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Mein freiwilliges Jahr

Da guck ich wie ein Auto

Ich bekam folgende Mail: „Unter folgendem Link können Sie die vorläufigen Testergebnisse des Studierfähigkeitstestes an der Westfälischen Wilhelms-Universität-Münster einsehen. Bitte beachten Sie dabei, dass es sich um keine offizielle Zulassung oder Absage handelt. Den offiziellen Bescheid erhalten Sie von hochschulstart.de.“

Ich klicke auf den Link, gebe meinen Benutzernamen und das Passwort ein. Es erscheint eine Liste von Benutzernamen, die danach sortiert war, wie gut insgesamt abgeschnitten wurde. Bewertungspunkte gibt es für die Abiturnote, das Bewerbungsschreiben, die Stationen, an denen praktisch gearbeitet wurde, und den naturwissenschaftlichen Verständnistest. Die angezeigte Bewertung ist keine Punktzahl, sondern ein Buchstabe, der dafür steht, ob man sich unter den besten 20 Prozent (A) befindet, im Mittelfeld (B) oder leider nur unter den schlechtesten 20 Prozent (E).

Bevor ich mein Ergebnis anschaue, vibriert mein Handy. „Ich habe es leider nicht geschafft“, schreibt Frieda, auch für Mareike werde es „wohl sehr eng“. Clara hingegen erzählt von einem sehr positiven Ergebnis. Wir haben einen Gruppenchat eröffnet, nachdem wir uns beim Test in Münster getroffen hatten, um voneinander die Ergebnisse zu erfahren.

Nun kribbelt es unter meinen Nägeln. Ich denke an den Dozenten, der uns vor Beginn des Verständnistestes erzählte, dass unsere Chance auf einen Studienplatz bei 50 Prozent liege. Ist es in einer Gruppe, in der vier Leute sind, von denen zwei keinen Studienplatz erhalten haben, möglich, dass ich die Quote erfülle?

Ich suche in der Rangliste nach meinem Benutzernamen und brauche nicht lange: Ich stehe fast ganz oben. Dritter soll ich geworden sein. Dritter?! Von 160 Bewerben?! Eine riesige Freude steigt in mir auf. Ich kann kaum glauben, dass der Test so gut ausgefallen ist. Ich schaue mir die Ergebnisse wieder und wieder an und überprüfe, ob ich auch wirklich nach dem richtigen Namen gesucht habe. Aber tatsächlich, das bin ich da an dritter Stelle ...

Mittlerweile habe ich auch den offiziellen Bescheid von hochschulstart.de erhalten, sodass ich mit voller Gewissheit sagen kann: Ich werde bald Medizin studieren!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  13.04.2015

Mein Freiwilliges Jahr

31 Stunden

Langsam muss ich mich entscheiden, welche Stadt ich bei meiner Bewerbung für einen Medizinstudienplatz als liebste angeben soll. Zur Wahl stehen Magdeburg, Lübeck und Münster. In Magdeburg war ich schon, deshalb guckte ich mir neulich Münster an. Glücklicherweise habe ich einen Bekannten in Münster, der im dritten Semester Jura studiert und momentan an einer Hausarbeit schreibt. Er wohnt im Südwesten Münsters in einem Studentenwohnheim unweit des Aasees und zahlt 350 Euro zuzüglich Strom. Ihm gehören ein Zimmer, eine Küchenzeile und ein eigenes Bad mit WC und Dusche. In seiner Wohnung leben außerdem zwei Mitbewohnerinnen. Jede hat ihren eigenen Bereich, sie teilen sich lediglich den Eingangsbereich und einen Gemeinschaftsraum. Es handelt sich aber wirklich um eine reine Zweck-WG, viel Kontakt untereinander besteht nicht.

Mein Freund kennt sich in Münster sehr gut aus, sodass er mich gut herumführen konnte. In der Wohnung waren wir wirklich nur zum Schlafen. In 31 Stunden schauten wir die Überwasserkirche an, besuchten die daran angrenzende Diözesanbibliothek und gingen an der Aa entlang. Er zeigte mir die Grillplätze der Studenten, wir aßen in der Mensa, besuchten den St.-Paulus-Dom und die Mauritzkirche, flanierten in den Münster-Arkaden, tranken einen Kaffee im Aegidiimarkt, durchwanderten den gewaltigen Mediziner-Campus, bestaunten die Bettentürme (das Universitätsklinikum Münsters), überquerten den Prinzipalmarkt an der Lambertikirche, liefen die Promenade, die um die Innenstadt herum verläuft, ab und bewunderten das fürstbischöfliche Schloss Münster mit seinem großen Schlossgarten.

Mein Reiseführer erzählte mir vom Studentenleben, der Lebendigkeit der Stadt und von Kneipen und Clubs. Er war stets darum bemüht, mich vollends von Münster zu überzeugen. Es schien beinahe so, als sei er dafür bezahlt worden. Schlussendlich bin ich aber tatsächlich von der Stadt überzeugt. Einziges Problem ist die durchschnittliche Miete in Münster, die doch recht hoch ist. Hier muss ich mich rechtzeitig darum bemühen, eine preisgünstige Unterkunft zu finden.

Mein Fazit: Münster ist eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Stadt, die allerlei Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bietet. Darüber hinaus ist die Universität sehr gut ausgestattet und der Mediziner-Campus kompakt gebaut. Auch gefällt mir, dass man schnell im Grünen ist und die Natur genießen kann. Ein Studienstandort, der mich wirklich überzeugt hat!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  02.04.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
02.04.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Wer will hier Arzt werden?

In diesem Beitrag möchte ich über die Menschen schreiben, die ich beim Auswahlverfahren an der Uni Münster kennengelernt habe. Weil es so viele unterschiedliche Lebensläufe sind. Weil jeder eine andere Motivation mitbringt, Arzt werden zu wollen.

Zu Beginn lernte ich Isabell aus dem Harz kennen, die bis dato BWL studierte und damit sehr unzufrieden war. Medizin wäre ihre Alternative gewesen nach dem Abi, auf die sie nun zurückgreift. Mein Sitznachbar beim Test war Tobias, der sich mittlerweile im dritten Semester seines Jura-Studiums befindet, das ihm aber immer weniger zusagt. Lieber möchte er seinen guten Notendurchschnitt im Abi nutzen, um Medizin zu studieren.

Mareikes Bekanntschaft mache ich erst auf der Rückfahrt. Sie befindet sich noch in der Krankenpflegeausbildung, kann es aber kaum erwarten, Medizin zu studieren. Auch im Zug Richtung Heimat traf ich Clara, die wie ich momentan einen Freiwilligendienst absolviert und diesen auch dazu nutzen möchte, ihre Chancen auf einen Studienplatz in Medizin zu verbessern. In Freiburg hat sie ihre Stelle, obwohl sie gebürtig aus Hamburg stammt. Ich wurde beinahe neidisch: Hätte ich für mein FSJ auch von zu Hause weggehen sollen? Die vierte im Bunde der Zugfahrer nach Hause war Frieda aus Rostock. Auch sie hat erst eine Krankenpflegeausbildung begonnen, würde sie jedoch zugunsten eines Medizinstudiums vorzeitig beenden.

Interessant waren auch die Begegnungen mit Hannah und Hanna. Erstere stammt aus Mainz und studierte bislang Psychologie, merkte aber bereits nach einem Semester, dass sie in dem Studiengang falsch war. Letztere studiert bislang noch nicht, kann aber schon ein Pflegepraktikum vorweisen und legte Praktika in diversen medizinischen Einrichtungen ab, so auch in einer psychiatrischen. Sie hat bereits eine Wohnmöglichkeit in Münster gefunden und möchte diese ungern wieder absagen müssen.

Als sehr spannend empfand ich auch die Begegnung mit einer 33-jährigen Heilpraktikerin. Sie möchte Medizin studieren, weil das mit den Abrechnungen leichter sei. Dass sie erst mit 40 fertig werden würde, störe sie nicht, da sie immer noch lange genug als Ärztin arbeiten würde.

Ich frage mich, ob ich in diese Gruppe aus angehenden Medizinstudenten passe? Meine Antwort: Ja, inmitten solcher Menschen fühle ich mich sehr gut aufgehoben.

Autor: Thilo  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  30.03.2015
Autor: Thilo
Rubrik: auszeit nach dem abi
30.03.2015