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Mein Freiwilliges Jahr

Reflektieren? Auf jeden!

„Wenn mich in der nächsten Woche auch nur eine Person dazu auffordert, auch nur irgendetwas zu reflektieren, drehe ich ihr den Hals um!“, sagte einer meiner FSJ-Kollegen. Das ist zwar ein bisschen extrem ausgedrückt, doch kann ich seine Aufregung schon nachfühlen. Zum FSJ gehören 25 Bildungstage. Diese werden zum größten Teil durch vier fünftägige Seminare abgedeckt. Das erste fand in der letzten Woche unter dem Motto „Kennenlernen“ statt Das klingt auf den ersten Blick irgendwie peinlich, kindisch und uncool, doch das Gegenteil war der Fall. 32 sich völlig fremde Menschen trafen aufeinander, um fünf gemeinsame Tage zu verbringen, gemeinsam zu essen, sich ein Zimmer zu teilen, miteinander zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und sich eben auch kennenzulernen. Da muss ab und zu auch mal reflektiert werden. Wie hast du dich dabei gefühlt? Wie war es am Anfang, in der Mitte, am Ende?

Es ist erstaunlich, in wie vielen Bereichen man sich sozial engagieren kann. Ich lernte Menschen kennen, die in gemeinnützigen Werkstätten arbeiten, in Kindergärten aushelfen, in Förderschulen, in Wohnheimen und in der Jugend- und Familienhilfe eingesetzt werden. Wie eine Klassenfahrt fühlte sich diese Woche an, doch gibt es zwischen der Seminarwoche und einer Klassenfahrt einen signifikanten Unterschied: Man kennt sich vorher nicht. Deshalb wurde man mit dem Erzählen nie fertig, wollte immer mehr von den anderen wissen. Wo kommst du her? Was hast du bisher gemacht? Was machst du jetzt? Wo siehst du dich in fünf, zehn, zwanzig Jahren?

Das Miteinander wurde hierbei auf ganz besondere Art und Weise gefördert. Durch interessante Spiele und Aufgaben wurden wir dazu gebracht, zusammenzuarbeiten, uns mit den anderen zu beschäftigen und eben nicht nur für uns selbst zu sein. Das machte dieses Seminar enorm wertvoll und bildete einen weiteren Pluspunkt in meinem FSJ.

Einzig die Reflexion von allem war ein bisschen anstrengend. Wir mussten nämlich nach jedem Spiel und nach jeder Diskussionsrunde reflektieren. Beim Schreiben dieses Textes wird mir aber bewusst, wie wichtig die Reflexion des eigenen Handelns und Fühlens eigentlich ist. Man kann dabei enorm viel lernen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  13.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
13.11.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Finanzkrise

Im Abschlussjahrgang an einem Gymnasium macht man im Idealfall nicht einfach nur Abitur, sondern bringt sich auch anderweitig ein. Schließlich gibt es in einem Jahrgang viel zu organisieren und zu klären. Zum Beispiel den Abschlussball, der irgendwie finanziert werden will. Für Band, Buffet und Miete braucht es einen Haufen Geld, um die Kosten für die Eintrittskarten im Rahmen halten zu können.

Wie verdient man also dieses Geld? Wir veranstalteten Abipartys, die in fragwürdigen Locations stattfanden, gestalteten eine Abizeitung und Kulturabende und haben ab und zu auch versucht, Kuchen an den Mann zu bringen. Im Endeffekt sind alle (legalen) Mittel erlaubt, an Geld für den Jahrgang zu kommen. Organisiert wird alles in Komitees, die aus Mitarbeitern und einem Vorsitzenden bestehen.

Doch muss es für das alles eine gewisse Überordnung geben. Ein Finanzkomitee zum Beispiel, das die Übersicht über das verdiente und ausgegebene Geld behält. Tja, und dessen Vorsitzender war in meinem Jahrgang ich. Was ich daraus gelernt habe: Die Verantwortung für Geld zu übernehmen, ist ein risikoreicher, gewagter Schritt. Ich habe im Juli mein Abitur gemacht und bin jetzt immer noch damit beschäftigt, die Schulden unseres Jahrgangs auszugleichen. Das Darlehen dafür habe ich halbwegs privat beim Förderverein der Schule aufgenommen, jetzt müssen wir es aber zurückzahlen. Das Problem dabei ist, dass ich keine rechtliche Handhabe habe, meine ehemaligen Mitschüler zum Zahlen zu bewegen. Ich muss sie zeitaufwendig in Diskussionen überzeugen. Größtenteils trifft man auf Unverständnis. Man bekommt Fragen an den Kopf geworfen, wie das denn sein kann, wer daran schuld sei, woran das liege und dass man gefälligst selbst dafür gerade stehen sollte.

Wenn man bedenkt, was man insgesamt für diesen Jahrgang getan hat, ist das sehr, sehr traurig. Die Stunden, die ich mit Arbeit in Komitees verbracht habe, sind nicht mehr zu zählen. Ich habe ziemlich viel Kraft investiert und bin jetzt ganz schön frustriert.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  10.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
10.11.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Wann bin ich dran?

Wenn man mit alten Menschen arbeitet, was ich auf der Geriatrie nun wirklich tue, so wird einem die Vergänglichkeit des Lebens wirklich bewusst. Eine Kollegin meinte jüngst, dass hier das Leben sterbe. Und das stimmt wohl auch. Die Menschen hier sind oft nicht mehr fähig, sich selbst zu versorgen. Sie brauchen Hilfe beim Ausziehen, beim Waschen, beim Toilettengang, bei der Nahrungsaufnahme und bei vielem mehr. Wenn die Demenz erst einsetzt, verlieren sie nach und nach immer mehr Fähigkeiten. Das mitzuerleben ist wirklich merkwürdig.

Schon nach ein paar Tagen im Freiwilligendienst ist mir klar geworden, dass der Tod ein ganz großer Bestandteil des Lebens ist und alles sein Ende findet. Da frage ich mich natürlich: Wann bin ich dran? Ich hoffe, nicht allzu früh. Außerdem frage ich mich, ob ich so alt werden möchte. Wie das wohl ist, wenn man die Selbstständigkeit verliert, in ständiger Angst vor Schlaganfällen und Herzinfarkten leben muss und keinen Sport mehr treiben kann?

Meine Überlegungen schließen aber auch folgende Fragen mit ein:

Ich habe für alles nur ein Leben: Mache ich das Richtige und nutze ich es voll aus?

Schaffe ich es, einen Eindruck in der Gesellschaft zu hinterlassen?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  04.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
04.11.2014