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Mein Freiwilliges Jahr

Pulque und Salsa

Die letzten Tage konnte ich einige, kleine Entdeckungen machen, die mich ehrlich gesagt fasziniert haben und von denen ich euch kurz berichten möchte.

Es fing mit einem Abschied an Einige Freiwillige, die nach einem halben Jahr ihren sozialen Dienst beendet hatten, haben uns verlassen. Um den Abschied gebührend zu feiern, sind wir in eine Pulquería gegangen. Wisst ihr, was eine Pulquería ist? Ich glaube, man muss schon ein Weilchen in Mexiko gewesen sein, um einen solchen Ort kennenzulernen. Denn im Gegensatz zu seinen berühmten Kollegen, dem Tequila und dem Mezcal, ist der Pulque ein eher unbekannter Zeitgenosse. Pulque ist ein alkoholisches Getränk aus fermentiertem Agavensaft, der angeblich aus vorkolumbianischer Zeit stammt, wo er für Rituale und Zauber gebraucht wurde. Er hat eine leicht schleimige Konsistenz und einen sehr säuerlichen Geschmack, weshalb ich ihn eigentlich nicht mag. Aber das hat sich geändert, denn in der Pulquería wird das Getränk regelrecht zelebriert und in verschiedenen Variationen angeboten – sogar mit Nüssen. An einem alten Diskomaten konnte man für ein paar Pesos Songs auswählen und alle haben getanzt.

Das Tanzen hat mich und eine Freundin daran erinnert, dass wir bereits seit Monaten Salsa lernen wollen. Am nächsten Tag war es dann so weit und wir setzten diesen lange gehegten Plan in die Tat um. Da wir aber zu spät kamen, war die offizielle Übungsstunde schon vorbei. Doch wir hatten Glück, denn der Salsa-Lehrer sah unser Laientum und zeigte uns ein paar Schritte und die Grundfiguren. So fegten wir kurz darauf bereits über das Parkett und drehten uns um die eigene Achse, bis wir müde wurden. Ganz begeistert von diesem Abend und dem Tanz schaffen wir es hoffentlich öfter ‚salsen‘ zu gehen.

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  11.02.2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
11.02.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Kulturschock

Ich hatte mich in den letzten sechs Monaten total an den lateinamerikanischen Lebensstil gewöhnt: die Leute leben meistens recht bescheiden, es gibt Busse von überall nach überall, man kann an jeder Ecke halbwegs günstig essen, selten sieht man ein Smartphone, es gibt nur wenige, sehr alte Autos… Als ich in Miami aus dem Flughafen rausgekommen bin, konnte ich meinen Augen gar nicht trauen, so schick und sauber war alles. Das hat aber nicht nur seine positive Seite. In Mexiko hätte ich für ungefähr zehn Euro mit einem klapprigen Taxi vom Flughafen in die Stadt fahren können. In Miami hätte das Vergnügen im funkelnden Mercedes 55 Dollar gekostet! So habe ich also einen „Shared Van" genommen und bin erst drei Stunden später im Hotel angekommen, nachdem ungefähr fünf andere Hotels abgeklappert worden waren.

Da waren wir also: meine Mama, meine Tante und ich. Wir haben uns im Hotel getroffen und ich habe mich riesig gefreut, die beiden zu sehen. Wir sind am Strand spazieren gegangen und haben die Art Deco Häuser bewundert. Ich habe mich gefreut, noch mal kubanisches Spanisch zu hören, denn in Miami wohnen offensichtlich sehr viele Kubaner. Hier läuft auch fast alles zweisprachig – auf Englisch und Spanisch. So konnte ich also noch gemütlich auf Spanisch weiter brabbeln. Als wir dann allerdings Richtung Norden zu einem State Park gefahren sind, musste ich auf Englisch umstellen. Und auch wenn ich vor einem halben Jahr Abi in Englisch gemacht habe, hat das Spanisch leider einiges zunichte gemacht.

Besonders toll fand ich die Seekühe, die zum Überwintern an die heißen Quellen, „Blue Springs“ genannt, kommen. Neben diesen Quellen gibt es für die Besucher eine spezielle Plattform, von denen aus man die Seekühe gut beobachten kann. Am nächsten Tag haben wir noch eine Bootsfahrt gemacht und Schildkröten, Alligatoren und viele, viele Vögel gesehen. In Mexiko mag es zwar mindestens so schöne Natur geben, aber so erschlossen wie in den USA ist sie nicht. Sowohl Beobachtungsplattformen als auch Schiffe, auf denen einem Flora und Fauna erklärt werden, sind in Mexiko eine extreme Seltenheit. Irgendwie hab ich mich trotzdem etwas fehl am Platz gefühlt, bei so viel Luxus und so vielen alten Leuten.

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  23.01.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
23.01.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Kuba - Land der Widersprüche

Nach Ewigkeiten lasse ich mal wieder was von mir hoehren. Warum ich so lange nicht geschrieben habe? Ich war drei Wochen in Kuba und dort gibt es kaum Internetcafes. Wenn man dann doch eines findet, kostet die Stunde ein Vermögen, so um die zehn Dollar.

Ich habe bei Freunden gewohnt. Dies hatte den kleinen Nachteil, dass ich im Stadtteil Cerro/Santa Catalina zu Hause war, der im Reiseführer als der „einzige touristisch nicht interessante” Teil Havannas beschrieben wird und ein bisschen weiter vom Zentrum entfernt ist. Es gibt dort nur Plattenbauten, die anfangen zu verfallen. Der riesige Vorteil war aber, ein bisschen tiefer in das kubanische Leben mit all seinen Widersprüchen einzutauchen. Ich möchte ein bisschen von den Lebensumständen der Familie schreiben, bei der ich netterweise wohnen durfte:

Die Frau ist Ingeneurin, leitet eine Abteilung für medizinische Artikel für ganz Kuba und verdient im Monat umgerechnet 20 Dollar. Ihr Mann ist Sicherheitsmann und verdient ungefähr 30 Dollar. Ein Taxifahrer, der privat arbeitet, kann bis zu 500 Dollar im Monat verdienen. Zu erklären ist das ganze nur mit den zwei Währungen, die in Kuba existieren, und mit der Tatsache, dass der Staat recht schlecht zahlt, weil er kein Geld hat und man mit einem eigenen Geschäft oder im Tourismussektor deutlich mehr verdienen kann.

Außerdem ist es erstaunlich, dass die Familie einen neuen, schicken BMW hat, den die Frau als Prämie bekommen hat. Leider funktioniere der Bordcomputer nicht und in Kuba gibt es das entsprechende Ersatzteil nicht. Schon komisch, dass jemand einen BMW hat und gleichzeitig richtig gut durchplanen muss, was er wann isst, damit am Ende des Monats niemand Hunger hat. Die Auswahl an Lebensmitteln in den Supermärkten ist wirklich überschaubar. Dafür ist das Schulsystem das Beste in ganz Amerika. Alle Leute, die ich kennengelernt habe, hatten studiert! Etwas, das in Mexiko unvorstellbar wäre. Außerdem ist die medizinische Versorgung unglaublich gut! In Kuba gibt es doppelt so viele Ärzte pro Person wie in Deutschland! Ich habe in den ersten Tagen am eigenen Leib erfahren, wie gut das Gesundheitssystem ist, weil ich mal wieder krank geworden bin. In Mexiko bin ich erst gar nicht zum Arzt gegangen und das nicht ganz zu unrecht. In Kuba war ich einen halben Tag im Krankenhaus, wo sie mich komplett durchgechekt haben. Es stellte sich heraus, dass meine Magenprobleme daher kamen, dass ich in Mexiko ein ungeeignetes Antibiotikum verschrieben bekommen hatte, als ich eine Ohrenentzündung hatte. Mit ein bisschen Perenterol ging es mir am Tag darauf schon wieder blendend. Für sämtliche Untersuchungen habe ich übrigens ungefähr zehn Euro gezahlt – fast nichts! So viel zahlte man ja in Deutschland auch Praxisgebühr. Die Kubaner zahlen dafür natürlich gar nichts. Es ist schon irre, dass die Leute hier kaum genug zu essen haben, aber so ein gut ausgebautes Gesundheits- und Bildungssystem.

Autor: Maja  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  15.01.2013
Autor: Maja
Rubrik: auszeit nach dem abi
15.01.2013