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Mein Freiwilliges Jahr

Die nächsten drei

An meinem zweiten Tag im OP durfte ich gleich bei drei Operationen dabei sein. In einer mehr als drei Stunden dauernden Operation wurde einer Patientin ein kleines Implantat hinter dem linken Ohr eingesetzt, das Töne und Geräusche aufnehmen und über die Reizung des Hörnervs an das Gehirn weitergeben kann,. Auf diese Weise sollte sie wieder hören können. Interessant war besonders, wie überprüft wurde, ob der Chirurg auch an der richtigen Stelle arbeitet und nicht unnötig Knochen und Gewebe entfernt: Über einen Apparat konnte ein Klopfen vernommen werden, das aus einer Reizung des Hörnervs resultierte und an späterer Stelle über Lautsprecher ausgegeben wurde. Faszinierend.

Danach ging es um ein gerissenes Kreuzband. Das Implantat, das im Knie neu eingesetzt wurde, wurde nicht etwa aus künstlichem Material hergestellt, sondern unmittelbar vor der Operation aus dem Gewebe der Patientin gewonnen (oder aus den Muskeln, ich bin mir da gar nicht mehr so sicher). Wunderbar sehen konnte man mithilfe einer Kamera, die ins Knie geführt wurde, wo das Präparat entnommen wurde. Es wurde in einem recht komplizierten Verfahren eingesetzt, das ich mehr als genial fand. Zuerst wurden blaue Fäden durch das Knie gezogen, die später dazu dienten, das Kreuzband leichter einsetzen zu können. Dieses wurde von unten nach oben durch das Knie gezogen und befestigte sich dadurch selbst, dass ein Zwischenglied innerhalb des Knies so kippte, dass ein Verrutschen unmöglich war. Beeindruckend.

Alle guten Dinge sind drei, somit ging ich anschließend noch zu einer Wirbelzementierung, die wirklich schnell ging. Der Chirurg setzte zwei Kanäle im Bereich der Lendenwirbel ein und kontrollierte stetig über Röntgenaufnahmen, dass er auch an der richtigen Stelle war. Ich musste mich komplett in Strahlenschutzkleidung einhüllen, die wirklich viel Gewicht hatte. Die Operationstechnische Assistentin fertigte währenddessen den Zement an und füllte ihn in kleine Spritzen ab, die der Chirurg daraufhin nutzte, um den Zement über die Kanäle zwischen die Wirbel zu spritzen. Auf den Röntgenaufnahmen konnte ich wunderbar sehen, wie sich der Zement verteilte und die Zwischenräume schloss. Unglaublich.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  24.04.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
24.04.2015

Mein freiwilliges Jahr

Endlich Auszeit!

Seit sechs Monaten arbeite ich mittlerweile im Krankenhaus. Bisher habe ich keinen einzigen Tag Urlaub gehabt. Ich spüre langsam, dass ich sehr müde werde. Es wird Zeit, dass ich hier mal für ein paar Tage rauskomme!

Und das tue ich auch. Und wie. Zusammen mit meiner Freundin habe ich einen elftägigen Trip geplant. Wir fliegen von Bremen nach Dublin, um dort vier Tage zu bleiben. Die Stadt kennen wir schon von unserer Seminarfahrt vor eineinhalb Jahren. Damals besuchten wir die Cliffs of Moher, die größten Klippen Europas, hatten aber nichts davon, weil der Nebel so dicht war, dass wir kaum die Hand vor Augen sahen.

Anschließend fliegen wir weiter nach London, um dort drei Nächte zu bleiben. In der Nähe des Hyde Parks werden wir ein kleines Appartement beziehen. Von hier aus kommen wir recht schnell in das Zentrum, können aber auch gut die Randbezirke besichtigen. Ich freue mich besonders auf die Houses of Parliament, den Buckingham Palace, das London Eye, die Tower Bridge, das National History Museum und den Big Ben. Ist das alles erledigt, setzen wir uns in den Zug nach Paris. Ein weiteres Highlight der Reise wird sicher die Fahrt durch den Europatunnel.

In der Stadt der Liebe wollen wir den Louvre, den Eifelturm, den Triumphbogen und einiges mehr anschauen. Ich hoffe, dass es etwas gebracht hat, dass ich in den letzten Monaten Französisch gelernt habe. Das wird ein harter Test. Zwei Nächte werden wir hier verbringen, um schließlich mit dem Zug weiter zur letzten Station unserer Reise zu fahren: Amsterdam.

Dort erwartet uns ein schönes Hostel und hoffentlich eine Grachtenfahrt. Auch hier bin ich gespannt, ob ich mit meinen Kenntnissen der Landessprache punkten kann.

See you soon, au revoir und tot ziens!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  20.04.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
20.04.2015

Mein freiwilliges Jahr

Da guck ich wie ein Auto

Ich bekam folgende Mail: „Unter folgendem Link können Sie die vorläufigen Testergebnisse des Studierfähigkeitstestes an der Westfälischen Wilhelms-Universität-Münster einsehen. Bitte beachten Sie dabei, dass es sich um keine offizielle Zulassung oder Absage handelt. Den offiziellen Bescheid erhalten Sie von hochschulstart.de.“

Ich klicke auf den Link, gebe meinen Benutzernamen und das Passwort ein. Es erscheint eine Liste von Benutzernamen, die danach sortiert war, wie gut insgesamt abgeschnitten wurde. Bewertungspunkte gibt es für die Abiturnote, das Bewerbungsschreiben, die Stationen, an denen praktisch gearbeitet wurde, und den naturwissenschaftlichen Verständnistest. Die angezeigte Bewertung ist keine Punktzahl, sondern ein Buchstabe, der dafür steht, ob man sich unter den besten 20 Prozent (A) befindet, im Mittelfeld (B) oder leider nur unter den schlechtesten 20 Prozent (E).

Bevor ich mein Ergebnis anschaue, vibriert mein Handy. „Ich habe es leider nicht geschafft“, schreibt Frieda, auch für Mareike werde es „wohl sehr eng“. Clara hingegen erzählt von einem sehr positiven Ergebnis. Wir haben einen Gruppenchat eröffnet, nachdem wir uns beim Test in Münster getroffen hatten, um voneinander die Ergebnisse zu erfahren.

Nun kribbelt es unter meinen Nägeln. Ich denke an den Dozenten, der uns vor Beginn des Verständnistestes erzählte, dass unsere Chance auf einen Studienplatz bei 50 Prozent liege. Ist es in einer Gruppe, in der vier Leute sind, von denen zwei keinen Studienplatz erhalten haben, möglich, dass ich die Quote erfülle?

Ich suche in der Rangliste nach meinem Benutzernamen und brauche nicht lange: Ich stehe fast ganz oben. Dritter soll ich geworden sein. Dritter?! Von 160 Bewerben?! Eine riesige Freude steigt in mir auf. Ich kann kaum glauben, dass der Test so gut ausgefallen ist. Ich schaue mir die Ergebnisse wieder und wieder an und überprüfe, ob ich auch wirklich nach dem richtigen Namen gesucht habe. Aber tatsächlich, das bin ich da an dritter Stelle ...

Mittlerweile habe ich auch den offiziellen Bescheid von hochschulstart.de erhalten, sodass ich mit voller Gewissheit sagen kann: Ich werde bald Medizin studieren!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  13.04.2015