Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Mein Freiwilliges Jahr

Anstrengung

Ausgestreckt liege ich auf meinem Bett. Mir tut alles weh. Die Füße, die Beine, die Arme, die Hände, der Rücken. Ich versuche, jedes Körperteil konzentriert einmal anzuspannen. Die Rückmeldung ist nur Schmerz.

Acht Stunden waren es heute wieder, in denen ich nur gerannt bin. Patiententransport, ein völlig unterschätzter Job im Krankenhaus. Alle FSJler werden dazu verdonnert, den Patiententransport für sechs bis acht Wochen zu leisten. Das bedeutet, dass man dafür zuständig ist, Patienten von ihrem Zimmer sicher zu ihren Untersuchungen (EKG, MRT, EEG, Röntgen) und zurück zu bringen. Manchmal zu Fuß, oft im Rollstuhl, oft im Bett. Und die Architekten und Bauherren des Krankenhauses waren uns gegenüber wohl nicht gnädig. Die Gänge sind allesamt so schmal, die Betten passen gerade so durch.

Die Stationsarbeit während des FSJ ist die eine Sache. Krankenpflege ist nun auch kein einfacher und körperlich belastungsfreier Beruf; doch ist das hier eine ganz andere Dimension. Ich weiß, es geht noch schlimmer, doch bin ich nun mal Abiturient. Das ist nicht abgehoben gemeint. Im Gegenteil: Ich kenne nur Schule und Sitzen, nicht aber harte, körperliche Arbeit. Eine Woche verbringe ich nun erst im Patiententransport, halte abends nach Feierabend nicht länger als bis neun Uhr durch, schlafe dann acht Stunden wie ein Stein und stehe um fünf wieder auf, um zur nächsten Schicht zu fahren. Rüdiger, mein Anleiter, erzählt, dass man zu Spitzenzeiten 38 Kilometer im Patiententransport zurücklege. In der Woche? Er lacht. Am Tag? Er nickt.

Aber so härte ich mich ab und lerne mal das gesamte Krankenhaus kennen. Ich sehe etliche verschiedene Stationen und komme auch mal mit jungen Patienten in Kontakt, was auf der Geriatrie sonst nicht der Fall ist – und das Fitness-Studio kann ich mir auch sparen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  16.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
16.01.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Anerkennung

Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden, die Angehörigen eines Verstorbenen oder Menschen mit suizidalen Gedanken, finden in dem Online-Projekt „da-sein.de“ eine Anlaufstelle, zu der sie anonym und kostenlos Kontakt aufnehmen können. Besonders an Jugendliche und junge Erwachsene richtet sich dieses Angebot, da sie sich oft besonders schwer damit tun, sich ihren Mitmenschen zu öffnen. Ich bin in diesem vom Kinder- und Jugendhospiz geleiteten Projekt aktiv und begleite diese Menschen per anonymem E-Mail-Kontakt. Ich versuche, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken niederzuschreiben und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass da immer jemand ist, der völlig unabhängig bewerten kann und viel Verständnis für ihre Gefühle und für ihre Gedanken hat.

Für diese Arbeit wurde uns nun der niedersächsische Gesundheitspreis verliehen. Bei einer Preisverleihung in Hannover bekamen wir eine Urkunde und ein kleines, symbolisches Preisgeld, das wir für die Fahrt nutzten. Eine wunderbare Erfahrung war diese Preisverleihung für uns alle, da dort noch weitere Projekte ausgezeichnet wurden. So auch ein Krankenhaus in Osnabrück, das sich besonders für die Patientensicherheit einsetzt, oder auch das ehrenamtliche Projekt „Auszeit“, das denjenigen hilft, die sich um einen Angehörigen kümmern, sich auch einmal Zeit für sich zu nehmen. Ebenso geehrt wurde eine App, die älteren Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein barrierefreies Laufen ermöglichen soll, indem sie optimale Routen berechnet.

Ehrenamtliche Arbeit sieht nicht nur im Lebenslauf gut aus. Sie lohnt sich doppelt. Zum einen für die Menschen, denen dadurch geholfen wird und zum anderen den Helfenden selbst, die dabei wertvolle Erfahrungen sammeln können. Und besonders schön ist es, wann man wie wir eine solche Anerkennung für die Arbeit bekommt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  13.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
13.01.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Das erste Mal im OP

Etwas zum ersten Mal machen ist immer wieder aufregend – besonders, wenn man mit zu einer OP darf. Eine unserer Patientinnen war, nur in Socken unterwegs, auf dem Linoleum in unserer Station ausgerutscht und hat sich einen Oberschenkelbruch zugezogen, der mithilfe eines Gamma-Nagels gerichtet werden sollte.

90 Minuten dauerte die Operation; anwesend waren zwei Operationstechnische Assistenten, ein Anästhesist und natürlich der Chirurg, der mit brutal wirkendem Werkzeug zugange war. Die zu operierende Stelle wurde mit einer gelblichen Lösung desinfiziert, der Rest des Körpers mithilfe einer riesigen Folie abgedeckt, das Röntgengerät in Stellung gebracht. Aufgrund der Strahlen musste ich mir acht Kilogramm schwere Schutzkleidung anlegen, unter der es mörderisch heiß wurde.

Dann ging es los. Die Patientin erhielt drei Schnitte ins Bein, dann wurde in den Knochen gebohrt. Blut floss heraus, das in einem Beutel, der an der Folie angebracht war, aufgefangen wurde. Ich wundere mich, dass mir nicht übel geworden ist, stattdessen war ich einfach nur fasziniert davon, wie hier gearbeitet wurde und was es zu sehen gab. Besonders spannend fand ich es, als der Nagel eingeführt und im Knochen verschraub wurde.

Nachdem alles feinsäuberlich kontrolliert worden und die OP abgeschlossen war, sah es im OP-Saal aus wie in einer Folterkammer. Überall war Blut, die Instrumente waren verdreckt, die Kittel besudelt. Ich bin wirklich überrascht, dass ich das alles überhaupt nicht eklig, sondern total faszinierend fand.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  08.01.2015
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
08.01.2015