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Mein Freiwilliges Jahr

Kulturschock

Ich hatte mich in den letzten sechs Monaten total an den lateinamerikanischen Lebensstil gewöhnt: die Leute leben meistens recht bescheiden, es gibt Busse von überall nach überall, man kann an jeder Ecke halbwegs günstig essen, selten sieht man ein Smartphone, es gibt nur wenige, sehr alte Autos… Als ich in Miami aus dem Flughafen rausgekommen bin, konnte ich meinen Augen gar nicht trauen, so schick und sauber war alles. Das hat aber nicht nur seine positive Seite. In Mexiko hätte ich für ungefähr zehn Euro mit einem klapprigen Taxi vom Flughafen in die Stadt fahren können. In Miami hätte das Vergnügen im funkelnden Mercedes 55 Dollar gekostet! So habe ich also einen „Shared Van" genommen und bin erst drei Stunden später im Hotel angekommen, nachdem ungefähr fünf andere Hotels abgeklappert worden waren.

Da waren wir also: meine Mama, meine Tante und ich. Wir haben uns im Hotel getroffen und ich habe mich riesig gefreut, die beiden zu sehen. Wir sind am Strand spazieren gegangen und haben die Art Deco Häuser bewundert. Ich habe mich gefreut, noch mal kubanisches Spanisch zu hören, denn in Miami wohnen offensichtlich sehr viele Kubaner. Hier läuft auch fast alles zweisprachig – auf Englisch und Spanisch. So konnte ich also noch gemütlich auf Spanisch weiter brabbeln. Als wir dann allerdings Richtung Norden zu einem State Park gefahren sind, musste ich auf Englisch umstellen. Und auch wenn ich vor einem halben Jahr Abi in Englisch gemacht habe, hat das Spanisch leider einiges zunichte gemacht.

Besonders toll fand ich die Seekühe, die zum Überwintern an die heißen Quellen, „Blue Springs“ genannt, kommen. Neben diesen Quellen gibt es für die Besucher eine spezielle Plattform, von denen aus man die Seekühe gut beobachten kann. Am nächsten Tag haben wir noch eine Bootsfahrt gemacht und Schildkröten, Alligatoren und viele, viele Vögel gesehen. In Mexiko mag es zwar mindestens so schöne Natur geben, aber so erschlossen wie in den USA ist sie nicht. Sowohl Beobachtungsplattformen als auch Schiffe, auf denen einem Flora und Fauna erklärt werden, sind in Mexiko eine extreme Seltenheit. Irgendwie hab ich mich trotzdem etwas fehl am Platz gefühlt, bei so viel Luxus und so vielen alten Leuten.

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  23.01.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
23.01.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Kuba - Land der Widersprüche

Nach Ewigkeiten lasse ich mal wieder was von mir hoehren. Warum ich so lange nicht geschrieben habe? Ich war drei Wochen in Kuba und dort gibt es kaum Internetcafes. Wenn man dann doch eines findet, kostet die Stunde ein Vermögen, so um die zehn Dollar.

Ich habe bei Freunden gewohnt. Dies hatte den kleinen Nachteil, dass ich im Stadtteil Cerro/Santa Catalina zu Hause war, der im Reiseführer als der „einzige touristisch nicht interessante” Teil Havannas beschrieben wird und ein bisschen weiter vom Zentrum entfernt ist. Es gibt dort nur Plattenbauten, die anfangen zu verfallen. Der riesige Vorteil war aber, ein bisschen tiefer in das kubanische Leben mit all seinen Widersprüchen einzutauchen. Ich möchte ein bisschen von den Lebensumständen der Familie schreiben, bei der ich netterweise wohnen durfte:

Die Frau ist Ingeneurin, leitet eine Abteilung für medizinische Artikel für ganz Kuba und verdient im Monat umgerechnet 20 Dollar. Ihr Mann ist Sicherheitsmann und verdient ungefähr 30 Dollar. Ein Taxifahrer, der privat arbeitet, kann bis zu 500 Dollar im Monat verdienen. Zu erklären ist das ganze nur mit den zwei Währungen, die in Kuba existieren, und mit der Tatsache, dass der Staat recht schlecht zahlt, weil er kein Geld hat und man mit einem eigenen Geschäft oder im Tourismussektor deutlich mehr verdienen kann.

Außerdem ist es erstaunlich, dass die Familie einen neuen, schicken BMW hat, den die Frau als Prämie bekommen hat. Leider funktioniere der Bordcomputer nicht und in Kuba gibt es das entsprechende Ersatzteil nicht. Schon komisch, dass jemand einen BMW hat und gleichzeitig richtig gut durchplanen muss, was er wann isst, damit am Ende des Monats niemand Hunger hat. Die Auswahl an Lebensmitteln in den Supermärkten ist wirklich überschaubar. Dafür ist das Schulsystem das Beste in ganz Amerika. Alle Leute, die ich kennengelernt habe, hatten studiert! Etwas, das in Mexiko unvorstellbar wäre. Außerdem ist die medizinische Versorgung unglaublich gut! In Kuba gibt es doppelt so viele Ärzte pro Person wie in Deutschland! Ich habe in den ersten Tagen am eigenen Leib erfahren, wie gut das Gesundheitssystem ist, weil ich mal wieder krank geworden bin. In Mexiko bin ich erst gar nicht zum Arzt gegangen und das nicht ganz zu unrecht. In Kuba war ich einen halben Tag im Krankenhaus, wo sie mich komplett durchgechekt haben. Es stellte sich heraus, dass meine Magenprobleme daher kamen, dass ich in Mexiko ein ungeeignetes Antibiotikum verschrieben bekommen hatte, als ich eine Ohrenentzündung hatte. Mit ein bisschen Perenterol ging es mir am Tag darauf schon wieder blendend. Für sämtliche Untersuchungen habe ich übrigens ungefähr zehn Euro gezahlt – fast nichts! So viel zahlte man ja in Deutschland auch Praxisgebühr. Die Kubaner zahlen dafür natürlich gar nichts. Es ist schon irre, dass die Leute hier kaum genug zu essen haben, aber so ein gut ausgebautes Gesundheits- und Bildungssystem.

Autor: Maja  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  15.01.2013
Autor: Maja
Rubrik: auszeit nach dem abi
15.01.2013

Mein Freiwilliges Jahr

Australien — Einreisebestimmungen

Da habe ich ein halbes Jahr gesammeltes Treibholz, Steine, Muscheln und sonstige Schätze mit mir rumgetragen, um dann zu erfahren, dass ich diese nicht nach Australien einführen darf. Teile von Pflanzen und Tieren sind nicht gestattet. Auch Nahrungsmittel sind verboten. So musste ich schweren Herzens einen Großteil meiner Sammlung wegwerfen. Im Flieger nach Australien kreuzte ich brav an, was ich noch behalten hatte und was war dann? Niemand wollte sehen, was ich dabei hatte!

Vielleicht war es aber auch ganz gut, dass ich nicht alles mitnehmen konnte, denn mein Rucksack platze auch so aus allen Nähten. Mit zwölf Kilogramm war ich gestartet, mit 21 Kilo kam ich zurück. Aber ich konnte doch meine zusammengesuchten Bücher nicht dort lassen! Mit jedem verband ich einen bestimmten Ort, eine bestimmte Stimmung.

Ein Tipp, der mir gegeben wurde und der sich bezahlt macht, ist übrigens, den Rucksack nicht umzupacken. Einmal umgeräumt, sucht man immer. Man glaubt es nicht, aber das Suchen von Dingen gehörte fast schon zum Alltag – obwohl wir ja wirklich nicht viel dabei hatten!

Mein Gepäck wollte also niemand sehen, dafür schien ich selbst umso verdächtiger zu wirken, denn als wir den Flughafen in Sydney betreten wollten, wurde ich grob zur Seite genommen und genötigt, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben, um dann ausführlich auf Sprengstoff untersucht zu werden. Die andere Person, die untersucht wurde, war ein grimmig dreinblickender bärtiger Herr – ich sollte mir Gedanken um mein Erscheinungsbild machen…

Immerhin wollte in Australien niemand – wie bei der Ankunft in Neuseeland – unsere Schuhe auf Samen kontrollieren. Wobei so eine professionelle Schuhreinigung ja eigentlich gar nicht mal so schlecht ist!

Autor: Miriam  |  Rubrik: orientieren  |  15.06.2012
Autor: Miriam
Rubrik: orientieren
15.06.2012