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Freiwilligendienst im Ausland

Klostergefühl

Seit zwei Wochen haben wir nun schon kein Internet mehr. Leider werden noch zwei weitere folgen. Das macht dann also insgesamt einen Monat. An sich ist das ja erst mal nicht schlimm, es behauptet sowieso alle Welt, dass wir viel zu abhängig sind von unserer virtuellen Welt. Außerdem ist es wahr, dass man auf einmal deutlich mehr Zeit hat und vergessen geglaubte Dinge, wie ein klassisches Stück am Klavier spielen, oder das schlichte Lesen eines dicken Romans, auf einmal wieder aufnimmt.

Trotzdem macht fehlendes Internet Probleme, wenn man gerade eigentlich zwei Online-Kurse macht, auf Wohnungssuche ist, skypen will, sich bei einer Uni einschreiben muss und einen Blog schreibt. Außerdem fällt der zugegeben nicht selbstverständliche Luxus weg, sich wann auch immer mit Freund und Familie sogar per Video unterhalten zu können, ohne sich einen Kopf über horrende Telefonrechnungen machen zu müssen.

Immerhin kann ich im Innenhof des Gebäudes immer noch das W-Lan der Klosterschwestern abgreifen. Ich bin also eigentlich gar nicht richtig vom Netz getrennt. Mühselig ist es allerdings trotzdem, jedes Mal auf die andere Seite des Hauses zu rennen und dann keinen Schreibtisch, sondern nur eine Parkbank zum Arbeiten zu haben. Und das auch nur so lange, wie es die Akku-Leistung zulässt. Und nicht nach halb zehn: Da herrscht Nachtruhe! Deshalb hat meine Motivation für den Mathe-Online-Kurs wohl auch etwas gelitten.

Irgendwie macht diese ganze Geschichte das Klosterleben auch ein Stück authentischer. Und man kann mit gutem Gewissen länger schlafen, weil man sich seinen Pflichten sowieso nicht vernünftig widmen kann.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  13.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
13.08.2015

Mein Freiwilliges Jahr

Skyline auf Elsässisch

Heute möchte ich Euch einen kurzen Einblick in das Landschaftsbild des Elsass geben. Denn gerade im Sommer macht ein bestimmter Wettbewerb zwischen den Dörfern und Städten etwas Besonderes aus der Region.

Im Elsass ist es so, dass jede Gemeinde und jede Stadt „Blumenpunkte“ beantragen kann. Sie bekommt dann zwischen einem und vier Punkten, genauso viele wie sie es sich mit ihrem Stadtbild verdient. Das heißt also: Je gepflegter und mit Blumen geschmückter eine Stadt ist, desto mehr Punkte bekommt sie zugesprochen. Einmal erhalten, werden die Punkte in Form von kleinen roten Blümchen am Ortseingang auf Schilder gedruckt, die direkt unter dem Ortsschild hängen, sodass sie für jedermann sichtbar sind. Diese kleine Regelung führt dazu, dass jede Gemeinde mehr Blümchen haben möchte als die Nachbargemeinde, und sich deshalb unglaubliche Mühe mit ihrem Stadtbild gibt. Ich habe das Glück, in einem Dorf mit drei von vier Punkten gelandet zu sein und so freue mich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit, der mich quasi direkt über den Zentralen Marktplatz führt, über die wunderschönen Blumen, die beleuchteten Brunnen und die Sauberkeit. Gerade im Sommer ist das Ganze natürlich ein sehr dankbarer Wettbewerb, weil man viel Spielraum und Möglichkeiten zur Gestaltung hat. Doch selbst im Winter sind die Pflanzenkübel, die die Straßen säumen, mit buntem Kohl bepflanzt und die Rasenflächen im Park auf englische Art gepflegt.

Darüber hinaus liegt das Elsass im Rheingraben, fast gänzlich umschlossen von zwei Gebirgszügen: den Vogesen auf der französischen Seite und dem Schwarzwald auf der deutschen Seite. Die beiden liegen so eng beieinander, dass man den Schwarzwald von meinem kleinen Dorf am Fuß der Nordvogesen aus fast immer sehen kann. Diese Tatsache führt in dem sonst so flachen Rheinland zum einen ganz pragmatisch dazu, dass man sich fast immer orientieren kann, egal wo man ist; und zum anderen bietet es eine wunderschöne Kulisse. Selbst wenn man über die eigentlich unschöne Autobahn nach Norden fährt, sieht man westlich die mit fantastisch erhaltenen Mittelalterburgen gespickten Vogesen, östliche die beeindruckend nahe Skyline des Schwarzwaldes und nördlich das weithin sichtbare Straßburger Münster. Ein wirklich beeindruckendes Bild, das noch an Charme gewinnt, wenn man die Autobahn verlässt und auf den kleinen Straßen der vorgelagerten Hügel der Vogesen durch die unzähligen Weinorte fährt

– selbstverständlich alle mit ausreichend Blümchenpunkten.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  07.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
07.08.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Was danach passierte

An den Tagen, die auf das Attentat auf die Mitarbeiter der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ folgten wurde ich überall und ständig mit Neuigkeiten rund um den Anschlag konfrontiert. Über die Täterflucht und den Polizeieinsatz sowie den finalen Showdown in der Lagerhalle, die den Tätern als Versteck diente, informierte ich mich im Fernsehen und im Internet. Im ganzen Land fanden Demos statt. Besonders beeindruckend fand ich die Veranstaltung in Paris mit eineinhalb Millionen Menschen inklusive 50 hochrangiger, internationaler Politiker. Auch in Deutschland fand eine Mahnwache am Brandenburger Tor statt. Selbst in dem kleinen Örtchen, in dem ich mein FSJ mache, versammelten sich gefühlt mehr Menschen als Einwohner zur Schweigeminute.

Der Anschlag führte zu einer unvergleichlichen internationalen Solidarität, die ich so noch nie erlebt habe. Und ich habe den Eindruck, dass sich ganz Frankreich auf seine Grundwerte zurückbesinnt: Der Zusammenhalt und die Brüderlichkeit, die in diesen Tagen von so vielen Menschen demonstriert wurde, ist bei weitem die stärkste Solidaritätsbekundung, die ich je bewusst erleben durfte.

Und dann kam die ganze Geschichte noch näher an mich heran: Meine Chefin im Altenheim stammt aus dem Ort, in dem sich die Attentäter versteckten und in dem daraufhin ein absoluter Ausnahmezustand herrschte. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich in Frankreich bin, aber dieser Anschlag beschäftigte mich auch noch Wochen danach sehr.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  30.07.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
30.07.2015