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Mein Freiwilliges Jahr

Zweites Wochenseminar

Das zweite Wochenseminar meines Freiwilligendienstes fand im Blockhaus Ahlhorn statt, einer schönen Jugendherberge, die idyllisch zwischen zwei Seen, weit weg von Zivilisation und dem Stress des Alltags liegt.

Während das erste Wochenseminar sich vor allem darum drehte, einander kennenzulernen und von Erfahrungen der anderen Freiwilligen zu hören, ging es beim zweiten mehr um Inhalte. Wir sprachen über Psychosen wie Depressionen oder das Borderline-Syndrom, über Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie und Zwangsstörungen, unterhielten uns über Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Therapieformen. Außerdem ergründeten wir die Ursachen für psychische Erkrankungen und man versuchte, uns dafür zu sensibilisieren, dass es sich dabei um Krankheiten wie die Grippe handelt – also um etwas, für das die Betroffenen nichts können. Man zeigte uns ein Modell, das die inneren und äußeren Bedingungen einer psychischen Erkrankung darstellte. So erkannten wir, dass die Ursachen für diese Krankheiten zum Teil von innen her rühren: Die eigene Belastbarkeit, die Erziehung und der eigene Umgang mit Problemen spielt dabei eine Rolle. Doch es hängt auch sehr viel vom jeweiligen Umfeld ab: Wie viel Stress habe ich? Wie viele Reize wirken ständig auf mich ein? Wie gehen andere Menschen mit mir um? Gelte ich als erfolgreich oder als Versager?

Um tiefere Einblicke in das Feld der psychischen Erkrankungen und ihrer Behandlung zu bekommen, fuhren wir in eine Spezialklinik in Oldenburg und sprachen mit der der dortigen Stationsleitung, die uns einen kompakten Vortrag hielt. Wir erfuhren, wie die Einweisung abläuft, welche Behandlungsmethoden angewendet werden und wie lange die Patienten in der Klinik bleiben müssen. Insgesamt war das sehr spannend!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  02.03.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
02.03.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Abschied

Einer meiner Patienten ist gestorben, ohne dass ich mich von ihm verabschieden konnte. Ich habe ihm deshalb einen Brief geschrieben:

„Sehr geehrter verstorbener Patient,

leider war es mir nicht möglich, mich persönlich von Ihnen zu verabschieden. Ich habe schon damit gerechnet, dass Sie nicht mehr da sind, wenn ich von meinem Seminar zurückkomme, dennoch traf mich die Nachricht über Ihren Tod wie ein Schlag ins Gesicht. Alle sagen, es sei der Lauf der Dinge, es sei sogar besser für Sie gewesen, endlich von den Qualen erlöst zu werden und sich von dieser Welt entfernen zu können. Schwer zu begreifen ist es trotzdem. Zwei Monate waren es, in denen ich Sie gepflegt und versorgt habe, in denen wir uns unterhielten, zusammen lachten und diskutierten. Ich habe auch Ihre Familie kennenlernen und versucht, ihnen Trost zu spenden.

Anfangs war nicht absehbar, dass es so ausgehen würde. Sie waren nicht schlimm krank, als Sie eingeliefert wurden, jedoch haben Sie die nötigen Operationen nicht gut verkraftet. Sie erzählten mir oft von Ihrer Familie, von Ihrer Frau, Ihrer Tochter und von Ihrem Sohn. Bis zum Ende quälten Sie sich selbst. Sie zogen an den Kanülen, rissen Pflaster ab, kratzten sich Wunden auf, stiegen aus dem Bett und drohten hinzufallen. Letztendlich mussten wir Sie mit Morphium ruhigstellen, um Sie vor sich selbst zu schützen. In diesem Stadium waren Sie kaum mehr ansprechbar, Ihre Atmung war kurz, die Abstände lang. Über Infusionen wurden Sie mit Flüssigkeit und Nahrung versorgt. Nun sind Sie nicht mehr da. Sie sind sehr alt geworden. Ich hoffe, Sie hatten ein insgesamt glückliches Leben. Ich hoffe auch, dass Sie dort, wo Sie jetzt sind, in Frieden ruhen können. Und ich hoffe, ich konnte etwas dazu beitragen, das Ende Ihres Lebens ein bisschen erträglicher zu machen.

Machen Sie es gut.

Ihr Krankenpfleger Thilo“

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  23.02.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
23.02.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Wettlauf ohne Ziel

In der Schule ist man ständig weitergekommen, wenngleich man das selbst gar nicht so bewusst wahrgenommen hat. Es wurden für Klassenarbeiten vergeben und man hangelte sich von einer Klausur zur nächsten, hatte immer neue Ziele vor Augen und kam praktisch automatisch und unweigerlich weiter. Die Zeit trieb einen voran, von der zehnten in die elfte Klasse, schließlich in die zwölfte. Und das fühlte sich immer wie ein Aufstieg an. Nun mache ich ein FSJ, in dem ich irgendwie nicht weiterkomme. Es gibt keine Klausuren, keine Prüfungen, keine festen Termine. Zudem interessiert sich niemand für meine Leistungen.

Die Zeit vergeht einfach und ich habe ein Gefühl des Stilstands, so als würde ich gar nichts schaffen. Woran liegt das? Ich arbeite doch schließlich, manchmal neun Tage am Stück, im Wechsel zwischen Spät- und Frühschicht, ich bin müde, kaputt, ausgepowert und fühle mich oft leer und einsam.

Auch fehlt mir ein gewisser Druck, Dinge zu lernen. Aktuell muss ich nicht mehr tun als zur Arbeit zu gehen, dort meine Aufgaben zu erfüllen und dann wieder nach Hause zu fahren. Deshalb sitze ich oft zu Hause und versuche, mich zu beschäftigen. Ich habe angefangen, Französisch und Holländisch zu lernen, manchmal lese ich auch in medizinischer Fachliteratur. Es kommt mir vor, als vegetiere ich stupide vor mich hin. Ich verfalle in eine Alltagsmüdigkeit, die ich nie haben wollte. Es wird Zeit, dass ich wieder Pläne mache!

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  19.02.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
19.02.2015