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Mein Freiwilliges Jahr

Wann bin ich dran?

Wenn man mit alten Menschen arbeitet, was ich auf der Geriatrie nun wirklich tue, so wird einem die Vergänglichkeit des Lebens wirklich bewusst. Eine Kollegin meinte jüngst, dass hier das Leben sterbe. Und das stimmt wohl auch. Die Menschen hier sind oft nicht mehr fähig, sich selbst zu versorgen. Sie brauchen Hilfe beim Ausziehen, beim Waschen, beim Toilettengang, bei der Nahrungsaufnahme und bei vielem mehr. Wenn die Demenz erst einsetzt, verlieren sie nach und nach immer mehr Fähigkeiten. Das mitzuerleben ist wirklich merkwürdig.

Schon nach ein paar Tagen im Freiwilligendienst ist mir klar geworden, dass der Tod ein ganz großer Bestandteil des Lebens ist und alles sein Ende findet. Da frage ich mich natürlich: Wann bin ich dran? Ich hoffe, nicht allzu früh. Außerdem frage ich mich, ob ich so alt werden möchte. Wie das wohl ist, wenn man die Selbstständigkeit verliert, in ständiger Angst vor Schlaganfällen und Herzinfarkten leben muss und keinen Sport mehr treiben kann?

Meine Überlegungen schließen aber auch folgende Fragen mit ein:

Ich habe für alles nur ein Leben: Mache ich das Richtige und nutze ich es voll aus?

Schaffe ich es, einen Eindruck in der Gesellschaft zu hinterlassen?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  04.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
04.11.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Entschuldigung, wo war das nochmal … ?

„Das ist Ihr Bett, richtig?“ Keine Antwort. Naja, wird schon stimmen. Also los. Rollstuhl ranschieben. Drehen. Patienten greifen. Anheben. Patienten ins Bett hieven. Hinlegen. Zudecken. Fertig. „Alles gut?“ Wieder keine Antwort. „Ja“ soll das bestimmt heißen. Am Ende des Tages wird eine Person vermisst. Sie wurde in einem Bett fernab ihrer Station gefunden. Der Patient, dem dieses Bett eigentlich gehört, hat sich erst beschwert und sich dann einfach dazugelegt.

Diese Situation ist natürlich fiktiv, aber sie beschreibt gut, wie der erste Arbeitstag im FSJ von der Grundstimmung her war: sehr durcheinander. Ich habe zwar schon im Klinikum hospitiert, doch kenne ich mich trotzdem keineswegs aus. Dazu ist das Krankenhaus einfach zu groß und es schwirren zu viele unbekannte Gesichter um mich herum. Gut aufgenommen wurde ich trotzdem, obwohl die Station zeitweise einem unsortierten Schlachtfeld glich. Meine neuen Kollegen sind alle sehr nett, beantworten mir jede noch so blöde Frage und sind auch sehr nachsichtig, wenn ich einen Fehler mache. Zu Anfang bekam ich erstmal eine Einführung, in der mir die Inhalte aus den Seminaren erzählt wurden, die ich verpasst hatte. Ich lernte, wie ich meine Hände richtig desinfiziere, wo ich mich an- und abzumelden habe, wo ich meine Kleidung finde und wieder loswerde.

Mit völlig zermartertem Kopf ging es dann auf die Station für Geriatrie, auf der wirklich viele alte Menschen sind, die oft nur bedingt als zurechnungsfähig durchgehen. Das war schon sehr suspekt, dort mit dementen und teilweise schizophrenen Menschen zu arbeiten. Doch lernte ich schnell von den examinierten Kräften, dass hier nur eine laute Stimme, Geduld und einfache, gezielte Anweisungen helfen. Das werde ich in Zukunft beherzigen.

Viel durfte ich selbstverständlich noch nicht machen. Das eine oder andere aber schon. Ich habe Patienten in ihren Betten verschoben, von A nach B befördert oder Essen verteilt. Aufgefallen ist mir, das hier alles, aber wirklich alles, aufgeschrieben und weitergegeben werden muss. Jedes noch so kleine Detail kann ausschlaggebend sein, ist also von höchster Relevanz.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  29.10.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
29.10.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Weltwärts Aktion "Nachhaltiges Lernen"

Mein weltwärts-Jahr ist doch noch nicht so ganz vorbei. Jedenfalls nicht auf die Art und Weise wie ich dachte, denn viele Personen sprechen mich in diesen Tagen noch auf meine Erfahrungen bei Amnesty oder in der Lobbyarbeit an, suchen Rat und wollen Tipps für die Vorbereitung eines Auslandsjahres. Manche wollen auch einfach nur wissen, wie es mir gefallen hat.

Zudem habe ich im Rahmen eines Einführungstages für alle neuen Friedens- und Konfliktstudenten an unserer Universität einen Workshop zum Thema vorbereitet und konnte mich auf diese Weise einem größeren Publikum mitteilen. Dieser Workshop stand im Zeichen der von „weltwärts“ angedachten Aktion für nachhaltiges Lernen, welche nach Rückkehr der Freiwilligen im Herkunftsland durchgeführt werden sollte. Die Vorbereitung des Workshops hatte für mich zudem den positiven Effekt, über das Zusammenfassen von Eindrücken und Erfahrungen des vergangenen Jahres, wichtige Momente zu erinnern. Es ist tatsächlich sehr wichtig, sich Gedächtnisstützen zu bauen, denn viel Erlebtes gerät im Strudel der Zeit schnell in Vergessenheit.

Ein weiteres Plus bestand darin, Erfahrungen mit anderen Kommilitonen austauschen zu können. So erfuhr ich von interessanten Praktika und potenziellen Jobs. Ein ehemaliger Kommilitone, der jetzt für Gerhard Schröder Reden schreibt, sprach sehr treffend die Rolle des Networkings an, ein Aspekt, der mir auch bei Amnesty immer wieder begegnet ist und der in Deutschland leider nicht weniger relevant ist als in Mexiko (außer in der Wissenschaft, wie unsere Studiengangsleiterin betonte). Mal schauen, ob ich es im nächsten Frühjahr auch noch schaffe, ein kurzes Praktikum zu machen und meine Kontakte weiter auszubauen...

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  28.11.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
28.11.2013