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Mein Freiwilliges Jahr

Skyline auf Elsässisch

Heute möchte ich Euch einen kurzen Einblick in das Landschaftsbild des Elsass geben. Denn gerade im Sommer macht ein bestimmter Wettbewerb zwischen den Dörfern und Städten etwas Besonderes aus der Region.

Im Elsass ist es so, dass jede Gemeinde und jede Stadt „Blumenpunkte“ beantragen kann. Sie bekommt dann zwischen einem und vier Punkten, genauso viele wie sie es sich mit ihrem Stadtbild verdient. Das heißt also: Je gepflegter und mit Blumen geschmückter eine Stadt ist, desto mehr Punkte bekommt sie zugesprochen. Einmal erhalten, werden die Punkte in Form von kleinen roten Blümchen am Ortseingang auf Schilder gedruckt, die direkt unter dem Ortsschild hängen, sodass sie für jedermann sichtbar sind. Diese kleine Regelung führt dazu, dass jede Gemeinde mehr Blümchen haben möchte als die Nachbargemeinde, und sich deshalb unglaubliche Mühe mit ihrem Stadtbild gibt. Ich habe das Glück, in einem Dorf mit drei von vier Punkten gelandet zu sein und so freue mich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit, der mich quasi direkt über den Zentralen Marktplatz führt, über die wunderschönen Blumen, die beleuchteten Brunnen und die Sauberkeit. Gerade im Sommer ist das Ganze natürlich ein sehr dankbarer Wettbewerb, weil man viel Spielraum und Möglichkeiten zur Gestaltung hat. Doch selbst im Winter sind die Pflanzenkübel, die die Straßen säumen, mit buntem Kohl bepflanzt und die Rasenflächen im Park auf englische Art gepflegt.

Darüber hinaus liegt das Elsass im Rheingraben, fast gänzlich umschlossen von zwei Gebirgszügen: den Vogesen auf der französischen Seite und dem Schwarzwald auf der deutschen Seite. Die beiden liegen so eng beieinander, dass man den Schwarzwald von meinem kleinen Dorf am Fuß der Nordvogesen aus fast immer sehen kann. Diese Tatsache führt in dem sonst so flachen Rheinland zum einen ganz pragmatisch dazu, dass man sich fast immer orientieren kann, egal wo man ist; und zum anderen bietet es eine wunderschöne Kulisse. Selbst wenn man über die eigentlich unschöne Autobahn nach Norden fährt, sieht man westlich die mit fantastisch erhaltenen Mittelalterburgen gespickten Vogesen, östliche die beeindruckend nahe Skyline des Schwarzwaldes und nördlich das weithin sichtbare Straßburger Münster. Ein wirklich beeindruckendes Bild, das noch an Charme gewinnt, wenn man die Autobahn verlässt und auf den kleinen Straßen der vorgelagerten Hügel der Vogesen durch die unzähligen Weinorte fährt

– selbstverständlich alle mit ausreichend Blümchenpunkten.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  07.08.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
07.08.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Was danach passierte

An den Tagen, die auf das Attentat auf die Mitarbeiter der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ folgten wurde ich überall und ständig mit Neuigkeiten rund um den Anschlag konfrontiert. Über die Täterflucht und den Polizeieinsatz sowie den finalen Showdown in der Lagerhalle, die den Tätern als Versteck diente, informierte ich mich im Fernsehen und im Internet. Im ganzen Land fanden Demos statt. Besonders beeindruckend fand ich die Veranstaltung in Paris mit eineinhalb Millionen Menschen inklusive 50 hochrangiger, internationaler Politiker. Auch in Deutschland fand eine Mahnwache am Brandenburger Tor statt. Selbst in dem kleinen Örtchen, in dem ich mein FSJ mache, versammelten sich gefühlt mehr Menschen als Einwohner zur Schweigeminute.

Der Anschlag führte zu einer unvergleichlichen internationalen Solidarität, die ich so noch nie erlebt habe. Und ich habe den Eindruck, dass sich ganz Frankreich auf seine Grundwerte zurückbesinnt: Der Zusammenhalt und die Brüderlichkeit, die in diesen Tagen von so vielen Menschen demonstriert wurde, ist bei weitem die stärkste Solidaritätsbekundung, die ich je bewusst erleben durfte.

Und dann kam die ganze Geschichte noch näher an mich heran: Meine Chefin im Altenheim stammt aus dem Ort, in dem sich die Attentäter versteckten und in dem daraufhin ein absoluter Ausnahmezustand herrschte. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich in Frankreich bin, aber dieser Anschlag beschäftigte mich auch noch Wochen danach sehr.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  30.07.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
30.07.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Zu spät begriffen

Vor einigen Tagen meldeten die Medien wieder einen islamistisch motivierten Anschlag in Frankreich. Die Explosion eines ganzen Gaswerks, in dem zu diesem Zeitpunkt eine Menge Menschen arbeiteten, konnte nur knapp verhindert werden. Diese Nachrichten und die darauf folgende Berichterstattung bringen mich dazu, noch einmal zu reflektieren, was vor fast genau einem halben Jahr in Paris passiert ist.

Es war der 7. Januar 2015. Wie üblich saßen meine beiden Kolleginnen und ich in der Mittagspause bei mir im Zimmer und wir unterhielten uns. Bevor es wieder losging, las ich noch schnell die Spiegel-Eilmeldungen vor: Eigentlich alles wie immer. Irgendwas mit Pegida und ein Attentat. Ich wusste also ziemlich schnell davon, hatte die Tragweite dieser Meldung aber noch nicht begriffen.

Erst am nächsten Tag, als ich mich in einer Hals über Kopf für das ganze Haus anberaumten Schweigeminute wiederfand und ein französischer Nachrichtensender jegliche andere Sendung zugunsten einer permanenten Live-Berichterstattung aus dem Programm strich, wurde mir klar, welch ein erschreckender Ignoranzprozess bei mir eingesetzt hatte. Denn obwohl ich die Meldung gelesen hatte, wurde ich nicht darauf aufmerksam, was eigentlich gerade passierte. Zu viele Nachrichten über Ereignisse, die ziemlich weit entfernt geschehen waren, führten bei mir dazu, die Meldung schlicht und einfach zu überlesen. Nicht einmal das Wort „Attentat“ ließ mich hochschrecken. Da sieht man mal wieder, wie teilnahmslos man wird, wenn man täglich mit so vielen schlechten Nachrichten konfrontiert wird. Und das erschreckt mich sehr!

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  16.07.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
16.07.2015