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Mein Freiwilliges Jahr

Fachseminar

Klein und hilflos. So fühle ich mich, als ich mich in meinem Rollstuhl durch die Innenstadt bewege. Ich spüre die Blicke der Passanten, die im Großen und Ganzen hilfsbereit sind. Viele wenden sich aber auch ab, schauen betroffen zu Boden, tuscheln. Nach eineinhalb Stunden stehe ich auf, befreit von meiner temporären Unbeweglichkeit, die Unbehaglichkeit aber bleibt.

Dieses Experiment hat im Rahmen eines zweitägigen Fachseminars stattgefunden, das, wie das Einführungsseminar vor einiger Zeit, verpflichtender Teil des FSJ ist. Das Thema war Krankenpflege. Nachdem wir am ersten Tag einen Kinästhetik-Kurs hatten, in dem uns die Grundlagen der Bewegung, des rückenschonenden Arbeitens und des richtigen Umgangs mit Patienten beigebracht wurden, war am zweiten Tag die Rollstuhl-Selbsterfahrung dran. Vergleichbar ist dies mit dem Experiment zum Verlust des Augenlichts, das ich vor einiger Zeit mal beschrieb. Uns soll so Schritt für Schritt der richtige Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen nahegebracht werden. Ich halte diese praktische Art des Lernens für deutlich sinnvoller, als immer nur theoretisch erklärt zu bekommen, wie sich diese Menschen fühlen und wieso sich daraus ergibt, dass wir einen bestimmten Umgang mit ihnen pflegen sollen. Ich bin zwar weit davon entfernt, wirklich zu wissen, wie sich ein körperlich eingeschränkter Mensch tatsächlich fühlt, aber ich habe einen kleinen Einblick bekommen und kann es ein bisschen besser verstehen. Das wird mir bei meiner täglichen Arbeit im Krankenhaus sicher helfen

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  28.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
28.01.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Ein ganzer Tag im OP

Mittlerweile war ich schon ein paar Mal bei spannenden Operationen dabei. Neulich durfte ich sogar einen ganzen Tag im OP verbringen. Die erste Operation bestand aus der Entfernung eines kleinen Tumors im Gehirn eines Patienten. Hier traf ich auf Medizinstudenten, die mir jeden Schritt der Operation erklärten, mir Details auf Röntgenaufnahmen zeigten und Zusatzinformationen vom Oberarzt einholten. Auf einem Bildschirm zeigten sie mir die Aufnahmen des Mikroskops, die das Gehirn des Patienten abbildeten. Faszinierend war, wie die Ärzte sich nach und nach, Millimeter für Millimeter in den Kopf hinein arbeiten. Erst ein Schnitt in die Haut, dann durch Blutgefäße, dann durch die Knochenhaut, schließlich der Knochen, der herausgesägt wird. Weiter geht es mit der ersten Hirnhaut, der zweiten, der dritten, bis man schlussendlich beim Gehirn angelangt ist. Mit ständigem Ultraschall wurde untersucht, wo der Tumor genau sitzt. Auf dem Monitor war er sehr gut erkennbar, hob sich deutlich vom restlichen Gewebe ab. Für das bloße Auge sieht dennoch alles gleich aus. Der Oberarzt meinte, dass sich die Gewebearten in ihrer Konsistenz wirklich nur minimal unterschieden. Geglückt ist dennoch alles und ich konnte ein kleines Stück Tumorgewebe betrachten. Widerlich.

Nach dieser Operation, die insgesamt fünf Stunden dauerte, gab es noch eine zweite, in der ein Kanal vom Kopf eines Patienten in dessen Bauch gelegt werden sollte, da sich immer wieder Wasser um das Gehirn herum ansammelte. Der operierende Arzt fragte mich, ob mir leicht schlecht werde, denn es sehe schon sehr brutal aus, wenn er die 50 Zentimeter lange Stange in den Patienten ramme. Sah es auch. In den Kopf wurde ein Loch gebohrt. Hier kam ein Implantat hinein, das das Wasser abtransportieren kann. Über ein Ventil und einen Knopf kann der Patient selbst den Druck regulieren, der in seinem Kopf herrscht. Abtransportiert wird das Wasser dann durch einen Schlauch in den Bauch, wo es abgebaut beziehungsweise ausgeschieden wird.

Was medizinisch alles möglich ist! Ich fand jedenfalls beide sehr interessant. Eigentlich dachte immer, dass ich ein Typ für die innere Medizin sei. Die Chirurgie erscheint mir aber immer spannender und aufregender. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  23.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
23.01.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Anstrengung

Ausgestreckt liege ich auf meinem Bett. Mir tut alles weh. Die Füße, die Beine, die Arme, die Hände, der Rücken. Ich versuche, jedes Körperteil konzentriert einmal anzuspannen. Die Rückmeldung ist nur Schmerz.

Acht Stunden waren es heute wieder, in denen ich nur gerannt bin. Patiententransport, ein völlig unterschätzter Job im Krankenhaus. Alle FSJler werden dazu verdonnert, den Patiententransport für sechs bis acht Wochen zu leisten. Das bedeutet, dass man dafür zuständig ist, Patienten von ihrem Zimmer sicher zu ihren Untersuchungen (EKG, MRT, EEG, Röntgen) und zurück zu bringen. Manchmal zu Fuß, oft im Rollstuhl, oft im Bett. Und die Architekten und Bauherren des Krankenhauses waren uns gegenüber wohl nicht gnädig. Die Gänge sind allesamt so schmal, die Betten passen gerade so durch.

Die Stationsarbeit während des FSJ ist die eine Sache. Krankenpflege ist nun auch kein einfacher und körperlich belastungsfreier Beruf; doch ist das hier eine ganz andere Dimension. Ich weiß, es geht noch schlimmer, doch bin ich nun mal Abiturient. Das ist nicht abgehoben gemeint. Im Gegenteil: Ich kenne nur Schule und Sitzen, nicht aber harte, körperliche Arbeit. Eine Woche verbringe ich nun erst im Patiententransport, halte abends nach Feierabend nicht länger als bis neun Uhr durch, schlafe dann acht Stunden wie ein Stein und stehe um fünf wieder auf, um zur nächsten Schicht zu fahren. Rüdiger, mein Anleiter, erzählt, dass man zu Spitzenzeiten 38 Kilometer im Patiententransport zurücklege. In der Woche? Er lacht. Am Tag? Er nickt.

Aber so härte ich mich ab und lerne mal das gesamte Krankenhaus kennen. Ich sehe etliche verschiedene Stationen und komme auch mal mit jungen Patienten in Kontakt, was auf der Geriatrie sonst nicht der Fall ist – und das Fitness-Studio kann ich mir auch sparen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  16.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
16.01.2015