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Mein Freiwilliges Jahr

Leben retten

Nach dem FSJ-Kurs stand direkt eine Reanimationsschulung auf dem Programm, an der ich mit einigen anderen Mitgliedern des Pflegepersonals teilnahm. Um den richtigen Takt für die Thorax-Kompression zu verinnerlichen, hörten wir zunächst den Bee-Gees-Klassiker „Stayin‘ Alive“. Aha. Während wir also dieses Lied hörten, führten wir die Herzdruckmassage durch, deren Ziel es ist, das Blut weiter im Körper zirkulieren zu lassen, um Schäden am Gehirn zu verhindern. Selbstverständlich muss aber erst der Notfallknopf gedrückt, der Notfallkoffer beschafft, das Notfallteam gerufen und die Atmung kontrolliert werden. Besonders wichtig ist es zu schauen, ob die Atemwege des Patienten blockiert sind.

Sobald mindestens eine weitere Person erschienen ist – wir haben diese Situation simuliert – wird ein Tubus gelegt, eine Art Schlauch, der zur künstlichen Beatmung dient. Er ist anatomisch richtig gebogen und wird in den Rachen des Patienten eingeführt und bis zur Luftröhre durchgeschoben. Sobald der Tubus gelegt wurde, gilt es, den Thorax 30 Mal komprimiert und anschließend zwei Mal zu beatmen. Die Beatmung wird nicht per Mund am Schlauch vorgenommen, sondern über einen schwarzen Ball, dessen Namen ich leider vergessen habe. Aber Hauptsache, ich kann das Ding bedienen. Wichtig ist es, an der richtigen Stelle des Brustkorbes zu pressen, die Kraft aus der Hüfte und nicht aus den Armen zu holen und den Thorax um jeweils fünf bis sechs Zentimeter zu komprimieren. Dabei kann die eine oder andere Rippe brechen, aber das wird dem Patienten wohl sein Leben wert sein.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  03.02.2015
Autor: Thilo
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03.02.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Fachseminar

Klein und hilflos. So fühle ich mich, als ich mich in meinem Rollstuhl durch die Innenstadt bewege. Ich spüre die Blicke der Passanten, die im Großen und Ganzen hilfsbereit sind. Viele wenden sich aber auch ab, schauen betroffen zu Boden, tuscheln. Nach eineinhalb Stunden stehe ich auf, befreit von meiner temporären Unbeweglichkeit, die Unbehaglichkeit aber bleibt.

Dieses Experiment hat im Rahmen eines zweitägigen Fachseminars stattgefunden, das, wie das Einführungsseminar vor einiger Zeit, verpflichtender Teil des FSJ ist. Das Thema war Krankenpflege. Nachdem wir am ersten Tag einen Kinästhetik-Kurs hatten, in dem uns die Grundlagen der Bewegung, des rückenschonenden Arbeitens und des richtigen Umgangs mit Patienten beigebracht wurden, war am zweiten Tag die Rollstuhl-Selbsterfahrung dran. Vergleichbar ist dies mit dem Experiment zum Verlust des Augenlichts, das ich vor einiger Zeit mal beschrieb. Uns soll so Schritt für Schritt der richtige Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen nahegebracht werden. Ich halte diese praktische Art des Lernens für deutlich sinnvoller, als immer nur theoretisch erklärt zu bekommen, wie sich diese Menschen fühlen und wieso sich daraus ergibt, dass wir einen bestimmten Umgang mit ihnen pflegen sollen. Ich bin zwar weit davon entfernt, wirklich zu wissen, wie sich ein körperlich eingeschränkter Mensch tatsächlich fühlt, aber ich habe einen kleinen Einblick bekommen und kann es ein bisschen besser verstehen. Das wird mir bei meiner täglichen Arbeit im Krankenhaus sicher helfen

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  28.01.2015
Autor: Thilo
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28.01.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Ein ganzer Tag im OP

Mittlerweile war ich schon ein paar Mal bei spannenden Operationen dabei. Neulich durfte ich sogar einen ganzen Tag im OP verbringen. Die erste Operation bestand aus der Entfernung eines kleinen Tumors im Gehirn eines Patienten. Hier traf ich auf Medizinstudenten, die mir jeden Schritt der Operation erklärten, mir Details auf Röntgenaufnahmen zeigten und Zusatzinformationen vom Oberarzt einholten. Auf einem Bildschirm zeigten sie mir die Aufnahmen des Mikroskops, die das Gehirn des Patienten abbildeten. Faszinierend war, wie die Ärzte sich nach und nach, Millimeter für Millimeter in den Kopf hinein arbeiten. Erst ein Schnitt in die Haut, dann durch Blutgefäße, dann durch die Knochenhaut, schließlich der Knochen, der herausgesägt wird. Weiter geht es mit der ersten Hirnhaut, der zweiten, der dritten, bis man schlussendlich beim Gehirn angelangt ist. Mit ständigem Ultraschall wurde untersucht, wo der Tumor genau sitzt. Auf dem Monitor war er sehr gut erkennbar, hob sich deutlich vom restlichen Gewebe ab. Für das bloße Auge sieht dennoch alles gleich aus. Der Oberarzt meinte, dass sich die Gewebearten in ihrer Konsistenz wirklich nur minimal unterschieden. Geglückt ist dennoch alles und ich konnte ein kleines Stück Tumorgewebe betrachten. Widerlich.

Nach dieser Operation, die insgesamt fünf Stunden dauerte, gab es noch eine zweite, in der ein Kanal vom Kopf eines Patienten in dessen Bauch gelegt werden sollte, da sich immer wieder Wasser um das Gehirn herum ansammelte. Der operierende Arzt fragte mich, ob mir leicht schlecht werde, denn es sehe schon sehr brutal aus, wenn er die 50 Zentimeter lange Stange in den Patienten ramme. Sah es auch. In den Kopf wurde ein Loch gebohrt. Hier kam ein Implantat hinein, das das Wasser abtransportieren kann. Über ein Ventil und einen Knopf kann der Patient selbst den Druck regulieren, der in seinem Kopf herrscht. Abtransportiert wird das Wasser dann durch einen Schlauch in den Bauch, wo es abgebaut beziehungsweise ausgeschieden wird.

Was medizinisch alles möglich ist! Ich fand jedenfalls beide sehr interessant. Eigentlich dachte immer, dass ich ein Typ für die innere Medizin sei. Die Chirurgie erscheint mir aber immer spannender und aufregender. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  23.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
23.01.2015