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Mein Freiwilliges Jahr

31 Stunden

Langsam muss ich mich entscheiden, welche Stadt ich bei meiner Bewerbung für einen Medizinstudienplatz als liebste angeben soll. Zur Wahl stehen Magdeburg, Lübeck und Münster. In Magdeburg war ich schon, deshalb guckte ich mir neulich Münster an. Glücklicherweise habe ich einen Bekannten in Münster, der im dritten Semester Jura studiert und momentan an einer Hausarbeit schreibt. Er wohnt im Südwesten Münsters in einem Studentenwohnheim unweit des Aasees und zahlt 350 Euro zuzüglich Strom. Ihm gehören ein Zimmer, eine Küchenzeile und ein eigenes Bad mit WC und Dusche. In seiner Wohnung leben außerdem zwei Mitbewohnerinnen. Jede hat ihren eigenen Bereich, sie teilen sich lediglich den Eingangsbereich und einen Gemeinschaftsraum. Es handelt sich aber wirklich um eine reine Zweck-WG, viel Kontakt untereinander besteht nicht.

Mein Freund kennt sich in Münster sehr gut aus, sodass er mich gut herumführen konnte. In der Wohnung waren wir wirklich nur zum Schlafen. In 31 Stunden schauten wir die Überwasserkirche an, besuchten die daran angrenzende Diözesanbibliothek und gingen an der Aa entlang. Er zeigte mir die Grillplätze der Studenten, wir aßen in der Mensa, besuchten den St.-Paulus-Dom und die Mauritzkirche, flanierten in den Münster-Arkaden, tranken einen Kaffee im Aegidiimarkt, durchwanderten den gewaltigen Mediziner-Campus, bestaunten die Bettentürme (das Universitätsklinikum Münsters), überquerten den Prinzipalmarkt an der Lambertikirche, liefen die Promenade, die um die Innenstadt herum verläuft, ab und bewunderten das fürstbischöfliche Schloss Münster mit seinem großen Schlossgarten.

Mein Reiseführer erzählte mir vom Studentenleben, der Lebendigkeit der Stadt und von Kneipen und Clubs. Er war stets darum bemüht, mich vollends von Münster zu überzeugen. Es schien beinahe so, als sei er dafür bezahlt worden. Schlussendlich bin ich aber tatsächlich von der Stadt überzeugt. Einziges Problem ist die durchschnittliche Miete in Münster, die doch recht hoch ist. Hier muss ich mich rechtzeitig darum bemühen, eine preisgünstige Unterkunft zu finden.

Mein Fazit: Münster ist eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Stadt, die allerlei Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bietet. Darüber hinaus ist die Universität sehr gut ausgestattet und der Mediziner-Campus kompakt gebaut. Auch gefällt mir, dass man schnell im Grünen ist und die Natur genießen kann. Ein Studienstandort, der mich wirklich überzeugt hat!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  02.04.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
02.04.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Wer will hier Arzt werden?

In diesem Beitrag möchte ich über die Menschen schreiben, die ich beim Auswahlverfahren an der Uni Münster kennengelernt habe. Weil es so viele unterschiedliche Lebensläufe sind. Weil jeder eine andere Motivation mitbringt, Arzt werden zu wollen.

Zu Beginn lernte ich Isabell aus dem Harz kennen, die bis dato BWL studierte und damit sehr unzufrieden war. Medizin wäre ihre Alternative gewesen nach dem Abi, auf die sie nun zurückgreift. Mein Sitznachbar beim Test war Tobias, der sich mittlerweile im dritten Semester seines Jura-Studiums befindet, das ihm aber immer weniger zusagt. Lieber möchte er seinen guten Notendurchschnitt im Abi nutzen, um Medizin zu studieren.

Mareikes Bekanntschaft mache ich erst auf der Rückfahrt. Sie befindet sich noch in der Krankenpflegeausbildung, kann es aber kaum erwarten, Medizin zu studieren. Auch im Zug Richtung Heimat traf ich Clara, die wie ich momentan einen Freiwilligendienst absolviert und diesen auch dazu nutzen möchte, ihre Chancen auf einen Studienplatz in Medizin zu verbessern. In Freiburg hat sie ihre Stelle, obwohl sie gebürtig aus Hamburg stammt. Ich wurde beinahe neidisch: Hätte ich für mein FSJ auch von zu Hause weggehen sollen? Die vierte im Bunde der Zugfahrer nach Hause war Frieda aus Rostock. Auch sie hat erst eine Krankenpflegeausbildung begonnen, würde sie jedoch zugunsten eines Medizinstudiums vorzeitig beenden.

Interessant waren auch die Begegnungen mit Hannah und Hanna. Erstere stammt aus Mainz und studierte bislang Psychologie, merkte aber bereits nach einem Semester, dass sie in dem Studiengang falsch war. Letztere studiert bislang noch nicht, kann aber schon ein Pflegepraktikum vorweisen und legte Praktika in diversen medizinischen Einrichtungen ab, so auch in einer psychiatrischen. Sie hat bereits eine Wohnmöglichkeit in Münster gefunden und möchte diese ungern wieder absagen müssen.

Als sehr spannend empfand ich auch die Begegnung mit einer 33-jährigen Heilpraktikerin. Sie möchte Medizin studieren, weil das mit den Abrechnungen leichter sei. Dass sie erst mit 40 fertig werden würde, störe sie nicht, da sie immer noch lange genug als Ärztin arbeiten würde.

Ich frage mich, ob ich in diese Gruppe aus angehenden Medizinstudenten passe? Meine Antwort: Ja, inmitten solcher Menschen fühle ich mich sehr gut aufgehoben.

Autor: Thilo  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  30.03.2015
Autor: Thilo
Rubrik: auszeit nach dem abi
30.03.2015

Mein freiwilliges Jahr

Zehn Stunden Gas geben

Es ist 8:30 Uhr – und ich war nervös. Der lange Auswahltag zum Medizinstudium an der Uni Münster begann. Die anderen waren genauso angespannt wie ich. Endlich durften wir in den Test-Raum gehen, der über 220 Computer verfügt. Dort wurde uns erklärt, dass jeder zweite Bewerber einen Platz bekomme – und dass alles schon nicht so schlimm werden würde. Vor uns lagen bereits zwei Stapel Blätter, die wichtige Informationen für den Test und die am Nachmittag stattfindenden Stationen enthielten. Die sollten wir uns durchlesen. Es ging um biologische Grundlagen wie die Diffusion, die Osmose, den Säure-Basen-Haushalt im Körper, um Proteine, die DNA und Enzyme. Außerdem wurden das Rauchen und seine Folgen oder das richtige Benutzen eines Blutdruckmessgerätes behandelt.

Der folgende Verständnistest war als Multiple-Choice-Test ausgelegt, dauerte neunzig Minuten und enthielt 60 Fragen, für die man folglich jeweils neunzig Sekunden Zeit hatte. Es wurden etliche Themen behandelt, über Physik und Mathe ging es zu Biologie und Chemie. Keine Naturwissenschaft wurde vernachlässigt, manche Fragen waren sehr verdreht gestellt, sodass es immens wichtig war, sich zu konzentrieren.

Nach Ende des Tests ging es weiter zu den Stationsübungen. Man hatte jeweils neunzig Sekunden Zeit, sich die Aufgabenstellung anzugucken, um diese dann innerhalb von fünf Minuten und unter Beobachtung zweier Juroren umzusetzen. Begonnen hat es mit einer Patientin, die ihre Tabletten verloren hat. Als nächstes sollte ich anhand eines Videos das Verhalten einer Ärztin bewerten. Anschließend musste ich eine Patientin davon überzeugen, mit dem Rauchen aufzuhören, einer anderen Patientin das Messen des eigenen Blutdrucks erklären. Bei der letzten Station sollte ich erste Hilfe leistern. Ich war leider unaufmerksam und übersah das Erste-Hilfe-Paket, sodass ich improvisieren musste. Ich verband die verunfallte Person mit imaginären Verbänden und löste die Situation, indem ich einen Krankenwagen rief.

Im zweiten Block ging es mehr um ethische Fragen, um das Nachmachen eines chirurgischen Knotens und die hausärztliche Behandlung. Interessant war, dass hier tatsächlich die Informationen, die man morgens über die erhaltenen Blätter bekommen hatte, gefordert waren. So musste ich zum Beispiel erklären, warum die Studie, dass Curry Menschen schlauer mache, keinen Sinn ergibt. Ebenso musste ich die Formel zur Berechnung des BMI anwenden, um zu analysieren, ob der in der Praxis anwesende Patient wirklich übergewichtig ist. Ein Stein fiel mir vom Herzen, als ich den Tag geschafft hatte. Nun heißt es wieder mal: warten.

Autor: Thilo  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  23.03.2015
Autor: Thilo
Rubrik: auszeit nach dem abi
23.03.2015