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Mein Freiwilliges Jahr

Entschuldigung, wo war das nochmal … ?

„Das ist Ihr Bett, richtig?“ Keine Antwort. Naja, wird schon stimmen. Also los. Rollstuhl ranschieben. Drehen. Patienten greifen. Anheben. Patienten ins Bett hieven. Hinlegen. Zudecken. Fertig. „Alles gut?“ Wieder keine Antwort. „Ja“ soll das bestimmt heißen. Am Ende des Tages wird eine Person vermisst. Sie wurde in einem Bett fernab ihrer Station gefunden. Der Patient, dem dieses Bett eigentlich gehört, hat sich erst beschwert und sich dann einfach dazugelegt.

Diese Situation ist natürlich fiktiv, aber sie beschreibt gut, wie der erste Arbeitstag im FSJ von der Grundstimmung her war: sehr durcheinander. Ich habe zwar schon im Klinikum hospitiert, doch kenne ich mich trotzdem keineswegs aus. Dazu ist das Krankenhaus einfach zu groß und es schwirren zu viele unbekannte Gesichter um mich herum. Gut aufgenommen wurde ich trotzdem, obwohl die Station zeitweise einem unsortierten Schlachtfeld glich. Meine neuen Kollegen sind alle sehr nett, beantworten mir jede noch so blöde Frage und sind auch sehr nachsichtig, wenn ich einen Fehler mache. Zu Anfang bekam ich erstmal eine Einführung, in der mir die Inhalte aus den Seminaren erzählt wurden, die ich verpasst hatte. Ich lernte, wie ich meine Hände richtig desinfiziere, wo ich mich an- und abzumelden habe, wo ich meine Kleidung finde und wieder loswerde.

Mit völlig zermartertem Kopf ging es dann auf die Station für Geriatrie, auf der wirklich viele alte Menschen sind, die oft nur bedingt als zurechnungsfähig durchgehen. Das war schon sehr suspekt, dort mit dementen und teilweise schizophrenen Menschen zu arbeiten. Doch lernte ich schnell von den examinierten Kräften, dass hier nur eine laute Stimme, Geduld und einfache, gezielte Anweisungen helfen. Das werde ich in Zukunft beherzigen.

Viel durfte ich selbstverständlich noch nicht machen. Das eine oder andere aber schon. Ich habe Patienten in ihren Betten verschoben, von A nach B befördert oder Essen verteilt. Aufgefallen ist mir, das hier alles, aber wirklich alles, aufgeschrieben und weitergegeben werden muss. Jedes noch so kleine Detail kann ausschlaggebend sein, ist also von höchster Relevanz.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  29.10.2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
29.10.2014

Mein Freiwilliges Jahr

Weltwärts Aktion "Nachhaltiges Lernen"

Mein weltwärts-Jahr ist doch noch nicht so ganz vorbei. Jedenfalls nicht auf die Art und Weise wie ich dachte, denn viele Personen sprechen mich in diesen Tagen noch auf meine Erfahrungen bei Amnesty oder in der Lobbyarbeit an, suchen Rat und wollen Tipps für die Vorbereitung eines Auslandsjahres. Manche wollen auch einfach nur wissen, wie es mir gefallen hat.

Zudem habe ich im Rahmen eines Einführungstages für alle neuen Friedens- und Konfliktstudenten an unserer Universität einen Workshop zum Thema vorbereitet und konnte mich auf diese Weise einem größeren Publikum mitteilen. Dieser Workshop stand im Zeichen der von „weltwärts“ angedachten Aktion für nachhaltiges Lernen, welche nach Rückkehr der Freiwilligen im Herkunftsland durchgeführt werden sollte. Die Vorbereitung des Workshops hatte für mich zudem den positiven Effekt, über das Zusammenfassen von Eindrücken und Erfahrungen des vergangenen Jahres, wichtige Momente zu erinnern. Es ist tatsächlich sehr wichtig, sich Gedächtnisstützen zu bauen, denn viel Erlebtes gerät im Strudel der Zeit schnell in Vergessenheit.

Ein weiteres Plus bestand darin, Erfahrungen mit anderen Kommilitonen austauschen zu können. So erfuhr ich von interessanten Praktika und potenziellen Jobs. Ein ehemaliger Kommilitone, der jetzt für Gerhard Schröder Reden schreibt, sprach sehr treffend die Rolle des Networkings an, ein Aspekt, der mir auch bei Amnesty immer wieder begegnet ist und der in Deutschland leider nicht weniger relevant ist als in Mexiko (außer in der Wissenschaft, wie unsere Studiengangsleiterin betonte). Mal schauen, ob ich es im nächsten Frühjahr auch noch schaffe, ein kurzes Praktikum zu machen und meine Kontakte weiter auszubauen...

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  28.11.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
28.11.2013

Mein freiwilliges Jahr

Neuankunft am alten Studienort

Der Bahnhof im hessischen Wabern war für mich die letzte Station, die mich von Magdeburg und der Rückkehr in meinen Uni-Alltag trennte. Fast schon ein wenig aufgeregt, setzte ich mich in den Zug, der fliegend durch die Landschaft eilte.

Als er nur wenige Stunden später mit quietschenden Rädern in Magdeburg hielt, stand meine Mitbewohnerin bereits auf dem Bahnsteig, um mich freudestrahlend zu umarmen und mit mir die schwere Tasche aus dem Zug zu hieven. Nach über einem Jahr sahen wir uns wieder. Eine lange Zeit, in der viel passiert ist, und so verquatschten wir den Tag bis tief in die Nacht, tranken Tee und aßen selbstgemachte Pizza.

In den folgenden Tagen traf ich einige Kommilitonen wieder. Es ist wirklich ein gutes Gefühl, noch viele Bekannte hier zu haben. Neben dem Aufwärmen alter Freundschaften bin ich in diesen Tagen sehr beschäftigt mit Bürokratischem, denn es hat sich ganz schön viel Papierkram über die letzten Monate angestaut. Ich muss Sprechstunden von Professoren wahrnehmen, Anrufe mit Banken und Versicherungen tätigen und mein Hab und Gut aus dem Keller zurück in die Schränke bringen, denn im vergangenen Jahr war mein Zimmer untervermietet gewesen. Es bleibt viel zu tun und wenig Zeit melancholisch an Mexiko zurückzudenken.

Autor: Anni  |  Rubrik: studium  |  18.11.2013
Autor: Anni
Rubrik: studium
18.11.2013