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Mein Freiwilliges Jahr

Die eigenen vier Wände

Die letzten Wochen waren der reinste Horror. Ich hatte an keinem einzigen Tag Ruhepausen. Runterkommen konnte ich eigentlich nur in der Arbeit, weil ich mich dort auf festgelegte Aufgaben konzentrieren konnte und nicht so viel drum herum bedenken musste. So eine Wohnungssuche ist aufregend und spannend, aber an sich kein großer Spaß. Meine Freundin musste mich ständig launisch und genervt ertragen, ich hielt mich ja selbst kaum aus. Und dabei lief es bei uns gar nicht so schlecht. Nach der dritten Wohnungsbesichtigung hat es tatsächlich geklappt: Wir konnten uns eine Wohnung in Münster sichern, die Platz für zwei weitere Mitbewohner bietet. Stress vorbei. Stress vorbei? Denkste!

Die Suche nach neuen Mitbewohnern, das Abschließen von Versicherungen und das Unterzeichnen des Mietvertrags stellen sich als echte Zeitfresser heraus. Und: Wie sucht man überhaupt Mitbewohner aus? Inwiefern zählt das Aussehen eines Menschen? Ist man da wirklich so oberflächlich und urteilt schlecht über einen anderen aufgrund seiner schiefen Nase oder seines Piercings in der Augenbraue? Ich denke, dass das Aussuchen von Mitbewohnern eine sehr sensible Sache ist. Es ist verdammt schwierig, richtige Kriterien aufzustellen. Wir suchen nach Leuten, mit denen wir viel Spaß haben können, mit denen wir was unternehmen und erleben werden. Andererseits dürfen sie aber nicht zu abenteuerlustig sein, sondern sollten auch mal Rücksicht nehmen können. Man muss sich schließlich auch mal zurückziehen und von den anderen erholen können. Wir werden bestimmt passende Mitbewohner finden. Ich bin erst einmal froh, dass wir die Wohnung bekommen haben!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  11.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
11.08.2015

Mein freiwilliges Jahr

Abi looking for freedom

Spätestens zu Beginn des letzten Schuljahres wurde mir eine Frage fast täglich von Freunden, Verwandten oder Lehren gestellt: „Und, Franziska, was machst du nach dem Abi?“ Meine Antwort war jedes Mal dieselbe: Mal sehen. Auch bei meinen Mitschülern schien es kein anderes Thema mehr zu geben. Doch ich hielt mich aus jeglichen Diskussionen über Auslandspraktika und duale Studiengänge raus. Viel zu sagen wusste ich dazu ohnehin nicht. Ich schob es immer weiter auf, mich über Studienfächer zu informieren, und plante nur bis zum 21. März 2015, dem Tag meines Abiballs. Alles, was danach kam, betitelte ich als „Zukunft“ – und davon wollte ich so lange wie möglich nichts wissen.

Der Abiball kam dann schneller als mir recht war. Trotzdem war es ein krönender Abschluss meiner Schulzeit. Ich tanzte mit Freunden und feierte mit den Leuten, die mich neun Jahre lang durchs Gymnasium begleitet hatten. Wir blickten auf 13 Jahre Schule zurück, sangen „Looking for Freedom“ von David Hasselhoff und zelebrierten unsere neu gewonnene Freiheit. Denn obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte, wie diese denn aussehen würde, war ich froh, dass endlich etwas Neues beginnen konnte.

Am Tag nach dem Ball, wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich die Sicherheit, die mir die Schule gegeben hat, nicht mehr hatte. Und dass es langsam aber sicher Zeit wurde, mir Gedanken zu machen. Also setzte ich mich hin, wälzte den Studienführer, den ich mir von meiner besten Freundin geliehen hatte, und informierte mich online über sämtliche Universitäten in ganz Deutschland. Zwar konnte ich von Anfang an einige Studienfächer ausschließen – dass aus mir in diesem Leben keine Naturwissenschaftlerin mehr werden würde, war mir klar – aber dennoch schien das Angebot unendlich groß. Ich fühlte mich überfordert. Und obwohl ich immer im Hinterkopf hatte, dass ich nach dem Abitur ausziehen und studieren wollte, fühlte ich mich plötzlich noch nicht bereit, diesen Schritt zu wagen.

Vom FSJ Kultur habe ich durch Zufall erfahren. Obwohl ich ein Freiwilliges Soziales Jahr vorher nie in Erwägung gezogen hatte (was daran liegen könnte, dass ich damit bisher nur Krankenhäuser und Kindergärten verbunden habe), klang der kulturelle Bereich für mich sehr interessant. Das Angebot reichte von Museen über Theater bis hin zu Fernsehsendern. Ich schickte meine Onlinebewerbung ab und war erleichtert, dass ich endlich einen Plan verfolgen konnte.

Mittlerweile sind vier Monate vergangen. In dieser Zeit habe ich meinen 19. Geburtstag gefeiert, gejobbt und die freie Zeit genossen. Und am wichtigsten: Am 1. September 2015 werde ich im Kulturamt Mainz-Bingen für Kulturmanagement mein FSJ Kultur beginnen. Nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, ging alles relativ schnell: Ich durfte aus einer Liste mit möglichen Einsatzstellen meine Favoriten auswählen und bekam ein Vorstellungsgespräch vermittelt. Als ich kurz darauf die Zusage in der Tasche hatte, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen.

Ich freue mich darauf, ein Jahr lang Kulturarbeit leisten zu dürfen, neue Leute kennenzulernen, eigene Projekte zu verwirklichen und mir hoffentlich darüber klar zu werden, was genau ich danach studieren möchte. Außerdem werde ich weiterhin zu Hause wohnen und obwohl ich das noch vor ein paar Monaten niemals gedacht hätte, bin ich glücklich, dass ich diese Normalität in meinem Alltag noch ein bisschen bewahren kann.

Wo es dann nächstes Jahr für mich hingeht, werde ich sehen. Und wenn ihr wollt, könnt ihr mich auf meinem Weg begleiten.

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  04.08.2015

Mein freiwilliges Jahr

Abschied

Als ich das letzte Mal als Kapitän mit meinen Jungs auf dem Platz stand, wurde ich ganz sentimental. Ich werde ganz schön viel zurücklassen, wenn ich bald zum Studium nach Münster gehe. Insgesamt fallen mir viele Dinge auf, die ich hier wohl zum letzten Mal tue. Es wird mir fehlen, alle Leute im Ort zu grüßen, wenn ich sie auf der Straße treffe. In Münster werde ich zunächst mal nicht viele Menschen kennen. Ich löse mich also langsam von alten Gewohnheiten, nehme sie aber sehr bewusst wahr und bin ziemlich traurig deswegen. Ich muss nun Platz machen für neue Dinge, neue Erfahrungen und neue Gewohnheiten. Sich dagegen zu stemmen, bringt nichts. Das ist der Lauf der Dinge und man sollte sowieso alles so nehmen wie es kommt.

Besonders schwer fällt es mir aber, meinen Fußball-Verein zu verlassen. Das Gefühl, im Trikot auf den Platz zu gehen, seine Mannschaft 90 Minuten anzutreiben und alles zu geben, ist unbeschreiblich. Und soll bitte nicht mehr wiederkehren, da nichts in der Zukunft an die Zeit bei meinem Verein anknüpfen kann. Alles wird eine glanzlose Kopie dessen sein, was ich hier hatte.

Den finalen Elfmeter habe ich übrigens zum 5:1 verwandelt. Diesen letzten Triumph genoß ich sehr. Ich schrie aus vollem Hals, ließ mich von meinen Kollegen bejubeln und wir feierten ausgiebig. Nach dem Abpfiff ging ich in Richtung Kabine. In der linken Hand hielt ich meine Kapitätsbinde, die rechte wischte Schweiß aus dem Gesicht. Oder doch eine Träne?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  04.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
04.08.2015