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Mein Freiwilliges Jahr

Neue Wände im Kinderzimmer

Vor sechs Jahren bin ich von zu Hause ausgezogen und habe begonnen, in Rostock zu studieren. Damals schon hatte ich meinen Eltern vorgeschlagen, mein ehemaliges Kinderzimmer für sich zu nutzen und nach ihren Wünschen zu verändern. Ich riet ihnen, einen Bastel- und Sportraum draus zu machen, damit sie einen ruhigen Ort für die fünf Tibeter am Morgen, die Gymnastik am Abend und die Nähmaschine hätten. Einen Ort, wo sie die Bastel- und Sport-Accessoires einfach liegen lassen und die Tür hinter sich schließen können.

Damals weigerten sie sich noch, aus dem Zimmer etwas Schönes für sich zu machen. Über die Jahre konnte ich dann sehen, wie der Raum allmählich zu einer Abstellkammer für ausrangierte Möbel, Bilder und Kleidungsstücke wurde, obwohl sie einen geräumigen Dachboden mit viel Lagerplatz haben.

Nach meiner letzten Rückkehr aus Mexiko habe ich dann sehr viel von meinem alten Kinderkram weggeschmissen. Ich wollte die unnützen Tagebücher, die von Liebeskummer und anderen Herz-Wehwehchen erzählen, bannen; alte Schulmaterialien folgten, sinnfreie Staubfänger, Postkarten, Briefe, Fotos, Bilder ... Vieles ging in den Müll. Zurück blieb eine Auswahl dessen, was mich an glückliche Momente erinnert und ein deutlich leereres Zimmer.

Kurz vor meiner erneuten Abreise nach Mexiko stellte meine Mutter dann tatsächlich ihre Nähmaschine dort ab und die Möbel und Bilder wanderten auf den Dachboden. Und beim letzten Skypen bin ich fast aus allen Wolken gefallen: Meine Eltern saßen vor einer neuen Tapete im ehemaligen Kinderzimmer. Sie haben dem Zimmer einen neuen Anstrich verpasst und auch andere Möbel reingestellt. Es ist nun tatsächlich zu einem Bastel- und Gästezimmer geworden. Ich freue mich sehr darüber und hoffe, dass ich mich nach meiner Rückkehr dort für ein paar Tage einnisten kann.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  27.05.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
27.05.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Endlich wieder Internet

Seitdem ich von zu Hause ausgezogen bin, telefoniere ich wöchentlich mit meinen Eltern und nach Gelegenheit mit einigen Freunden und Freundinnen. Wir erzählen uns vieles: vom Außergewöhnlichen und Alltäglichen – was uns eben gerade beschäftigt.

Seitdem ich in Mexiko bin, telefonieren wir übers Internet. Nachdem meine Mitbewohner und ich unsere WG eröffnet haben, hat es fast einen Monat gedauert, bis wir Internet im Haus hatten. Meinen Eltern erzählte ich in dieser Zeit nicht nur mehr vieles, sondern vieles auch doppelt. Wir wiederholten die Worte füreinander dreimal, fünfmal, füllten hörverständlichen Lücken aus und amüsierten uns über stehen-gebliebene Bildsequenzen. Skype ist eine kreative Herausforderung, wenn einem nichts weiter als das schwache Signal der Nachbarn zur Verfügung steht...

Vor dem Start in den Freiwilligendienst hatte uns unsere Entsendeorganisation, der Internationale Bund (IB), vorgeschlagen, in diesem Jahr auf Internet und PC zu verzichten. Ich bin mir sicher, hätte ich diesen Rat befolgt, würde ich nun Stammmitglied mit Jahresabo und eigenem Schreibtisch in einem Internetcafé sein. Ich würde mich mit der ganzen Belegschaft duzen, uns Kaffee kochen und ihnen die Kekse wegfuttern. Sie würden mich zu Geburtstagen einladen und mir den Schlüssel dalassen, damit ich noch in Ruhe etwas zu Ende schreiben kann, obwohl sie in den Feierabend gehen.

Internet ist für mich erstaunlich essentiell geworden. Ich nutze das Web nicht nur für Telefonate. Es ist meine Zeitung, mein Radio, mein Veranstaltungskalender, meine Bibliothek, meine Studienverwaltung, meine Bank, mein Stadtplan, mein Wörterbuch, mein Briefkasten, meine Enzyklopädie, mein Berater bei Produkten und leichten Erkrankungen – das Internet ist während der letzten sieben Jahre ein fester Bestandteil meines Lebens geworden und ein unersetzlicher Helfer in vielen Angelegenheiten. Also, herzlich willkommen zurück, alter Freund!

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  14.05.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
14.05.2013

Mein freiwilliges Jahr

Ein trauriges & ernstes Wiedersehen

Vor kurzem besuchte ich meine ehemaligen Kolleginnen einer Frauenrechtsorganisation in Oaxaca, wo ich 2011 ein halbes Jahr lang Praktikum gemacht hatte. Während des Praktikums hatte ich viel zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ erfahren. Auf meine Anfrage hin, sie in der Organisation besuchen zu dürfen, luden sie mich direkt zu einer Demonstration gegen die Feminizide ein. Damit sind Morde am weiblichen Geschlecht aus Gründen gesellschaftlicher Abwertung gemeint. Trotz der heftigen Thematik eilte ich erwartungsvoll zu der Demonstration. Ich hoffte auf die Möglichkeit, mit ein paar Mitgliedern sprechen zu können, und Informationen zum Thema zu erhalten.

Es kam jedoch ganz anders: Da viele Personen auf der Demo mit Sonnenbrillen und Mützen waren, fragte ich gleich zu Beginn eine in die Vorbereitungen involvierte Frau, ob sie die Mitarbeiterinnen kenne. Diese erzählte mir daraufhin, dass ihre 16-jährige Tochter erst vergangenen Montag ermordet worden war und zeigte mir ein Foto von ihr. Der Täter war unbekannt. Erschrocken zog ich mich an den Rand zurück. Nicht zuletzt weil sich bereits die Polizei eingefunden hatte, um die Demonstranten zu beobachten. Als ich endlich meine ehemaligen Kolleginnen ausmachen konnte, stellte ich fest, dass diese sehr beschäftigt waren. Nicht nur mit den Vorbereitungen an sich, sondern auch innerlich mit der Thematik. Sie erwogen sogar, in den Hungerstreik zu treten, um die Regierung zu veranlassen, die ernste Thematik anzugehen.

So war das Wiedersehen angesichts der Schwere nicht so herzlich, wie ich mir gewünscht hätte – der Moment war einfach ungünstig. Die Suche nach Informationen habe ich jedenfalls auf einen späteren Moment verschoben. Der nächste Besuch wird dann besser in den Räumlichkeiten ihres Büros stattfinden.

Autor: Anni  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  06.05.2013
Autor: Anni
Rubrik: auszeit nach dem abi
06.05.2013