Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Mein Freiwilliges Jahr

Finanzierung mit weltwärts

Mexiko-Stadt ist ein regionaler Schmelztiegel. Alles, was es im Land gibt, gibt es auch in der Stadt. Sie bietet eine Unmenge an Freizeit-, Einkaufs- und kulturellen Möglichkeiten. Doch als ich dann nach zwei Monaten einen Blick auf meinen Kontostand warf, hörte ich fast die Stimme meiner Eltern in meinen Ohren: „Alles hat seinen Preis.“

So beschloss ich, mich nach zusätzlichen Einkommensquellen umzuschauen. Von weltwärts bekomme ich 230 Euro im Monat für Unterkunft und Verpflegung und weitere 100 Euro „Taschengeld“. Da ich über 25 Jahre alt bin, bekomme ich kein Kindergeld mehr. Die Lebenshaltungskosten in Mexiko-Stadt liegen jedoch nur wenig unter denen in meiner Heimat. Was also tun?

Ich begann mich umzuhören und fragte Freunde, ob sie nicht was wüssten, wo ich für wenig Arbeit sehr gut bezahlt werde. Ich schiebe bei Amnesty International ja schon eine 35-Stunden-Woche, da bleibt nicht viel Zeit für einen Nebenjob.

Wenige Wochen später rief mich eine Mitarbeiterin des Goethe-Institutes an und fragte, ob ich nicht einer Vierjährigen privaten Deutschunterricht geben wolle. Über Umwege war der Kontakt zustande gekommen. Klar, da sagte ich nicht „nein“. Nach einem Vorstellungsgespräch wurde ich engagiert, super bezahlt und durfte sogar mit der Familie zusammen essen.

Über die letzten neun Monate übte ich mit dem Mädchen zwei Mal pro Woche. Meistens spielten wir dazu Rollenspiele, ab und an bastelten oder zeichneten wir auch. Wir hatten viel Spaß ... und dank dieses Jobs konnte ich mir auch den einen oder anderen Wunsch erfüllen.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  02.10.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
02.10.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Kulturfestival Guelaguetza

Reisen ist schön! Leider konnte ich in meinem Jahr hier nicht annähernd so viel reisen, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Volunteers bei Amnesty haben deutlich weniger Freizeit als Freiwillige auf anderen Stellen. Doch umso mehr habe ich mich auf meine sechs Tage Urlaubsanspruch gefreut. Kombiniert mit Überstunden und Wochenenden kam ich sogar auf zehn Tage Freizeit und nutzte diese, um sofort in mein geliebtes Oaxaca zu fahren.

Denn in Oaxaca findet jedes Jahr im Juli das Kulturfestival Guelaguetza statt und das wollte ich unbedingt mal sehen! Am Sonntag gingen wir zuerst auf einen Festumzug, eine Calenda, quer durchs Zentrum der Stadt. Mit Festwagen, ihren Trachten, Musik und Mezcal vergnügten wir uns. Oh ja, es war sehr vergnügt, denn an jeder Ecke schenkte uns jemand einen „Mezcalito“ (Agavenschnaps).

Am nächsten Tag, dem letzten Montag des Julis, fand dann die Feier des Guelaguetza statt. Zu dieser treffen sich jedes Jahr Indigene aus den sieben Regionen Oaxacas, um ihre Tänze und Trachten dem Publikum zu präsentieren. Zudem werfen sie Süßigkeiten und Früchte ins Publikum und spielen Musik aus ihrer Region. Doch lange hielten wir nicht durch, denn noch müde von dem Festumzug, kehrten wir alsbald zu unserer Unterkunft zurück, um in der Hängematte den Nachmittag zu verdösen.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  24.09.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
24.09.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Seminar zum Feminizid

Auf der Suche nach einem Thema für die Masterarbeit – denn bald ist es schon so weit, es liegt nur noch ein Semester vor mir – bin ich auf den Feminizid gestoßen. Derzeit denke ich immer intensiver darüber nach über dieses kulturell verankerte Phänomen zu schreiben, bei dem Frauen getötet werden, weil sie Frauen sind. Dieses Thema begleitet mich schon seit meiner Zeit in Oaxaca.

Als ein Freund von mir neulich erzählte, dass im Museum „Memoria y Tolerancia“ Kurse angeboten werden und dass einer davon zum Feminizid stattfinden wird, war ich gleich begeistert und schrieb mich direkt für eine Teilnahme ein. Dann galt es nur noch, meine Chefin zu überzeugen, dass ich die Fehlzeit problemlos abends nacharbeiten könnte.

Sie zeigte sich einverstanden und so besuchte ich vergangenen Monat zusammen mit dem Freund die wöchentliche Veranstaltung. Es war ein spannender Kurs. Anhand von zwei Fallbeispielen erarbeiteten wir die Merkmale der Feminizide und schauten in die Akten der Verteidiger.

Der Verteidiger eines Angeklagten führte tatsächlich als gerichtliches Argument an, dass er als Kind nicht von seiner leiblichen Mutter gestillt wurde, sondern nur von einer Leihmutter. Dies sollte wohl untermauern, dass er in unstabilen Verhältnissen aufgewachsen war. Die Verteidigung führte teils wirklich absurde Argumente auf, etwa dass die Mörder rasend vor Liebe nicht mehr wussten, was sie taten. Das Feminizide ein kulturelles Problem sind und nichts mit Liebe zu tun haben, sondern mit gesellschaftlichen Rollenbildern und dem Ungleichgewicht von Macht, blieb in den Urteilen völlig außen vor.

So war es letztendlich traurig, den Verlauf der Fälle zu betrachten, zu wissen, dass sie sich wiederholen würden und die Täter fast immer ungestraft davonkommen. Mal schauen, ob es tatsächlich mein Thema für die Masterarbeit wird.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  12.09.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
12.09.2013