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Mein freiwilliges Jahr

Abi looking for freedom

Spätestens zu Beginn des letzten Schuljahres wurde mir eine Frage fast täglich von Freunden, Verwandten oder Lehren gestellt: „Und, Franziska, was machst du nach dem Abi?“ Meine Antwort war jedes Mal dieselbe: Mal sehen. Auch bei meinen Mitschülern schien es kein anderes Thema mehr zu geben. Doch ich hielt mich aus jeglichen Diskussionen über Auslandspraktika und duale Studiengänge raus. Viel zu sagen wusste ich dazu ohnehin nicht. Ich schob es immer weiter auf, mich über Studienfächer zu informieren, und plante nur bis zum 21. März 2015, dem Tag meines Abiballs. Alles, was danach kam, betitelte ich als „Zukunft“ – und davon wollte ich so lange wie möglich nichts wissen.

Der Abiball kam dann schneller als mir recht war. Trotzdem war es ein krönender Abschluss meiner Schulzeit. Ich tanzte mit Freunden und feierte mit den Leuten, die mich neun Jahre lang durchs Gymnasium begleitet hatten. Wir blickten auf 13 Jahre Schule zurück, sangen „Looking for Freedom“ von David Hasselhoff und zelebrierten unsere neu gewonnene Freiheit. Denn obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte, wie diese denn aussehen würde, war ich froh, dass endlich etwas Neues beginnen konnte.

Am Tag nach dem Ball, wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich die Sicherheit, die mir die Schule gegeben hat, nicht mehr hatte. Und dass es langsam aber sicher Zeit wurde, mir Gedanken zu machen. Also setzte ich mich hin, wälzte den Studienführer, den ich mir von meiner besten Freundin geliehen hatte, und informierte mich online über sämtliche Universitäten in ganz Deutschland. Zwar konnte ich von Anfang an einige Studienfächer ausschließen – dass aus mir in diesem Leben keine Naturwissenschaftlerin mehr werden würde, war mir klar – aber dennoch schien das Angebot unendlich groß. Ich fühlte mich überfordert. Und obwohl ich immer im Hinterkopf hatte, dass ich nach dem Abitur ausziehen und studieren wollte, fühlte ich mich plötzlich noch nicht bereit, diesen Schritt zu wagen.

Vom FSJ Kultur habe ich durch Zufall erfahren. Obwohl ich ein Freiwilliges Soziales Jahr vorher nie in Erwägung gezogen hatte (was daran liegen könnte, dass ich damit bisher nur Krankenhäuser und Kindergärten verbunden habe), klang der kulturelle Bereich für mich sehr interessant. Das Angebot reichte von Museen über Theater bis hin zu Fernsehsendern. Ich schickte meine Onlinebewerbung ab und war erleichtert, dass ich endlich einen Plan verfolgen konnte.

Mittlerweile sind vier Monate vergangen. In dieser Zeit habe ich meinen 19. Geburtstag gefeiert, gejobbt und die freie Zeit genossen. Und am wichtigsten: Am 1. September 2015 werde ich im Kulturamt Mainz-Bingen für Kulturmanagement mein FSJ Kultur beginnen. Nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, ging alles relativ schnell: Ich durfte aus einer Liste mit möglichen Einsatzstellen meine Favoriten auswählen und bekam ein Vorstellungsgespräch vermittelt. Als ich kurz darauf die Zusage in der Tasche hatte, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen.

Ich freue mich darauf, ein Jahr lang Kulturarbeit leisten zu dürfen, neue Leute kennenzulernen, eigene Projekte zu verwirklichen und mir hoffentlich darüber klar zu werden, was genau ich danach studieren möchte. Außerdem werde ich weiterhin zu Hause wohnen und obwohl ich das noch vor ein paar Monaten niemals gedacht hätte, bin ich glücklich, dass ich diese Normalität in meinem Alltag noch ein bisschen bewahren kann.

Wo es dann nächstes Jahr für mich hingeht, werde ich sehen. Und wenn ihr wollt, könnt ihr mich auf meinem Weg begleiten.

Autor: Franziska  |  Rubrik: orientieren  |  04.08.2015

Mein freiwilliges Jahr

Abschied

Als ich das letzte Mal als Kapitän mit meinen Jungs auf dem Platz stand, wurde ich ganz sentimental. Ich werde ganz schön viel zurücklassen, wenn ich bald zum Studium nach Münster gehe. Insgesamt fallen mir viele Dinge auf, die ich hier wohl zum letzten Mal tue. Es wird mir fehlen, alle Leute im Ort zu grüßen, wenn ich sie auf der Straße treffe. In Münster werde ich zunächst mal nicht viele Menschen kennen. Ich löse mich also langsam von alten Gewohnheiten, nehme sie aber sehr bewusst wahr und bin ziemlich traurig deswegen. Ich muss nun Platz machen für neue Dinge, neue Erfahrungen und neue Gewohnheiten. Sich dagegen zu stemmen, bringt nichts. Das ist der Lauf der Dinge und man sollte sowieso alles so nehmen wie es kommt.

Besonders schwer fällt es mir aber, meinen Fußball-Verein zu verlassen. Das Gefühl, im Trikot auf den Platz zu gehen, seine Mannschaft 90 Minuten anzutreiben und alles zu geben, ist unbeschreiblich. Und soll bitte nicht mehr wiederkehren, da nichts in der Zukunft an die Zeit bei meinem Verein anknüpfen kann. Alles wird eine glanzlose Kopie dessen sein, was ich hier hatte.

Den finalen Elfmeter habe ich übrigens zum 5:1 verwandelt. Diesen letzten Triumph genoß ich sehr. Ich schrie aus vollem Hals, ließ mich von meinen Kollegen bejubeln und wir feierten ausgiebig. Nach dem Abpfiff ging ich in Richtung Kabine. In der linken Hand hielt ich meine Kapitätsbinde, die rechte wischte Schweiß aus dem Gesicht. Oder doch eine Träne?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  04.08.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
04.08.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Freiheit

Ihr werdet nicht glauben, was einer Freundin von mir neulich passiert ist. Sie lebt seit ein paar Monaten in Berlin und hat – ohne sich viele Gedanken zu machen – die Wohnung verlassen, obwohl ein Fenster geöffnet war. Bei uns auf dem Land ist dieses Verhalten gang und gäbe – in der Hauptstadt hingegen sollte man vorsichtig sein. Aber sie hatte Glück: Als sie nach Hause kam, stand ein Polizist in der Küche und kein Einbrecher.

Warum ich euch das erzähle? Weil ich ihren Schritt, einfach wegzuziehen und sich etwas Neues in einer fremden Stadt aufzubauen, sehr beachtlich finde. Ihr großes Ziel ist die Schauspielerei. Doch bis dahin wird es ein langer Weg werden. Ich vermute, sie wird sich bis dahin mit Aushilfsjobs über Wasser halten, immer wieder an ihre finanziellen Grenzen gelangen und ohne wirkliche Sicherheit ihr Leben bestreiten. Andere Freunde sind für ein Jahr ins Ausland gegangen. Das ist meiner Meinung nach etwas ganz anderes, schließlich haben sie die Gewissheit, wieder zurückzukommen.

Meine Freundin aus Berlin war neulich in unserer gemeinsamen Heimat, in der ich immer noch lebe. Sie beschrieb das Gefühl, hierher zu kommen, einerseits als toll, andererseits aber auch als beklemmend. Ich konnte nachfühlen, was sie mit der Beklemmung meinte. Was sie will, ist Freiheit. Und ich spüre, wie dieser Wunsch auch in mir langsam Gestalt annimmt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  23.07.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
23.07.2015