Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Mein Freiwilliges Jahr

Meine Arbeit

Es wird Zeit, dass ich euch erzähle, welche Aufgaben ich bei meinem FSJ eigentlich übernehme.

Alles hängt davon ab, ob ich eine Früh- oder eine Spätschicht habe. Die Frühschicht beginnt um 6:45 Uhr und endet um 14:45 Uhr. Sie beginnt mit dem Wecken, Waschen und Pflegen der Patienten. Außerdem müssen die Vitalzeichen kontrolliert werden (Blutzucker, Blutdruck, Puls und Temperatur). Blutzucker misst man mithilfe eines Gerätes, in das ein Teststreifen gesteckt werden muss, der mit dem Blut des Patienten in Kontakt gebracht wird. Blutdruck wird durch das Anlegen und Aufpumpen einer Manschette gemessen. Man muss ganz genau darauf achten, wann es über das Stethoskop ein deutliches „Klack“ gibt und darf gleichzeitig die Nadel der analogen Anzeige nicht aus den Augen lassen. Gibt es irgendwelche Auffälligkeiten, so muss dies umgehend den Schwestern gemeldet werden, die es im Ernstfall an den Arzt weiterleiten. Anschließend geht es für die Patienten zum Frühstück und wieder zurück. Ab jetzt entfällt die Routine. Je nach Pflegebedürftigkeit der Patienten gibt es viel oder wenig zu tun. Und natürlich darf ich auch bei der Visite der Ärzte dabei sein. Nach dem Mittagessen machen viele Patienten einen Mittagsschlaf, aus dem sie mit einer Tasse Kaffee oder Tee geweckt werden.

Früh- und Spätschicht überlappen sich zwei Stunden lang. Während dieser Zeit wird die Übergabe gemacht. Unsere Station ist in drei Bereiche gegliedert. Jeder Bereich hat maximal sieben Patienten, die auf vier Zimmer verteilt sind. Bei der Übergabe werden Untersuchungsergebnisse weitergegeben, man erzählt vom Tagesverlauf, von Besserungen und Verschlechterungen, von ärztlichen Anordnungen, von neuen Patienten und von Entlassungen. Dasselbe Prozedere gibt es auch zwischen der Spätschicht und der Nachtwache, von der wir FSJler befreit sind.

Die Spätschicht unterscheidet sich kaum von der am Morgen, nur dass die Patienten hier ins Bett gebracht werden.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  28.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
28.11.2014

Mein freiwilliges Jahr

Blind

„Hauke? Hauke?!“ Er hat mich allein gelassen, blind und orientierungslos, wie ich bin. Wo bin ich? Wo soll ich hin? Überall Stimmen, Laute, Geräusche, von Autos, Bussen, Menschen, von Vögeln, Katzen und Hunden. Ich fühle mich einsam.

Angefangen hat dieser Wahnsinn vor einer Stunde, als wir im FSJ-Seminar die Augenmasken anlegten, die uns das Augenlicht nahmen. Wir sollten nachfühlen, wie es blinden Menschen in unserer Gesellschaft geht. Mit einem Unterschied: Jeder bekam einen Partner zugeteilt. Besser: Wir bekamen einen Betreuer, einen Aufpasser, einen Beschützer, einen Ersetzer des genommenen Augenlichts. Ich tat meine ersten drei Schritte als Blinder, schon wich jeglicher Sinn für Orientierung. Ständig hatte ich Angst, gegen einen Gegenstand zu stoßen, zu fallen oder verlassen zu werden. Ich fühlte mich so ungeschützt, ja, beinahe nackt. Die Stimmen der anderen waren so fern und fremd, dass ich nicht eine erkannte.

Ich wurde irgendwohin geführt. Mir wurde gesagt, alles sei gut, ich brauche mich nicht fürchten. Es wird auf mich aufgepasst? Kann ich also nichts mehr alleine? Brauche ich Aufsicht wie ein kleines Kind? Selbstständig war ich jedenfalls nicht mehr.

Ich werde traurig bei dem Gedanken, dass es genug Menschen gibt, bei denen das Sehvermögen nicht einfach durch das Ablegen der Augenbinde zurückkehrt, wo das Erblinden nicht reversibel ist.

Als Hilfsbedürftiger fühlt man sich schlecht, weil man Selbstständigkeit gewohnt ist und sich nicht in eine Abhängigkeit begeben will. Außerdem beginnt man zu denken, man sei eine Last. Als Betreuer übernimmt man eine enorme Verantwortung. Man muss jede Sekunde aufpassen. Ich habe erkannt, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die anderen helfen, sie unterstützen, ihnen zusprechen und ihnen Sicherheit geben.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  20.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
20.11.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Reflektieren? Auf jeden!

„Wenn mich in der nächsten Woche auch nur eine Person dazu auffordert, auch nur irgendetwas zu reflektieren, drehe ich ihr den Hals um!“, sagte einer meiner FSJ-Kollegen. Das ist zwar ein bisschen extrem ausgedrückt, doch kann ich seine Aufregung schon nachfühlen. Zum FSJ gehören 25 Bildungstage. Diese werden zum größten Teil durch vier fünftägige Seminare abgedeckt. Das erste fand in der letzten Woche unter dem Motto „Kennenlernen“ statt Das klingt auf den ersten Blick irgendwie peinlich, kindisch und uncool, doch das Gegenteil war der Fall. 32 sich völlig fremde Menschen trafen aufeinander, um fünf gemeinsame Tage zu verbringen, gemeinsam zu essen, sich ein Zimmer zu teilen, miteinander zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und sich eben auch kennenzulernen. Da muss ab und zu auch mal reflektiert werden. Wie hast du dich dabei gefühlt? Wie war es am Anfang, in der Mitte, am Ende?

Es ist erstaunlich, in wie vielen Bereichen man sich sozial engagieren kann. Ich lernte Menschen kennen, die in gemeinnützigen Werkstätten arbeiten, in Kindergärten aushelfen, in Förderschulen, in Wohnheimen und in der Jugend- und Familienhilfe eingesetzt werden. Wie eine Klassenfahrt fühlte sich diese Woche an, doch gibt es zwischen der Seminarwoche und einer Klassenfahrt einen signifikanten Unterschied: Man kennt sich vorher nicht. Deshalb wurde man mit dem Erzählen nie fertig, wollte immer mehr von den anderen wissen. Wo kommst du her? Was hast du bisher gemacht? Was machst du jetzt? Wo siehst du dich in fünf, zehn, zwanzig Jahren?

Das Miteinander wurde hierbei auf ganz besondere Art und Weise gefördert. Durch interessante Spiele und Aufgaben wurden wir dazu gebracht, zusammenzuarbeiten, uns mit den anderen zu beschäftigen und eben nicht nur für uns selbst zu sein. Das machte dieses Seminar enorm wertvoll und bildete einen weiteren Pluspunkt in meinem FSJ.

Einzig die Reflexion von allem war ein bisschen anstrengend. Wir mussten nämlich nach jedem Spiel und nach jeder Diskussionsrunde reflektieren. Beim Schreiben dieses Textes wird mir aber bewusst, wie wichtig die Reflexion des eigenen Handelns und Fühlens eigentlich ist. Man kann dabei enorm viel lernen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  13.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
13.11.2014