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Freiwilligendienst im Ausland

Wie bin ich eigentlich in Spanien gelandet?

Direkt nach dem Abitur zu studieren – das kam für mich eigentlich nie in Frage. Schon als es noch Jahre entfernt war, kannte ich schon verschiedene Programme, mit denen ich ins Ausland gelangen könnte. Am liebsten hätte ich so viel wie möglich in dieses eine Jahr nach dem Abi gepackt: Vielleicht ein halbes Jahr nach Frankreich und noch ein halbes Jahr nach Afrika oder doch erst als Au-pair arbeiten und danach noch Freiwilligendienst machen?

Als es aber langsam ernst wurde, wurde mir schnell klar, dass das wohl eher nicht klappen würde. Mir wurde klar, dass es mir vermutlich viel mehr bringt, eine längere Zeit in nur einem Land zu verbringen. Erst hatte ich Frankreich im Kopf, immerhin hatte ich in der Schule fünf Jahre lang Französischunterricht; eigentlich wollte ich aber viel lieber nach Spanien, auch wenn ich kein Wort Spanisch sprach.

Bewusst habe ich mich dann für den Europäischen Freiwilligendienst entschieden: Der Gedanke an einen Austausch zwischen Jugendlichen aller europäischen Länder und die vielen verschiedenen Projekte dazu haben mich spontan begeistert. In einer Projektdatenbank habe ich nach interessanten Angeboten gesucht und schließlich über 300 E-Mails verschickt. Ein Jahr im Voraus habe ich angefragt, ob das jeweilige Projekt noch Freiwillige für das kommende Jahr sucht – dabei leider nur mehr oder weniger 30 Antworten bekommen. Ich wollte zwar unbedingt nach Spanien, doch das Land scheint bei Freiwilligen einfach so beliebt, dass es schwierig ist, dort einen Platz zu finden. Daher hatte ich Schweden, Belgien oder Luxemburg bald ebenso im Hinterkopf.

Autor: Marie  |  Rubrik: orientieren  |  08.02.2016
Autor: Marie
Rubrik: orientieren
08.02.2016

Freiwilligendienst im Ausland

Nah dran oder weit weg?

Langsam fangen die Fragen nach der Dauer meines restlichen Verbleibs in Frankreich an überhand zu nehmen. Sowohl meine Kollegen als auch die Bewohner des Hauses scheinen bei meinem Anblick nur noch daran zu denken, dass dieses eine Jahr, von dem ich im letzten Oktober so gebrochen gesprochen hatte, doch jetzt bald um sein müsste. Von der Antwort „nur noch drei Wochen“, sind die meisten dann zwar dennoch überrascht, lassen sich aber meistens mit der Versicherung, ich würde sie bestimmt bald besuchen, beruhigen.

Denn die Strecke von meinem Zuhause ins Elsass ist nichts, was man mit einem Auto und ein paar Stunden Zeit nicht überwinden könnte. Besuchen bei „meinen“ Senioren und Ordensschwestern steht also zumindest schon mal keine unüberwindbare Distanz im Weg. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen Freiwilligen, die mindestens eine Tagesreise in Kauf nehmen, oder ihr Studentenbuget mit einem Flug belasten müssten.

Aber ist das wirklich ein Vorteil? Als mein Freund mich diese Woche fragte, ob ich nicht lieber weiter weg gegangen wäre, musste ich mir eingestehen, dass ich in meiner Freizeit kaum mit Franzosen zu tun hatte, weil ich an den Wochenenden kaum da war. Ich habe mich viel mit anderen deutschen Freiwilligen von meiner Organisation getroffen und war ungefähr jedes vierte Wochenende bei meiner Familie. Da bleibt wenig Zeit, um neue Leute kennenzulernen. Deshalb denke ich, dass die „Nähe“ (immerhin knapp 400 Kilometer) zu meinem Zuhause in Deutschland meinem sozialen Umfeld in Frankreich nicht besonders zuträglich war.

Auf der anderen Seite habe ich so aber etwas erkannt, was ich sonst entweder nie oder erst sehr viel später gelernt hätte: wie wichtig mir meine Familie ist. Das war mir zwar auch vorher klar, aber wie toll sie wirklich ist, hätte ich wahrscheinlich nicht gemerkt, wenn ich nur an Weihnachten heim gekommen wäre. Denn dass man sich freut, wenn man die Familie nach einem Jahr wieder sieht, steht ja wohl hoffentlich außer Frage. Aber dass ich mich unglaublich gern vier Stunden ins Auto setze, obwohl ich die Leute erst vor drei Wochen das letzte Mal gesehen habe, hätte ich vorher nicht gedacht. Und damit habe ich die wahrscheinlich wichtigste Erfahrung, die ich in diesem Jahr gemacht habe, der Nähe meiner Einsatzstelle zu meinem Zuhause zu verdanken.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  21.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
21.08.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Klostergefühl

Seit zwei Wochen haben wir nun schon kein Internet mehr. Leider werden noch zwei weitere folgen. Das macht dann also insgesamt einen Monat. An sich ist das ja erst mal nicht schlimm, es behauptet sowieso alle Welt, dass wir viel zu abhängig sind von unserer virtuellen Welt. Außerdem ist es wahr, dass man auf einmal deutlich mehr Zeit hat und vergessen geglaubte Dinge, wie ein klassisches Stück am Klavier spielen, oder das schlichte Lesen eines dicken Romans, auf einmal wieder aufnimmt.

Trotzdem macht fehlendes Internet Probleme, wenn man gerade eigentlich zwei Online-Kurse macht, auf Wohnungssuche ist, skypen will, sich bei einer Uni einschreiben muss und einen Blog schreibt. Außerdem fällt der zugegeben nicht selbstverständliche Luxus weg, sich wann auch immer mit Freund und Familie sogar per Video unterhalten zu können, ohne sich einen Kopf über horrende Telefonrechnungen machen zu müssen.

Immerhin kann ich im Innenhof des Gebäudes immer noch das W-Lan der Klosterschwestern abgreifen. Ich bin also eigentlich gar nicht richtig vom Netz getrennt. Mühselig ist es allerdings trotzdem, jedes Mal auf die andere Seite des Hauses zu rennen und dann keinen Schreibtisch, sondern nur eine Parkbank zum Arbeiten zu haben. Und das auch nur so lange, wie es die Akku-Leistung zulässt. Und nicht nach halb zehn: Da herrscht Nachtruhe! Deshalb hat meine Motivation für den Mathe-Online-Kurs wohl auch etwas gelitten.

Irgendwie macht diese ganze Geschichte das Klosterleben auch ein Stück authentischer. Und man kann mit gutem Gewissen länger schlafen, weil man sich seinen Pflichten sowieso nicht vernünftig widmen kann.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  13.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
13.08.2015