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Freiwilligendienst im Ausland

Was danach passierte

An den Tagen, die auf das Attentat auf die Mitarbeiter der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ folgten wurde ich überall und ständig mit Neuigkeiten rund um den Anschlag konfrontiert. Über die Täterflucht und den Polizeieinsatz sowie den finalen Showdown in der Lagerhalle, die den Tätern als Versteck diente, informierte ich mich im Fernsehen und im Internet. Im ganzen Land fanden Demos statt. Besonders beeindruckend fand ich die Veranstaltung in Paris mit eineinhalb Millionen Menschen inklusive 50 hochrangiger, internationaler Politiker. Auch in Deutschland fand eine Mahnwache am Brandenburger Tor statt. Selbst in dem kleinen Örtchen, in dem ich mein FSJ mache, versammelten sich gefühlt mehr Menschen als Einwohner zur Schweigeminute.

Der Anschlag führte zu einer unvergleichlichen internationalen Solidarität, die ich so noch nie erlebt habe. Und ich habe den Eindruck, dass sich ganz Frankreich auf seine Grundwerte zurückbesinnt: Der Zusammenhalt und die Brüderlichkeit, die in diesen Tagen von so vielen Menschen demonstriert wurde, ist bei weitem die stärkste Solidaritätsbekundung, die ich je bewusst erleben durfte.

Und dann kam die ganze Geschichte noch näher an mich heran: Meine Chefin im Altenheim stammt aus dem Ort, in dem sich die Attentäter versteckten und in dem daraufhin ein absoluter Ausnahmezustand herrschte. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich in Frankreich bin, aber dieser Anschlag beschäftigte mich auch noch Wochen danach sehr.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  30.07.2015
Autor: Katha
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30.07.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Zu spät begriffen

Vor einigen Tagen meldeten die Medien wieder einen islamistisch motivierten Anschlag in Frankreich. Die Explosion eines ganzen Gaswerks, in dem zu diesem Zeitpunkt eine Menge Menschen arbeiteten, konnte nur knapp verhindert werden. Diese Nachrichten und die darauf folgende Berichterstattung bringen mich dazu, noch einmal zu reflektieren, was vor fast genau einem halben Jahr in Paris passiert ist.

Es war der 7. Januar 2015. Wie üblich saßen meine beiden Kolleginnen und ich in der Mittagspause bei mir im Zimmer und wir unterhielten uns. Bevor es wieder losging, las ich noch schnell die Spiegel-Eilmeldungen vor: Eigentlich alles wie immer. Irgendwas mit Pegida und ein Attentat. Ich wusste also ziemlich schnell davon, hatte die Tragweite dieser Meldung aber noch nicht begriffen.

Erst am nächsten Tag, als ich mich in einer Hals über Kopf für das ganze Haus anberaumten Schweigeminute wiederfand und ein französischer Nachrichtensender jegliche andere Sendung zugunsten einer permanenten Live-Berichterstattung aus dem Programm strich, wurde mir klar, welch ein erschreckender Ignoranzprozess bei mir eingesetzt hatte. Denn obwohl ich die Meldung gelesen hatte, wurde ich nicht darauf aufmerksam, was eigentlich gerade passierte. Zu viele Nachrichten über Ereignisse, die ziemlich weit entfernt geschehen waren, führten bei mir dazu, die Meldung schlicht und einfach zu überlesen. Nicht einmal das Wort „Attentat“ ließ mich hochschrecken. Da sieht man mal wieder, wie teilnahmslos man wird, wenn man täglich mit so vielen schlechten Nachrichten konfrontiert wird. Und das erschreckt mich sehr!

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  16.07.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
16.07.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Hitzehysterie

Wie in Deutschland spült letzte Woche auch in Frankreich die erste wirkliche Hitzewelle pünktlich zu Beginn der Sommerferien jegliche Motivation, ein bisschen Sport zu treiben, mühelos weg. Das einzige Gesprächsthema beim gemeinsamen Essen im Innenhof scheint das Schwimmbad zu sein und von allen Enden und Ecken tönt es: „Denkt daran, genug zu trinken!“ Eine gewisse Achtsamkeit am Arbeitsplatz Altenheim ist jedenfalls angebracht, weil alte Menschen bei diesen Temperaturen natürlich etwas empfindlicher reagieren als der kerngesunde Max Mustermann. Wer nicht ständig daran erinnert wird, vergisst manchmal ganztägig, etwas zu trinken. Hüte und Sonnencreme liegen für die Senioren in teilweise längst verdrängter Vergangenheit und das durch ständiges Sitzen sowieso etwas gestörte Temperaturempfinden lässt den einen oder anderen bei 30 Grad verlauten, ihm sei kalt. Deshalb ist vernünftigerweise das gesamte Personal dazu angewiesen, den Rentnern bei jeder Gelegenheit etwas zu trinken in die Hand zu drücken. Eine vierseitige Lektüre sollte uns zudem auf den Ernstfall vorbereiten und an jeder freien Wandfläche hängen bunte Hinweisschilder, wo es etwas zu trinken gibt. Es herrscht also in etwa so ein Ausnahmezustand wie bei den Grippewellen im Winter.

Als Bewohnerin des Dachgeschosses kann ich dieses Aufsehen ziemlich gut verstehen. Das ehemalige Klostergebäude stammt aus einer Zeit, in der man von der Isolierkunst deutlich weniger verstand als heute, und ist außerdem teilweise mit nicht zu öffnenden Fenstern ausgestattet. Darüber hinaus lassen sich mein Dachfenster und das Gaubenfenster nicht verdunkeln, sodass es tagsüber unglaublich warm wird. An Schlaf ist vor Mitternacht überhaupt nicht zu denken und spätestens morgens um 5 Uhr wird man von der strahlenden Sonne geweckt. Eine einfache Lösung finden meine Zimmernachbarin/Freiwilligenkollegin und ich aber schnell: Nachts schlagen wir kurzerhand im Gemeinschaftsaal der Ordensschwestern im Erdgeschoss unser Lager auf. So erschrickt sich nur die Nachtschwester ein wenig, als sie im Dunkeln auf die am Boden liegenden Gestalten trifft.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  10.07.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
10.07.2015