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Mein Freiwilliges Jahr

Finanzkrise

Im Abschlussjahrgang an einem Gymnasium macht man im Idealfall nicht einfach nur Abitur, sondern bringt sich auch anderweitig ein. Schließlich gibt es in einem Jahrgang viel zu organisieren und zu klären. Zum Beispiel den Abschlussball, der irgendwie finanziert werden will. Für Band, Buffet und Miete braucht es einen Haufen Geld, um die Kosten für die Eintrittskarten im Rahmen halten zu können.

Wie verdient man also dieses Geld? Wir veranstalteten Abipartys, die in fragwürdigen Locations stattfanden, gestalteten eine Abizeitung und Kulturabende und haben ab und zu auch versucht, Kuchen an den Mann zu bringen. Im Endeffekt sind alle (legalen) Mittel erlaubt, an Geld für den Jahrgang zu kommen. Organisiert wird alles in Komitees, die aus Mitarbeitern und einem Vorsitzenden bestehen.

Doch muss es für das alles eine gewisse Überordnung geben. Ein Finanzkomitee zum Beispiel, das die Übersicht über das verdiente und ausgegebene Geld behält. Tja, und dessen Vorsitzender war in meinem Jahrgang ich. Was ich daraus gelernt habe: Die Verantwortung für Geld zu übernehmen, ist ein risikoreicher, gewagter Schritt. Ich habe im Juli mein Abitur gemacht und bin jetzt immer noch damit beschäftigt, die Schulden unseres Jahrgangs auszugleichen. Das Darlehen dafür habe ich halbwegs privat beim Förderverein der Schule aufgenommen, jetzt müssen wir es aber zurückzahlen. Das Problem dabei ist, dass ich keine rechtliche Handhabe habe, meine ehemaligen Mitschüler zum Zahlen zu bewegen. Ich muss sie zeitaufwendig in Diskussionen überzeugen. Größtenteils trifft man auf Unverständnis. Man bekommt Fragen an den Kopf geworfen, wie das denn sein kann, wer daran schuld sei, woran das liege und dass man gefälligst selbst dafür gerade stehen sollte.

Wenn man bedenkt, was man insgesamt für diesen Jahrgang getan hat, ist das sehr, sehr traurig. Die Stunden, die ich mit Arbeit in Komitees verbracht habe, sind nicht mehr zu zählen. Ich habe ziemlich viel Kraft investiert und bin jetzt ganz schön frustriert.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  10.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
10.11.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Wann bin ich dran?

Wenn man mit alten Menschen arbeitet, was ich auf der Geriatrie nun wirklich tue, so wird einem die Vergänglichkeit des Lebens wirklich bewusst. Eine Kollegin meinte jüngst, dass hier das Leben sterbe. Und das stimmt wohl auch. Die Menschen hier sind oft nicht mehr fähig, sich selbst zu versorgen. Sie brauchen Hilfe beim Ausziehen, beim Waschen, beim Toilettengang, bei der Nahrungsaufnahme und bei vielem mehr. Wenn die Demenz erst einsetzt, verlieren sie nach und nach immer mehr Fähigkeiten. Das mitzuerleben ist wirklich merkwürdig.

Schon nach ein paar Tagen im Freiwilligendienst ist mir klar geworden, dass der Tod ein ganz großer Bestandteil des Lebens ist und alles sein Ende findet. Da frage ich mich natürlich: Wann bin ich dran? Ich hoffe, nicht allzu früh. Außerdem frage ich mich, ob ich so alt werden möchte. Wie das wohl ist, wenn man die Selbstständigkeit verliert, in ständiger Angst vor Schlaganfällen und Herzinfarkten leben muss und keinen Sport mehr treiben kann?

Meine Überlegungen schließen aber auch folgende Fragen mit ein:

Ich habe für alles nur ein Leben: Mache ich das Richtige und nutze ich es voll aus?

Schaffe ich es, einen Eindruck in der Gesellschaft zu hinterlassen?

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  04.11.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
04.11.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Entschuldigung, wo war das nochmal … ?

„Das ist Ihr Bett, richtig?“ Keine Antwort. Naja, wird schon stimmen. Also los. Rollstuhl ranschieben. Drehen. Patienten greifen. Anheben. Patienten ins Bett hieven. Hinlegen. Zudecken. Fertig. „Alles gut?“ Wieder keine Antwort. „Ja“ soll das bestimmt heißen. Am Ende des Tages wird eine Person vermisst. Sie wurde in einem Bett fernab ihrer Station gefunden. Der Patient, dem dieses Bett eigentlich gehört, hat sich erst beschwert und sich dann einfach dazugelegt.

Diese Situation ist natürlich fiktiv, aber sie beschreibt gut, wie der erste Arbeitstag im FSJ von der Grundstimmung her war: sehr durcheinander. Ich habe zwar schon im Klinikum hospitiert, doch kenne ich mich trotzdem keineswegs aus. Dazu ist das Krankenhaus einfach zu groß und es schwirren zu viele unbekannte Gesichter um mich herum. Gut aufgenommen wurde ich trotzdem, obwohl die Station zeitweise einem unsortierten Schlachtfeld glich. Meine neuen Kollegen sind alle sehr nett, beantworten mir jede noch so blöde Frage und sind auch sehr nachsichtig, wenn ich einen Fehler mache. Zu Anfang bekam ich erstmal eine Einführung, in der mir die Inhalte aus den Seminaren erzählt wurden, die ich verpasst hatte. Ich lernte, wie ich meine Hände richtig desinfiziere, wo ich mich an- und abzumelden habe, wo ich meine Kleidung finde und wieder loswerde.

Mit völlig zermartertem Kopf ging es dann auf die Station für Geriatrie, auf der wirklich viele alte Menschen sind, die oft nur bedingt als zurechnungsfähig durchgehen. Das war schon sehr suspekt, dort mit dementen und teilweise schizophrenen Menschen zu arbeiten. Doch lernte ich schnell von den examinierten Kräften, dass hier nur eine laute Stimme, Geduld und einfache, gezielte Anweisungen helfen. Das werde ich in Zukunft beherzigen.

Viel durfte ich selbstverständlich noch nicht machen. Das eine oder andere aber schon. Ich habe Patienten in ihren Betten verschoben, von A nach B befördert oder Essen verteilt. Aufgefallen ist mir, das hier alles, aber wirklich alles, aufgeschrieben und weitergegeben werden muss. Jedes noch so kleine Detail kann ausschlaggebend sein, ist also von höchster Relevanz.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  29.10.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
29.10.2014