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Mein Freiwilliges Jahr

Land in Sicht!

Im Moment gibt es viel zu tun. Ich brauche nämlich eine Wohnung in Münster. Münster ist eine wahre Studentenstadt, Wohnungen sind knapp und dazu noch relativ teuer. Ich muss mich also so früh wie möglich darum kümmern – und dafür brauche ich Motivation. Neben der Arbeit im Krankenhaus bleibt nämlich gar nicht so viel Zeit. Neulich Nachmittag konnte ich aber endlich genug aufbringen, sodass ich es schaffte, immerhin das Online-Formular auf der Website des Studentenwerkes Münster auszufüllen. Damit kann man sich für verschiedene Arten des Wohnens in Studentenwohnheimen bewerben. Die Möglichkeiten erstrecken sich über das Wohnen alleine in möblierten und unmöblierten Zimmern sowie in Appartements, die in Dreierkonstellationen über einen Gemeinschaftsraum miteinander verbunden sind, sodass sich so etwas wie eine Wohngemeinschaft ergibt.

Muss es denn unbedingt ein Studentenwohnheim sein? Nein, eher im Gegenteil. Der Vorteil eines Studentenwohnheimes liegt allerdings darin, dass ich mich sehr früh bewerben kann, somit also die besten Chancen habe, dass ich zum Studienbeginn auch wirklich einen Platz zum Schlafen und Lernen habe. Der Nachteil ist, dass es sich in jedem Fall um eine Zweck-WG handeln wird, was mir weniger gefällt. Ich möchte mit Leuten zusammenleben, mit denen ich mich wirklich gut verstehe und mit denen ich etwas unternehmen kann. Ich komme immerhin aus einer Familie, in der man sich viel austauscht und auch die Mahlzeiten gemeinsam einnimmt. Es wäre sehr schön, wenn ich das fortsetzen könnte.

Das Problem an selbstorganisierten Wohngemeinschaften ist aber, dass man sich nur sehr kurzfristig darum bemühen kann. Ich muss mich also permanent über frei werdende Zimmer informieren. Bis jetzt gibt es noch nicht viele Angebote ab dem 1. Oktober. Ich befürchte, das wird noch ein, zwei Monate dauern. Mein Vorteil ist aber, dass ich viel früher als viele andere weiß, dass ich zum Wintersemester auch wirklich studieren kann. Und: So schnell gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  20.05.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
20.05.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Immer entspannt am Patienten?

„Wenn du das Zimmer eines Patienten betrittst, vergiss deine Sorgen, deine Probleme und deinen Stress. Du musst dir vorstellen, dass du auf die Bühne gehst und ein Stück spielst, in dem alles gut ist“, hat mal eine Krankenschwester zu mir gesagt. Und sie hat Recht damit.

Vor den Patienten müssen wir es nämlich stets so aussehen lassen, als liefe alles so, wie es laufen soll. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, so sollen wir das die Patienten keinesfalls spüren lassen. Wenn wir im Stress sind, sollen wir ihn nicht auf die Patienten übertragen. Besonders alte Menschen reagieren darauf oft sehr empfindlich. Sie sperren sich dann gegen alles. Wir kennen also keine Eile und keinen Druck, wenn wir am Patienten arbeiten. So scheint es zumindest. Dass wir innerlich explodieren, weil alles zu langsam geht und noch unzählige Patienten warten, das merkt keiner. Und das soll auch so sein. Schließlich sollen die Patienten in Ruhe gesund werden und sich nicht mit unseren Emotionen auseinandersetzen müssen.

Doch was macht das mit dem Pflegepersonal, wenn alles heruntergeschluckt werden muss? Zugegeben, es ist manchmal ganz schön schwer. Wunderbar ist aber, dass ich im Krankenhaus spezielle Arbeitskleidung trage. Das klingt zwar ein wenig sonderbar, doch es ist so, dass ich nach der Schicht, wenn ich mich umziehe, viel Frust und Ärger mit ablege. Negative Emotionen lasse ich dadurch im Krankenhaus und kann befreit nach Hause gehen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  15.05.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
15.05.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Nummer sechs

Mittlerweile ist der sechste Patient bei mir auf der Station verstorben. Man könnte annehmen, dass einen in diesem Job der Tod irgendwann nicht mehr so berührt. Doch diesmal musste ich das erste Mal wirklich Palliativpflege betreiben. Ich habe erfahren, was es bedeutet, einen Menschen bewusst gehen zu lassen und sich so um ihn zu kümmern, dass er es auf seinem letzten Weg gut hat.

Ich habe noch seine Frau vor Augen, die völlig aufgelöst war, als er zu uns auf die Station kam. Merkwürdigerweise übertrug sich ihre Trauer nicht auf mich. Ich konnte sie noch anlächeln und ihr ermutigende Worte zusprechen. Zu dem Zeitpunkt hätte ich bereits ahnen müssen, wie das hier zu Ende geht. Ich habe in meinem naiven Optimismus daran festgehalten, dass er uns lebend verlassen wird, dass er wieder so gesund wird, dass er nach Hause kann. Ich glaube aber, dass in einer solchen Situation nur positive Gedanken helfen.

In den nächsten Tagen nahm sein Gesicht bereits blaue Verfärbungen an, er konnte sich kaum wach halten und ich musste ihm beim Essen helfen, weil er es allein nicht mehr schaffte. Seine fortgeschrittene Demenz verstärkte den Effekt seines physisch schlechten Zustandes. Er verstand nicht, was wir von ihm wollten und sperrte sich gegen alles. So lange, bis alle Versuche unterlassen wurden. „Wir geben ihm keine Medikamente mehr. Setzt die Behandlung ab“, waren die Worte des zuständigen Arztes. Was im ersten Moment nach einer großen Grausamkeit klingt, stellt sich im Nachhinein doch als der richtige Schritt heraus. Der Patient hatte mit seinem Leben abgeschlossen. Und auch wenn es mir schwerfällt, das nachzuvollziehen, habe ich es doch deutlich gemerkt und muss es akzeptieren.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  07.05.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
07.05.2015