Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Freiwilligendienst im Ausland

Nah dran oder weit weg?

Langsam fangen die Fragen nach der Dauer meines restlichen Verbleibs in Frankreich an überhand zu nehmen. Sowohl meine Kollegen als auch die Bewohner des Hauses scheinen bei meinem Anblick nur noch daran zu denken, dass dieses eine Jahr, von dem ich im letzten Oktober so gebrochen gesprochen hatte, doch jetzt bald um sein müsste. Von der Antwort „nur noch drei Wochen“, sind die meisten dann zwar dennoch überrascht, lassen sich aber meistens mit der Versicherung, ich würde sie bestimmt bald besuchen, beruhigen.

Denn die Strecke von meinem Zuhause ins Elsass ist nichts, was man mit einem Auto und ein paar Stunden Zeit nicht überwinden könnte. Besuchen bei „meinen“ Senioren und Ordensschwestern steht also zumindest schon mal keine unüberwindbare Distanz im Weg. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen Freiwilligen, die mindestens eine Tagesreise in Kauf nehmen, oder ihr Studentenbuget mit einem Flug belasten müssten.

Aber ist das wirklich ein Vorteil? Als mein Freund mich diese Woche fragte, ob ich nicht lieber weiter weg gegangen wäre, musste ich mir eingestehen, dass ich in meiner Freizeit kaum mit Franzosen zu tun hatte, weil ich an den Wochenenden kaum da war. Ich habe mich viel mit anderen deutschen Freiwilligen von meiner Organisation getroffen und war ungefähr jedes vierte Wochenende bei meiner Familie. Da bleibt wenig Zeit, um neue Leute kennenzulernen. Deshalb denke ich, dass die „Nähe“ (immerhin knapp 400 Kilometer) zu meinem Zuhause in Deutschland meinem sozialen Umfeld in Frankreich nicht besonders zuträglich war.

Auf der anderen Seite habe ich so aber etwas erkannt, was ich sonst entweder nie oder erst sehr viel später gelernt hätte: wie wichtig mir meine Familie ist. Das war mir zwar auch vorher klar, aber wie toll sie wirklich ist, hätte ich wahrscheinlich nicht gemerkt, wenn ich nur an Weihnachten heim gekommen wäre. Denn dass man sich freut, wenn man die Familie nach einem Jahr wieder sieht, steht ja wohl hoffentlich außer Frage. Aber dass ich mich unglaublich gern vier Stunden ins Auto setze, obwohl ich die Leute erst vor drei Wochen das letzte Mal gesehen habe, hätte ich vorher nicht gedacht. Und damit habe ich die wahrscheinlich wichtigste Erfahrung, die ich in diesem Jahr gemacht habe, der Nähe meiner Einsatzstelle zu meinem Zuhause zu verdanken.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  21.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
21.08.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Klostergefühl

Seit zwei Wochen haben wir nun schon kein Internet mehr. Leider werden noch zwei weitere folgen. Das macht dann also insgesamt einen Monat. An sich ist das ja erst mal nicht schlimm, es behauptet sowieso alle Welt, dass wir viel zu abhängig sind von unserer virtuellen Welt. Außerdem ist es wahr, dass man auf einmal deutlich mehr Zeit hat und vergessen geglaubte Dinge, wie ein klassisches Stück am Klavier spielen, oder das schlichte Lesen eines dicken Romans, auf einmal wieder aufnimmt.

Trotzdem macht fehlendes Internet Probleme, wenn man gerade eigentlich zwei Online-Kurse macht, auf Wohnungssuche ist, skypen will, sich bei einer Uni einschreiben muss und einen Blog schreibt. Außerdem fällt der zugegeben nicht selbstverständliche Luxus weg, sich wann auch immer mit Freund und Familie sogar per Video unterhalten zu können, ohne sich einen Kopf über horrende Telefonrechnungen machen zu müssen.

Immerhin kann ich im Innenhof des Gebäudes immer noch das W-Lan der Klosterschwestern abgreifen. Ich bin also eigentlich gar nicht richtig vom Netz getrennt. Mühselig ist es allerdings trotzdem, jedes Mal auf die andere Seite des Hauses zu rennen und dann keinen Schreibtisch, sondern nur eine Parkbank zum Arbeiten zu haben. Und das auch nur so lange, wie es die Akku-Leistung zulässt. Und nicht nach halb zehn: Da herrscht Nachtruhe! Deshalb hat meine Motivation für den Mathe-Online-Kurs wohl auch etwas gelitten.

Irgendwie macht diese ganze Geschichte das Klosterleben auch ein Stück authentischer. Und man kann mit gutem Gewissen länger schlafen, weil man sich seinen Pflichten sowieso nicht vernünftig widmen kann.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  13.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
13.08.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Skyline auf Elsässisch

Heute möchte ich Euch einen kurzen Einblick in das Landschaftsbild des Elsass geben. Denn gerade im Sommer macht ein bestimmter Wettbewerb zwischen den Dörfern und Städten etwas Besonderes aus der Region.

Im Elsass ist es so, dass jede Gemeinde und jede Stadt „Blumenpunkte“ beantragen kann. Sie bekommt dann zwischen einem und vier Punkten, genauso viele wie sie es sich mit ihrem Stadtbild verdient. Das heißt also: Je gepflegter und mit Blumen geschmückter eine Stadt ist, desto mehr Punkte bekommt sie zugesprochen. Einmal erhalten, werden die Punkte in Form von kleinen roten Blümchen am Ortseingang auf Schilder gedruckt, die direkt unter dem Ortsschild hängen, sodass sie für jedermann sichtbar sind. Diese kleine Regelung führt dazu, dass jede Gemeinde mehr Blümchen haben möchte als die Nachbargemeinde, und sich deshalb unglaubliche Mühe mit ihrem Stadtbild gibt. Ich habe das Glück, in einem Dorf mit drei von vier Punkten gelandet zu sein und so freue mich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit, der mich quasi direkt über den Zentralen Marktplatz führt, über die wunderschönen Blumen, die beleuchteten Brunnen und die Sauberkeit. Gerade im Sommer ist das Ganze natürlich ein sehr dankbarer Wettbewerb, weil man viel Spielraum und Möglichkeiten zur Gestaltung hat. Doch selbst im Winter sind die Pflanzenkübel, die die Straßen säumen, mit buntem Kohl bepflanzt und die Rasenflächen im Park auf englische Art gepflegt.

Darüber hinaus liegt das Elsass im Rheingraben, fast gänzlich umschlossen von zwei Gebirgszügen: den Vogesen auf der französischen Seite und dem Schwarzwald auf der deutschen Seite. Die beiden liegen so eng beieinander, dass man den Schwarzwald von meinem kleinen Dorf am Fuß der Nordvogesen aus fast immer sehen kann. Diese Tatsache führt in dem sonst so flachen Rheinland zum einen ganz pragmatisch dazu, dass man sich fast immer orientieren kann, egal wo man ist; und zum anderen bietet es eine wunderschöne Kulisse. Selbst wenn man über die eigentlich unschöne Autobahn nach Norden fährt, sieht man westlich die mit fantastisch erhaltenen Mittelalterburgen gespickten Vogesen, östliche die beeindruckend nahe Skyline des Schwarzwaldes und nördlich das weithin sichtbare Straßburger Münster. Ein wirklich beeindruckendes Bild, das noch an Charme gewinnt, wenn man die Autobahn verlässt und auf den kleinen Straßen der vorgelagerten Hügel der Vogesen durch die unzähligen Weinorte fährt

– selbstverständlich alle mit ausreichend Blümchenpunkten.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  07.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
07.08.2015