umgerechneten Europreise waren dann zwar immer noch höher als in Deutschland, aber einigermaßen bezahlbar.

Am Ende des Monats waren wir insgesamt in elf verschiedenen Klein- und Großstädten. Wir sind mit dem Zug, dem Bus oder der Fähre quer durchs Land gefahren, haben viel Zeit in kleinen Küstenorten verbracht, aber auch in dänischen Studentenstädten. In Skagen haben wir am Strand gezeltet und gesehen, wo sich Nord- und Ostsee treffen. In Esbjerg gingen wir mit einigen dänischen Studenten Cocktails trinken, in Odense tanzten wir in coolen Clubs. In Kopenhagen schlenderten wir über die ellenlangen Einkaufsstraßen und sonnten uns im Park – wir genossen die Entspannung und die Unabhängigkeit sehr. Zwar war es manchmal anstrengend, kurzfristig Schlafplätze und eine Antwort auf die Frage „Was essen wir heute Abend?“ zu finden, aber trotzdem hatten wir am Ende jede Nacht ein Dach über dem Kopf und ein selbstgekochtes Essen auf dem Teller.

Diese Reise durch Dänemark war definitiv ein Abenteuer, das ich ganz sicher nicht so schnell vergessen werde. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und würde jederzeit wieder meinen Rucksack packen und ohne festen Plan in ein fremdes Land reisen. Und ich kann verstehen, wieso in Dänemark die glücklichsten Menschen der Welt wohnen: Das Land ist wirklich wunderschön und vielseitig!

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  17.08.2015
Autor: Franziska
Rubrik: orientieren
17.08.2015