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Mein freiwilliges Jahr

Abschied

Als ich das letzte Mal als Kapitän mit meinen Jungs auf dem Platz stand, wurde ich ganz sentimental. Ich werde ganz schön viel zurücklassen, wenn ich bald zum Studium nach Münster gehe. Insgesamt fallen mir viele Dinge auf, die ich hier wohl zum letzten Mal tue. Es wird mir fehlen, alle Leute im Ort zu grüßen, wenn ich sie auf der Straße treffe. In Münster werde ich zunächst mal nicht viele Menschen kennen. Ich löse mich also langsam von alten Gewohnheiten, nehme sie aber sehr bewusst wahr und bin ziemlich traurig deswegen. Ich muss nun Platz machen für neue Dinge, neue Erfahrungen und neue Gewohnheiten. Sich dagegen zu stemmen, bringt nichts. Das ist der Lauf der Dinge und man sollte sowieso alles so nehmen wie es kommt.

Besonders schwer fällt es mir aber, meinen Fußball-Verein zu verlassen. Das Gefühl, im Trikot auf den Platz zu gehen, seine Mannschaft 90 Minuten anzutreiben und alles zu geben, ist unbeschreiblich. Und soll bitte nicht mehr wiederkehren, da nichts in der Zukunft an die Zeit bei meinem Verein anknüpfen kann. Alles wird eine glanzlose Kopie dessen sein, was ich hier hatte.

Den finalen Elfmeter habe ich übrigens zum 5:1 verwandelt. Diesen letzten Triumph genoß ich sehr. Ich schrie aus vollem Hals, ließ mich von meinen Kollegen bejubeln und wir feierten ausgiebig. Nach dem Abpfiff ging ich in Richtung Kabine. In der linken Hand hielt ich meine Kapitätsbinde, die rechte wischte Schweiß aus dem Gesicht. Oder doch eine Träne?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  04.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
04.08.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Freiheit

Ihr werdet nicht glauben, was einer Freundin von mir neulich passiert ist. Sie lebt seit ein paar Monaten in Berlin und hat – ohne sich viele Gedanken zu machen – die Wohnung verlassen, obwohl ein Fenster geöffnet war. Bei uns auf dem Land ist dieses Verhalten gang und gäbe – in der Hauptstadt hingegen sollte man vorsichtig sein. Aber sie hatte Glück: Als sie nach Hause kam, stand ein Polizist in der Küche und kein Einbrecher.

Warum ich euch das erzähle? Weil ich ihren Schritt, einfach wegzuziehen und sich etwas Neues in einer fremden Stadt aufzubauen, sehr beachtlich finde. Ihr großes Ziel ist die Schauspielerei. Doch bis dahin wird es ein langer Weg werden. Ich vermute, sie wird sich bis dahin mit Aushilfsjobs über Wasser halten, immer wieder an ihre finanziellen Grenzen gelangen und ohne wirkliche Sicherheit ihr Leben bestreiten. Andere Freunde sind für ein Jahr ins Ausland gegangen. Das ist meiner Meinung nach etwas ganz anderes, schließlich haben sie die Gewissheit, wieder zurückzukommen.

Meine Freundin aus Berlin war neulich in unserer gemeinsamen Heimat, in der ich immer noch lebe. Sie beschrieb das Gefühl, hierher zu kommen, einerseits als toll, andererseits aber auch als beklemmend. Ich konnte nachfühlen, was sie mit der Beklemmung meinte. Was sie will, ist Freiheit. Und ich spüre, wie dieser Wunsch auch in mir langsam Gestalt annimmt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  23.07.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
23.07.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Wohnungssuche

Nachdem meine erste Besichtigung ziemlich in die Hose gegangen ist, wollte ich beim zweiten Mal alles richtig machen und mich schon im Vorfeld über alles Wichtige informieren. Und das, was ich erfuhr, klang ziemlich gut: Die Wohnung liegt verdammt gut. Fünf Minuten ist sie von der Münsteraner Innenstadt entfernt, zehn Minuten von meinem zukünftigen Campus. Der Aasee, so ziemlich der Mittelpunkt des studentischen Freizeitlebens, ist direkt vor der Haustür. Darüber hinaus gibt es drei potenzielle Schlafzimmer, einen Balkon, eine geräumige Küche und natürlich auch ein Badezimmer. Kleiner Haken ist der Preis, der mit 1.150 Euro warm doch recht hoch ist. Jeder Mitbewohner müsste mit Strom und Internet an die 400 Euro zahlen – sofern die Zimmer alle gleich groß wären. Und das war leider nicht der Fall. Es ist also nur halb so wild, dass auch aus dieser Wohnungsbesichtigung keine Zusage hervorgegangen ist.

Aufgeben war noch nie mein Ding, also suchte ich direkt weiter – und das auch mit kleinem Erfolg. Denn schon wieder konnte ich einen Termin für eine Besichtigung vereinbaren. Ausnahmsweise kann diesmal auch meine zukünftige Mitbewohnerin mit, was bisher sehr schwierig war, weil sie in Freiburg arbeitet. Fünf Zimmer hat dieses potenzielle neue Zuhause, davon vier gleich große Schlafzimmer, zwei Bäder, einen Balkon, zentrumsnahe Lage – was will man mehr? Die Zusage natürlich. Drückt uns die Daumen!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  15.07.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
15.07.2015