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Mein freiwilliges Jahr

Zehn Stunden Gas geben

Es ist 8:30 Uhr – und ich war nervös. Der lange Auswahltag zum Medizinstudium an der Uni Münster begann. Die anderen waren genauso angespannt wie ich. Endlich durften wir in den Test-Raum gehen, der über 220 Computer verfügt. Dort wurde uns erklärt, dass jeder zweite Bewerber einen Platz bekomme – und dass alles schon nicht so schlimm werden würde. Vor uns lagen bereits zwei Stapel Blätter, die wichtige Informationen für den Test und die am Nachmittag stattfindenden Stationen enthielten. Die sollten wir uns durchlesen. Es ging um biologische Grundlagen wie die Diffusion, die Osmose, den Säure-Basen-Haushalt im Körper, um Proteine, die DNA und Enzyme. Außerdem wurden das Rauchen und seine Folgen oder das richtige Benutzen eines Blutdruckmessgerätes behandelt.

Der folgende Verständnistest war als Multiple-Choice-Test ausgelegt, dauerte neunzig Minuten und enthielt 60 Fragen, für die man folglich jeweils neunzig Sekunden Zeit hatte. Es wurden etliche Themen behandelt, über Physik und Mathe ging es zu Biologie und Chemie. Keine Naturwissenschaft wurde vernachlässigt, manche Fragen waren sehr verdreht gestellt, sodass es immens wichtig war, sich zu konzentrieren.

Nach Ende des Tests ging es weiter zu den Stationsübungen. Man hatte jeweils neunzig Sekunden Zeit, sich die Aufgabenstellung anzugucken, um diese dann innerhalb von fünf Minuten und unter Beobachtung zweier Juroren umzusetzen. Begonnen hat es mit einer Patientin, die ihre Tabletten verloren hat. Als nächstes sollte ich anhand eines Videos das Verhalten einer Ärztin bewerten. Anschließend musste ich eine Patientin davon überzeugen, mit dem Rauchen aufzuhören, einer anderen Patientin das Messen des eigenen Blutdrucks erklären. Bei der letzten Station sollte ich erste Hilfe leistern. Ich war leider unaufmerksam und übersah das Erste-Hilfe-Paket, sodass ich improvisieren musste. Ich verband die verunfallte Person mit imaginären Verbänden und löste die Situation, indem ich einen Krankenwagen rief.

Im zweiten Block ging es mehr um ethische Fragen, um das Nachmachen eines chirurgischen Knotens und die hausärztliche Behandlung. Interessant war, dass hier tatsächlich die Informationen, die man morgens über die erhaltenen Blätter bekommen hatte, gefordert waren. So musste ich zum Beispiel erklären, warum die Studie, dass Curry Menschen schlauer mache, keinen Sinn ergibt. Ebenso musste ich die Formel zur Berechnung des BMI anwenden, um zu analysieren, ob der in der Praxis anwesende Patient wirklich übergewichtig ist. Ein Stein fiel mir vom Herzen, als ich den Tag geschafft hatte. Nun heißt es wieder mal: warten.

Autor: Thilo  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  23.03.2015
Autor: Thilo
Rubrik: auszeit nach dem abi
23.03.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Vorbereitung auf das Auswahlverfahren

Warum will ich Arzt werden? Warum will ich in Münster studieren? Warum meine ich, dass ich ein guter Arzt werde? Welche Interessen habe ich? Was zeichnet mich aus? Diese Fragen musste ich mir stellen, als ich am Motivationsschreiben für das Auswahlverfahren an der Westfälischen Wilhelms-Universität-Münster arbeitete. Die Antworten auf diese Fragen werden darüber entscheiden, ob ich eine Zulassung erhalte oder nicht.

Das Auswahlverfahren in Münster ist deutlich aufwendiger als das in Oldenburg, das ich im vergangenen Jahr bestritt. Dort musste ich zehn Stationen absolvieren, in denen Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Kommunikationsstärke und Patientenumgang getestet wurden. Am Ende stand ein Bewerbungsgespräch, das ich leider versemmelt habe.

Für Münster musste ich hingegen im Vorfeld schon einiges leisten. Gefordert war ein zweiseitiges Motivationsschreiben, in dem ich die oben genannten Fragen beantwortete. Außerdem brauchte ich Belege für alle meine Aktivitäten. Abgeben musste ich das alles in doppelter Ausführung: einmal ganz normal und einmal komplett anonymisiert. Die Arbeit hat sich aber gelohnt, denn ich wurde zum Auswahltag eingeladen!

Anmelden musste ich mich im PAN-Zentrum. Nachdem das erledigt war, gab ich meine Unterlagen ab, erhielt einen Teilnehmer-Ausweis und war erst einmal fertig Das eigentliche Verfahren fand erst am nächsten Tag statt. Glücklicherweise konnte ich bei einer Freundin übernachten, die in Münster studiert. Erschlagen fiel ich ins Bett und konnte vor Aufregung kaum schlafen. Irgendwann schlummerte ich doch ein, träumte wirres Zeug, bis der Wecker klingelte. Es ging los.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  16.03.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
16.03.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Wie soll es weitergehen?

Einige meiner Freunde sind momentan im Ausland. Wenn ich so darüber nachdenke, packt auch mich ein gewisses Fernweh. Ich könnte mir gut vorstellen, selbst für eine bestimmte Zeit wegzugehen, um zu reisen, zu arbeiten und mal einfach nur in den Tag hinein zu leben. Und dieser Wunsch könnte Realität werden, weil mir eine Information in die Hände gefallen ist, von der ich vorher noch nichts wusste.

Am 15. Januar endete die Bewerbungsfrist für das Sommersemester 2015 des Studiengangs Humanmedizin (Ich habe mich hier für Münster beworben). Jetzt fragt ihr euch sicher, wieso ich mich zum Sommersemester bewerbe, wenn mein Freiwilligendienst noch bis August dauert. Es ist aber so: Wenn ich nun eine Zulassung erhalte, bekomme ich durch meinen Dienst automatisch eine bevorzugte Zulassung für die nächsten beiden Bewerbungstermine (Wintersemester 2015/16, Sommersemester 2016). Ich kann dann also mit voller Gewissheit anfangen zu studieren, ohne erneut durch ein Auswahlverfahren zu müssen. Das bietet mir zwei Möglichkeiten: Entweder beginne ich dieses Jahr zum Wintersemester, habe von nun an sechs Monate Zeit, mir eine Wohnung zu suchen und alles Nötige zu organisieren und zu planen. Oder ich gehe doch ins Ausland.

Interessant sind in meinen Augen beide Möglichkeiten. Meine Eltern sind stark dafür, dass ich das Studium zum Winter beginne, da sie mich in trockenen Tüchern wissen möchten. Das kann ich gut verstehen. Auch habe ich selbst momentan wirklich Lust, mit dem Studium anzufangen, möchte also ungern noch so lange warten müssen.

Andererseits besteht die Möglichkeit, eines unbeschwerten Auslandsaufenthalts nur jetzt. Außerdem hat ein Freund ebenfalls Freude an der Idee, Work and Travel oder Freiwilligenarbeit beispielsweise in Afrika zu machen, um andere Kulturen kennenzulernen und was von der Welt zu sehen. Da wir beide nicht über eine Organisation fahren möchten, sondern unseren Auslandsaufenthalt größtenteils selbst organisieren wollen, könnte das aber schwierig werden. Vor allem, weil wir genug Geld verdienen müssten, um die Reise finanzieren zu können und um über die Runden zu kommen.

Voraussetzung für alle Ideen ist und bleibt aber eine Zulassung in Münster. Ich muss also erst mal abwarten.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  10.03.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
10.03.2015