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Mein Freiwilliges Jahr

Ostern in der Sierra Gorda

Die Osterfeierlichkeiten dauern in Mexiko eine ganze Woche. Während dieser Zeit werden die Kirchen mit violetten Stoffen und Bändern geschmückt, es finden Festumzüge statt und die meisten Angestellten bekommen wenigstens zwei Tage frei. Als Freiwillige bei Amnesty hatten wir es besonders gut, denn uns wurde die ganze Woche zugestanden. Daher nutzten mein Freund und ich die Gelegenheit, um in eine Gegend zu reisen, in der wir zuvor noch nie gewesen waren: den Bundesstaat Querétaro.

Am Montag, eine Woche vor Ostern, machten wir uns auf den Weg. Die erste Nacht kamen wir bei einer Freundin unter. Wir wurden herzlich aufgenommen und im Nachtschein der Stadt konnten wir ein kilometerlanges Aquädukt bestaunen. Gleich am nächsten Tag ging es dann weiter in die Sierra Gorda, die „dicken Bergketten”, wo der Nebel die Wälder umhüllte und ein sanfter Nieselregen uns die trockene Kakteenlandschaft der Tiefebene vergessen ließ.

In der Sierra besuchten wir drei Orte, wovon einer schöner sein sollte als der andere. So wanderten wir zunächst zu einem schlanken Wasserfall, der aus einer berauschenden Höhe den Weg in die Tiefe fand, um sich in einem grünblau-glitzernden Wasserbecken wieder zu beruhigen.

Auf dem Weg zum nächsten Ort, Puente de Dios (Brücke Gottes) balancierten wir auf Holzleitern über einen wild fließenden Bach entlang den Wänden einer schmalen Schlucht. Die großen Felsbrocken machten den Weg zum Abenteuer. Die Puente ist eine Höhle mit zwei Öffnungen, die mehrere kleine Wasserfälle in sich vereint, und von deren Decke Tropfsteine hängen. Da uns an dieser Stelle die Nacht einholte, schafften wir gerade noch, unser Zelt aufzustellen, bevor die Sonne verschwand und der Schein der ersten Glühwürmchen im rauschenden Gewässer reflektierte.

Der dritte Ort, zu dem wir fuhren, der Sótano del Barro, war die größte Herausforderung: Etwas mehr als zwei Stunden bestiegen wir einen steilen Berg, um zu einem mehr 400 Meter tiefen Loch in der Erde zu gelangen, in welchem Papageienkolonien leben. Wir konnten direkt an den Abgrund treten, an dessen Rand der freie Fall beginnt. So genoss ich nach einem kurzen Blick in die Tiefe die fantastische Aussicht lieber von einem Felsbrocken in sicherem Abstand.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  16.04.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
16.04.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Zwei mexikanische Hochzeiten

Als ich vor zwei Jahren in Oaxaca wohnte, wurde ich gleich zu Beginn von meinen Bekannten zu vielen verschiedenen Feiern mitgenommen: Karneval, Rodeo, Familiengeburtstage, Live-Musik und religiöse Feste. Etwas ganz besonderes war für mich, dass ich auch auf eine Hochzeit gehen konnte.

Das war eine sehr traditionelle Feier. Sie fand in einem Tanzsalon statt, der aus einem großen Zelt bestand, welches kurzerhand auf der Straße errichtet worden war und genau zwischen den beiden Häuserzeilen Platz fand. Die Autos mussten somit einen Bogen fahren. Die Braut und der Bräutigam waren noch sehr jung, wohl erst um die 20 Jahre alt. Eines der Geschenke, das ihnen gemacht wurde, war ein Truthahn in einem Flechtkorb. Mit dem Geschenk auf dem Kopf tanzte der Schenkende eine Weile zu der typischen Kapellen-Blasmusik, bevor er den Korb samt Inhalt überreichte.

Auch dieses Jahr hatte ich das Glück, auf eine Hochzeit eingeladen zu werden. Es heiratete die Cousine meines Freundes und ich begleitete ihn zu dem Fest. So konnte ich einen zweiten Eindruck vom Heiraten in Mexiko erhalten. Diesmal war es eine viel modernere Feier. Die Braut wurde von einer Reihe von Brautjungfern in pinken Festkleidern begleitet, es spielte eine Salsa-Band, alle Geschenke waren in weißes oder silbernes Papier gewickelt und für die Kinder war ein Trampolin aufgestellt worden.

Dennoch, beide Feiern hatten auch viele Gemeinsamkeiten: Live-Musik, eine volle Tanzfläche und über 150 geladene Gäste. Zudem wurde auf beiden Feiern ein Stuhltanz getanzt, bei dem versucht wird, Braut und Bräutigam von ihren Stühlen zu schubsen, um ihren Zusammenhalt zu testen. Das Paar steht sich dabei gegenüber und hält einen Schal in der Hand, der sie verbindet. Die engsten Vertrauten des Paares stützen sie, damit sie nicht so einfach fallen können. Die anderen Gäste bilden eine Polonaise und dürfen schubsen. Es hat wirklich viel Spaß gemacht!

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  10.04.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
10.04.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Ein Marathon geht zu Ende

Jedes Jahr im Dezember ruft Amnesty International dazu auf, Briefe für bedrohte Personen zu schreiben oder Petitionen im Internet zu unterzeichnen. Diese Aktion wird Briefmarathon genannt und stellt eine der zahlreichen Aktionen der Organisation dar, an der auch die mexikanische Sektion teilnimmt.

Dieses Jahr konzentrierte sich die mexikanische Sektion von Ai auf sechs Fälle aus Lateinamerika, welche in dem kürzlich publizierten Bericht über die Lage der Menschenrechtsverteidiger Lateinamerikas vorgestellt wurde. Neben Mexiko arbeiteten wir zu Fällen aus Brasilien, Kuba, Guatemala, Honduras und Kolumbien, welche uber soziale Netzwerke und die Aktivisten in den Ortsgruppen publiziert wurden.

Als wir Mitte März mehr als 4.300 Unterschriften gesammelt hatten, beschlossen wir, dass es Zeit wurde, diese an die Botschaften zu überreichen. An dieser Stelle begann für mich meine Hauptaktivität. Hatte ich zuvor die Unterschriften empfangen und für die Statistik registriert, galt es nun, deren Übergabe vorzubereiten: Das heißt, ich begann Briefe über die Vorfälle und Empfehlungen von Amnesty an die jeweiligen Regierungen zu verfassen, sichtete das Unterschriftenmaterial, lud die Online-Unterschriften herunter, packte alles zusammen zu repräsentativen Päckchen, suchte die besten Fahrtrouten heraus und Freiwillige, die Zeit zum Post austragen hatten.

Zum Glück erklärte sich schnell eine Person bereit nach Lomas de Chapultepec mit dem Auto zu fahren, mit der Metro wäre das nämlich gar nicht möglich gewesen. Ich selbst übernahm das Viertel Polanco, in welchem sieben Botschaften relativ dicht beieinander lagen. fordern.

Am folgenden Tag schwang ich mich am frühen Nachmittag auf mein Rad und fuhr Richtung Polanco. Die Botschaften waren leicht zu finden und die Übergabe verlief unkompliziert. Dennoch brauchte ich mehrere Stunden, um die ganze Post auszuliefern und war am Ende des Tages total erschöpft.

Mit dem Stift in der Hand und dem Notizbuch vor der Nase schlief ich ein und erwachte erst einige Stunden später, ganz erstaunt, dass es mittlerweile Mitternacht war. So ging ich schlafen und der Brief-(boten)-Marathon ging auch für mich zu Ende.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  08.04.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
08.04.2013