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Mein Freiwilliges Jahr

Ein Sonntag im anthropologischen Museum

Das anthropologische Museum von Mexiko-Stadt ist eines der wichtigsten Museen der Stadt. In den Rankings der sehenswertesten Plätze von Mexiko rangiert es auf den vorderen Plätzen und am kostenfreien Sonntag stehen viele mexikanische Familien mit ihren Kindern Schlange, um die Sicherheitskontrollen am Eingang zu passieren.

Zudem ist das Museum einfach riesig. Schon allein der Innenhof würde einen Fußballplatz locker in sich aufnehmen, und aufgrund der umfangreichen Sammlung genießt das Museum auch international hohes Ansehen.

Alles in allem waren dies für mich und ein paar Freunde genügend Gründe, um das Museum auf die Liste der Aktivitäten zu setzen, die wir vor unserer Abreise noch sehen/erleben wollen. Letzten Sonntag war es dann so weit: Wir trafen uns am Eingang, um uns geduldig in die Schlange der Wartenden einzureihen.

Mit unseren Visa durften wir umsonst passieren, um den grünen Innenhof zu betreten, von dem aus viele Türen ins Innere des Museums führen. Zunächst wandten wir uns nach rechts, wo uns die Ursprungsgeschichte des Menschen erwartete. Nach Epochen sortiert fanden sich anschließend Zeugnisse von den Tolteken, den Azteken und den Maya, von welchen sich Töpferwaren, Grabnachbildungen und andere Relikte fanden. Videos, Audios, Puppen-Arrangements und Nachbauten versuchen den Betrachtern den Alltag, die Wirtschaft, Religion und Kultur der vergangenen Zivilisationen näherzubringen.

Im oberen Teil des Gebäudes folgte schließlich die zeitgenössische Ausstellung über den modernen Mensch und indigene Völker, die in Mexiko leben. Dort angekommen, wurden uns bereits die Beine schwer und jedes Video wurde umso spannender, wenn es eine Sitzmöglichkeit bot. So beschlossen wir schließlich, ohne alles gesehen zu haben, den Museumssonntag zugunsten eines deftigen Mittagessens zu beenden.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  03.07.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
03.07.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Was assoziierst du mit dem Wort "verschwinden"?

Ich hätte bis vor kurzem zuerst an Gegenstände gedacht: an einen einzelnen Ohrring ohne sein passendes Gegenstück, an Handschuhe, Mützen und Schals, die in der U-Bahn liegen geblieben sind; an ein Buch, das fragt: „Wo ist das Land der verschwundenen Dinge?“ Seit ich in Mexiko bin, denke ich jedoch zu allererst an Menschen. Menschen, die von heute auf morgen nicht mehr auftauchen und deren Familienangehörige verzweifelt bei den Behörden von Tür zu Tür gehen und meist abgewiesen werden. Sie starten schließlich oft ihre eigene Suche.

Der heute veröffentlichte Report von Amnesty Mexiko erzählt die Geschichte dieser Familien und die Probleme, mit denen sie alltäglich kämpfen müssen. Bei der Veranstaltung zur Veröffentlichung sprachen einige von ihnen: Brenda machte den Anfang. Gehüllt in ein rotes Seidenkleid, die schwarzen Haare locker hinter den Schultern, erfüllte ihre Wut und Trauer den Saal, als sie von dem Schicksal ihres jüngeren Bruders sprach: seiner Unschuld, seinen Träumen; ihrer Suche nach ihm, Schmähschriften, Drohbriefen.

Anschließend sprach Lucía. Ihr Sohn verschwand vor zwei Jahren auf dem Weg nach Monterrey. Sie bittet eindrücklich um Erleichterung von der Qual und der tiefen Ungewissheit über seinen Verbleib. Gegen Ende ihres Beitrages rief ein Gast aus dem Publikum laut und wütend in die Veranstaltung hinein: „Lebend haben sie sie uns genommen, lebend wollen wir sie wiederhaben!“

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  25.06.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
25.06.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Eine Vela im Isthmus von Tehuantepec

Vor kurzem habe ich meine erste Vela besucht. Eine Vela ist nicht nur die spanische Bezeichnung für „Kerze“, sondern auch für die alljährlich im Mai stattfindenden Feiern im Isthmus, also eine Landbrücke oder Landenge, von Oaxaca, bei welchen getanzt, gegessen und getrunken wird bis zum Sonnenaufgang. Auf diesen Feiern tragen viele Frauen die Trachten ihrer Region, mit dem stolzen Blumenschmuck im Haar und prächtigen Kleidern aus Samt, Satin oder anderen edlen Stoffen, welche mit bunten Blumen und allerhand Zierwerk bestickt sind. Die Männer kommen für gewöhnlich in schwarzen Hosen und weißen Hemden und lassen die Farben an den Kleidern der Frauen umso mehr erstrahlen.

Eine Freundin von mir, die aus der Gegend stammt, hat mich eingeladen mit ihr auf eine solche Vela zu gehen. Ich habe mich über die Einladung riesig gefreut und schon im Vorfeld dem Event gespannt entgegengesehen. An einem Freitag setzte ich mich nachts in den Bus, welcher direkt bis in einen Nachbarort meines Zieles fuhr – zwölf Stunden später kam ich wie geplant an. Beim Verlassen des Busses wallte mir eine feuchte Hitze entgegen, welche für die Landenge zwischen Karibik und Pazifik bezeichnend ist. Auch nachts kühlt sich die Erde hier nur sanft ab. Lediglich die Winde sorgen für etwas Erfrischung.

Das Wiedersehen mit meiner Freundin und ihrer Familie war sehr herzlich. Wir verbrachten den Tag entspannt mit lesen, erzählen und schlafen in der Hängematte. Als die Dämmerung anbrach und es langsam etwas kühler wurde, fingen wir an uns für das Fest zu schmücken.

Die Familie meiner Freundin lieh mir eine Tracht aus schwarzem Samt mit roter Bestickung, passendem Blumenschmuck, goldenen Ketten und Ohrringen. Der dicke Stoff hüllte mich ein und ließ das Kostüm zur Sauna werden. Die Mutter meiner Freundin nahm sich meiner Haare an, frisierte mich, türmte Blumen auf meinem Kopf und verpasste mir mit ihrer Schminkdose Farbe im Gesicht. Gemeinsam berieten wir über Farben, Ober- und Unterröcke, Ohrringe, Lippenstift, Blusen und Schuhe.

Gegen elf Uhr gingen wir schließlich zur Vela, um die bunten Trachten der Anwesenden zu bewundern, gemeinsam zu essen, zu trinken und zu tanzen.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  20.06.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
20.06.2013