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Mein Freiwilliges Jahr

Stadtfest und Riesenrad

Xochimilco ist einer der ältesten Stadtteile von Mexiko-Stadt, in welchem sich noch erkennen lässt, dass sie einst auf einem See errichtet wurde, dessen feuchter Untergrund die Fundamente der historischen Gebäude jährlich Zentimeter für Zentimeter sinken lässt. Vergangenes Wochenende fand das jährliche Stadtteilfest von Xochimilco statt. Es wurde ein Rummel mit Spielen, Karussell und Riesenrad errichtet. Eine Band spielte Blues und Rockmusik und einige Personen verkauften Pulque mit echten Früchten statt dem typischen Fruchtsaftgemisch.

Nach einem langen Fußmarsch, denn in diesen Stadtteil fährt keine Metro, mischten mein Freund und ich uns unter die Leute: Wir tanzten, kauften Pulque und aßen Quesadillas. Als die Band endete, begannen wir uns auf dem Rummel umzuschauen und entdeckten ein jahrzehntealtes Riesenrad. Es war nicht sonderlich hoch, doch keines der zweistöckigen Häuser reichte an seinen oberen Rand. Die Gondeln bestanden aus schwankenden Holz-Sitzbänken, auf welchem zwei Personen bequem Platz finden konnten. Einige LED-Leuchtstäbe waren provisorisch zur Dekoration angebracht worden.

Wir zögerten nicht lange, kauften uns ein Ticket und schon wurden wir aufgefordert, einzusteigen. Die Fahrt dauerte sicher zehn Minuten, eine Runde folgte der anderen. In der Ferne ließen sich Bergketten erkennen und von oben überschauten wir die Dächer der Stadt. Es war wunderbar!

Ich schaukelte unsere Sitzbank an, bis uns der Betreiber ermahnte, dass sie sich auch überschlagen könnte. Doch auch ohne unser Zutun schlugen die Bänke im Wind aus, dank der sich beschleunigenden Drehbewegung des Rades – hach, das war eine wunderbare Fahrt in diesem Riesen-Schaukel-Rad!

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  11.06.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
11.06.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Der Jahrmarkt der Kulturen

Es ist Jahrmarkt in der Stadt. Rund um die Siegessäule mit dem Engel der Unabhängigkeit, dem „Angel de Independencia“, wurden Buden und Stände aufgebaut, um den „Jahrmarkt befreundeter Kulturen“zu begehen.

Auf dem Jahrmarkt sind mehr als 75 Länder vertreten, die ihre Kulturen und Landschaften präsentieren. Sie kommen aus allen Kontinenten: Afrika, Asien, Australien, Europa und Amerika. Interessanterweise hat sogar Palästina einen eigenen Stand, wenngleich nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu Israel.

In den Pavillons werden Bilder gezeigt, Accessoires, Kunsthandwerk und Kleidung verkauft, Workshops, Konzerte und Tanzpräsentationen geboten und am allerwichtigsten: Es gibt Getränke und Speisen in reichen Mengen. Es ist ein wahrer Gaumengenuss!

Als ich mich durch die Buden und Menschenmassen schlängelte, wehte mir ein verheißungsvoller Geruch aus vielen Ländern entgegen. In El Salvador gab es gebratene Bananen gefüllt mit einer sahneartigen Creme, Thailand hatte Riesenportionen von gebratenem Reis und Nudeln mit Litschi-Eis, in Peru naschte ich eine Karamell-Süßigkeit; Deutschland verkaufte Bratwurst, Bier und Apfelkuchen und die Schweiz den besten Schokoladenkuchen.

Mein Bauch war bereits nach einer halben Stunde so gefüllt, dass ich, müde vom vielen Essen und den tausenden Sonntagsausflüglern, beschloss, besser nochmal unter der Woche den Jahrmarkt zu besuchen, um mit einem guten Hunger weitere Speisen und Getränke zu kosten.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  07.06.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
07.06.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Neue Wände im Kinderzimmer

Vor sechs Jahren bin ich von zu Hause ausgezogen und habe begonnen, in Rostock zu studieren. Damals schon hatte ich meinen Eltern vorgeschlagen, mein ehemaliges Kinderzimmer für sich zu nutzen und nach ihren Wünschen zu verändern. Ich riet ihnen, einen Bastel- und Sportraum draus zu machen, damit sie einen ruhigen Ort für die fünf Tibeter am Morgen, die Gymnastik am Abend und die Nähmaschine hätten. Einen Ort, wo sie die Bastel- und Sport-Accessoires einfach liegen lassen und die Tür hinter sich schließen können.

Damals weigerten sie sich noch, aus dem Zimmer etwas Schönes für sich zu machen. Über die Jahre konnte ich dann sehen, wie der Raum allmählich zu einer Abstellkammer für ausrangierte Möbel, Bilder und Kleidungsstücke wurde, obwohl sie einen geräumigen Dachboden mit viel Lagerplatz haben.

Nach meiner letzten Rückkehr aus Mexiko habe ich dann sehr viel von meinem alten Kinderkram weggeschmissen. Ich wollte die unnützen Tagebücher, die von Liebeskummer und anderen Herz-Wehwehchen erzählen, bannen; alte Schulmaterialien folgten, sinnfreie Staubfänger, Postkarten, Briefe, Fotos, Bilder ... Vieles ging in den Müll. Zurück blieb eine Auswahl dessen, was mich an glückliche Momente erinnert und ein deutlich leereres Zimmer.

Kurz vor meiner erneuten Abreise nach Mexiko stellte meine Mutter dann tatsächlich ihre Nähmaschine dort ab und die Möbel und Bilder wanderten auf den Dachboden. Und beim letzten Skypen bin ich fast aus allen Wolken gefallen: Meine Eltern saßen vor einer neuen Tapete im ehemaligen Kinderzimmer. Sie haben dem Zimmer einen neuen Anstrich verpasst und auch andere Möbel reingestellt. Es ist nun tatsächlich zu einem Bastel- und Gästezimmer geworden. Ich freue mich sehr darüber und hoffe, dass ich mich nach meiner Rückkehr dort für ein paar Tage einnisten kann.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  27.05.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
27.05.2013