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Mein freiwilliges Jahr

Ein Wochenende mit Gästen

Nach drei Wochen reisen und einer 24-stündigen Busfahrt sind mein Bruder und eine Freundin wieder in Mexiko-Stadt angekommen. Frisch gebräunt und noch nach Meer und Sonne riechend, stapften sie Ende letzter Woche bei Amnesty ins Büro, um mich von der Arbeit abzuholen. Nachdem wir ihre enorm großen Rucksäcke bei mir zu Hause abgestellt hatten und mit einem Snack aus Oaxaca-Käse und Tlayudas (getrocknete, tellergroße Tortillas) den ersten Hunger gestillt hatten, gingen wir in ein benachbartes Café, um in Ruhe zu essen und ein Bier zu genießen.

Meine beiden Gäste zeigten sich ganz begeistert von Mexiko und erzählten mir von ihren Reiseabenteuern, Highlights und Begleitern. Da ich an den meisten Orten schon selbst gewesen bin, fiel es mir leicht, ihren Beschreibungen zu folgen und mir die Städte und Landschaften ins Gedächtnis zu rufen. Es hat mich wirklich gefreut, dass ihnen das Land so gut gefallen hat.

Am nächsten Tag war ich nur halbtags arbeiten, um den Nachmittag mit meinen Gästen zu verbringen. Wir gingen ins Museum Memoria y Tolerancia, welches über den Holocaust und weitere Genozide berichtet. Freunde hatten mir zwar schon gesagt, dass das Museum gut sein soll, dennoch war ich positiv überrascht. Die Themen sind gut aufbereitet, das Museum ist interaktiv gestaltet, spielt mit seiner Räumlichkeit und verfügt über eine Reihe interessanter Exponate. Nachdem uns etliche Schulklassen überholt hatten, beschleunigten auch wir unseren Schritt, denn die frostige Kälte des Gebäudes und der Zeitzeugnisse kroch uns dann doch allmählich in die Knochen...

Für den Samstag hatten wir einen Ausflug mit einigen meiner Freunde geplant. Früh morgens brachen wir auf, um nach Malinalco zu fahren. Malinalco ist eines der pueblos mágicos, ein magisches Dorf. Dieses Label kennzeichnet Orte, welche für den Tourismus besonders attraktiv sein sollen. Und tatsächlich hat uns das Dorf gut gefallen: Auf dem Marktplatz wurden raffinierte Kunstarbeiten, duftendes Essen und das regional-berühmte Eis feilgeboten. Ich aß eine Kugel Geschmack der Götter und hätte am liebsten noch fünf Liter davon mitgenommen! Neben dem Marktplatz, gab es eine Ruine zu besichtigen. Ein schmaler Aufstieg führte über zahlreiche Treppenstufen zu den Resten eines aztekischen Tempels. Von dem Hügel aus ließ sich die ganze Ortschaft überblicken bis zu den angrenzenden Bergen.

Inzwischen sind meine beiden Besucher wieder nach Deutschland geflogen und ihr Alltag geht weiter, genauso wie meiner hier.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  03.04.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
03.04.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Ein Hügel ist kein Berg

Vor vielen Jahren, ich erinnere mich schon kaum noch, da fragte mich ein Freund: „Wo möchtest du später lieber leben: Am Meer oder in den Bergen?“

Für mich war das nie eine Frage. Im norddeutschen Flachland messen „die Berge“ keine 200 Meter. Die höchste Erhebung bringt es mit den Helpter Bergen gerade mal auf 179 Meter und dort bin ich leider noch nie gewesen. Hügel waren für mich die einzigen Berge, die ich wirklich gut kannte und die gibt es in Mecklenburg überall. Zudem rauscht das Meer fast vor der Haustür – was soll ich da entscheiden?

Wie schön es sein kann, umgeben von Bergen zu leben, habe ich zum ersten Mal in Monterrey, Nordmexiko, festgestellt. Im Morgenlicht strahlten die Berge golden über den buntgestrichenen und eilig hochgezogenen Betonbauten. Sie waren das erste, was in meinen Blick fiel und begleiteten mich nachts als massiv schwarze Silhouetten vor dem rotgrauen Großstadthimmel in meine Träume.

Auch der Smogkessel Mexiko-Stadt ist bekanntlich von Bergen gesäumt, die als ferne Giganten über der tellerflachen Stadtscheibe erkennbar sind. Zum Jahreswechsel fand ich einen stolzen Brief der Stadtverwaltung in meinem Postkasten. Dieser teilte uns, den Bürgern von Mexiko-Stadt mit, dass die Stadt inzwischen an der Hälfte der Tage im Jahr die erlaubten Kohlendioxidwerte nicht mehr überschreitet. Die andere Hälfte der Tage steckte ungesagt zwischen den Zeilen.

Dennoch, die Berge sind meine neue Leidenschaft! Am Wochenende bin ich mit meinem Freund, wie schon so oft, wieder wandern gegangen. Unser Wandern folgt dabei einem unausgesprochenen, geheimen Plan. Der läuft in etwa so ab: Wir suchen uns einen Bus, der die dichtbesiedelten Zonen verlässt und uns ins weitere Umland oder den Estado de México bringt. Dort decken wir uns mit Mandarinen und Erdnüssen ein und laufen in die Richtung los, wo wir den nächstgelegenen Berg oder Hügel erahnen. Vergangenes Wochenende waren wir deshalb in der Milpa-Alta unterwegs und haben einen kleinen Vulkan ausfindig machen können.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  26.03.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
26.03.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Besuch und Umzug

Letztes Wochenende ist mein erster Besuch aus Deutschland angekommen: Mein Bruder und eine gemeinsame Freundin von uns. Beide sind zum ersten Mal in Mexiko und es ist sehr schön, ihnen meine Lieblingsecken zeigen zu können.

So haben wir uns gleich am nächsten Tag in den Trubel gestürzt: Quesadilla-Frühstück auf dem benachbarten Markt, Radtour auf der sonntags autofreien „Reforma“, ein Picknick im botanischen Garten von Chapultepec und ein Kaffee in Coyoacan, einem Stadtteil, dem man noch seinen dörflichen Ursprung ansieht. Der Kunsthandwerkermarkt dort hat uns allen gefallen und so wurden auch gleich die ersten Souvenirs gekauft. Abends sind wir dann per Zufall bei einem Kurzfilmfestival gelandet, welches von Studenten organisiert wurde. Wir hatten wirklich Glück, die letzten Stühle zu erwischen.

Es war ein schöner Tag, doch da ich montags wieder arbeiten musste, konnte ich meine Besucher gar nicht mehr begleiten. Nach einem weiteren Tag in der Stadt und einem Besuch im anthropologischen Museum sind meine Gäste schließlich weitergefahren. Die Stadt war ihnen doch etwas zu groß, anstrengend und dreckig, um so richtig Urlaub machen und sich erholen zu können. Jetzt sind sie in den bunten, kolonial-indigenen Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas unterwegs, schreiben mir von dort Mails aus meinen Lieblings-Cafés und schicken Fotos mit strahlend blauem Himmel vom Pazifik. Gegen Ende ihrer Rundreise haben wir dann nochmal Zeit für uns, denn sie kommen mich ein zweites Mal besuchen.

Bis dahin bin ich umgezogen und in meiner neuen WG. Nach dem ersten halben Jahr in einer reinen Zweck-Unterkunft habe ich ein paar Freunde gefunden, mit denen ich nun zusammenziehen möchte. Die Wohnung ist auf den ersten Blick etwas schäbig, doch nachdem wir dieses Wochenende die Wände bunt gestrichen und Blätter und Bäume an die Wand gemalt haben, sieht es gleich ganz anders aus. Morgen ziehe ich um und muss jetzt noch meine Taschen packen.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  18.03.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
18.03.2013