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Mein Freiwilliges Jahr

Ein ganzer Tag im OP

Mittlerweile war ich schon ein paar Mal bei spannenden Operationen dabei. Neulich durfte ich sogar einen ganzen Tag im OP verbringen. Die erste Operation bestand aus der Entfernung eines kleinen Tumors im Gehirn eines Patienten. Hier traf ich auf Medizinstudenten, die mir jeden Schritt der Operation erklärten, mir Details auf Röntgenaufnahmen zeigten und Zusatzinformationen vom Oberarzt einholten. Auf einem Bildschirm zeigten sie mir die Aufnahmen des Mikroskops, die das Gehirn des Patienten abbildeten. Faszinierend war, wie die Ärzte sich nach und nach, Millimeter für Millimeter in den Kopf hinein arbeiten. Erst ein Schnitt in die Haut, dann durch Blutgefäße, dann durch die Knochenhaut, schließlich der Knochen, der herausgesägt wird. Weiter geht es mit der ersten Hirnhaut, der zweiten, der dritten, bis man schlussendlich beim Gehirn angelangt ist. Mit ständigem Ultraschall wurde untersucht, wo der Tumor genau sitzt. Auf dem Monitor war er sehr gut erkennbar, hob sich deutlich vom restlichen Gewebe ab. Für das bloße Auge sieht dennoch alles gleich aus. Der Oberarzt meinte, dass sich die Gewebearten in ihrer Konsistenz wirklich nur minimal unterschieden. Geglückt ist dennoch alles und ich konnte ein kleines Stück Tumorgewebe betrachten. Widerlich.

Nach dieser Operation, die insgesamt fünf Stunden dauerte, gab es noch eine zweite, in der ein Kanal vom Kopf eines Patienten in dessen Bauch gelegt werden sollte, da sich immer wieder Wasser um das Gehirn herum ansammelte. Der operierende Arzt fragte mich, ob mir leicht schlecht werde, denn es sehe schon sehr brutal aus, wenn er die 50 Zentimeter lange Stange in den Patienten ramme. Sah es auch. In den Kopf wurde ein Loch gebohrt. Hier kam ein Implantat hinein, das das Wasser abtransportieren kann. Über ein Ventil und einen Knopf kann der Patient selbst den Druck regulieren, der in seinem Kopf herrscht. Abtransportiert wird das Wasser dann durch einen Schlauch in den Bauch, wo es abgebaut beziehungsweise ausgeschieden wird.

Was medizinisch alles möglich ist! Ich fand jedenfalls beide sehr interessant. Eigentlich dachte immer, dass ich ein Typ für die innere Medizin sei. Die Chirurgie erscheint mir aber immer spannender und aufregender. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  23.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
23.01.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Anstrengung

Ausgestreckt liege ich auf meinem Bett. Mir tut alles weh. Die Füße, die Beine, die Arme, die Hände, der Rücken. Ich versuche, jedes Körperteil konzentriert einmal anzuspannen. Die Rückmeldung ist nur Schmerz.

Acht Stunden waren es heute wieder, in denen ich nur gerannt bin. Patiententransport, ein völlig unterschätzter Job im Krankenhaus. Alle FSJler werden dazu verdonnert, den Patiententransport für sechs bis acht Wochen zu leisten. Das bedeutet, dass man dafür zuständig ist, Patienten von ihrem Zimmer sicher zu ihren Untersuchungen (EKG, MRT, EEG, Röntgen) und zurück zu bringen. Manchmal zu Fuß, oft im Rollstuhl, oft im Bett. Und die Architekten und Bauherren des Krankenhauses waren uns gegenüber wohl nicht gnädig. Die Gänge sind allesamt so schmal, die Betten passen gerade so durch.

Die Stationsarbeit während des FSJ ist die eine Sache. Krankenpflege ist nun auch kein einfacher und körperlich belastungsfreier Beruf; doch ist das hier eine ganz andere Dimension. Ich weiß, es geht noch schlimmer, doch bin ich nun mal Abiturient. Das ist nicht abgehoben gemeint. Im Gegenteil: Ich kenne nur Schule und Sitzen, nicht aber harte, körperliche Arbeit. Eine Woche verbringe ich nun erst im Patiententransport, halte abends nach Feierabend nicht länger als bis neun Uhr durch, schlafe dann acht Stunden wie ein Stein und stehe um fünf wieder auf, um zur nächsten Schicht zu fahren. Rüdiger, mein Anleiter, erzählt, dass man zu Spitzenzeiten 38 Kilometer im Patiententransport zurücklege. In der Woche? Er lacht. Am Tag? Er nickt.

Aber so härte ich mich ab und lerne mal das gesamte Krankenhaus kennen. Ich sehe etliche verschiedene Stationen und komme auch mal mit jungen Patienten in Kontakt, was auf der Geriatrie sonst nicht der Fall ist – und das Fitness-Studio kann ich mir auch sparen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  16.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
16.01.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Anerkennung

Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden, die Angehörigen eines Verstorbenen oder Menschen mit suizidalen Gedanken, finden in dem Online-Projekt „da-sein.de“ eine Anlaufstelle, zu der sie anonym und kostenlos Kontakt aufnehmen können. Besonders an Jugendliche und junge Erwachsene richtet sich dieses Angebot, da sie sich oft besonders schwer damit tun, sich ihren Mitmenschen zu öffnen. Ich bin in diesem vom Kinder- und Jugendhospiz geleiteten Projekt aktiv und begleite diese Menschen per anonymem E-Mail-Kontakt. Ich versuche, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken niederzuschreiben und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass da immer jemand ist, der völlig unabhängig bewerten kann und viel Verständnis für ihre Gefühle und für ihre Gedanken hat.

Für diese Arbeit wurde uns nun der niedersächsische Gesundheitspreis verliehen. Bei einer Preisverleihung in Hannover bekamen wir eine Urkunde und ein kleines, symbolisches Preisgeld, das wir für die Fahrt nutzten. Eine wunderbare Erfahrung war diese Preisverleihung für uns alle, da dort noch weitere Projekte ausgezeichnet wurden. So auch ein Krankenhaus in Osnabrück, das sich besonders für die Patientensicherheit einsetzt, oder auch das ehrenamtliche Projekt „Auszeit“, das denjenigen hilft, die sich um einen Angehörigen kümmern, sich auch einmal Zeit für sich zu nehmen. Ebenso geehrt wurde eine App, die älteren Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein barrierefreies Laufen ermöglichen soll, indem sie optimale Routen berechnet.

Ehrenamtliche Arbeit sieht nicht nur im Lebenslauf gut aus. Sie lohnt sich doppelt. Zum einen für die Menschen, denen dadurch geholfen wird und zum anderen den Helfenden selbst, die dabei wertvolle Erfahrungen sammeln können. Und besonders schön ist es, wann man wie wir eine solche Anerkennung für die Arbeit bekommt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  13.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
13.01.2015