Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Freiwilligendienst im Ausland

Flugzeugabsturz im Gemeinschaftssaal

Auslöser für eine annähernd so absurde Geschichte wie letzte Woche war heute eine Reportage über den Flugzeugabsturz über den französischen Alpen vor etwa drei Monaten.

Eine Reportage, der ich anfangs relativ wenig Beachtung schenke, schließlich ist man erst kürzlich fast ausschließlich mit diesem Thema konfrontiert worden und kennt gefühlt jede Aufzeichnungen des Flugschreibers. Dieses Empfinden teile ich aber offenbar nur mit mir alleine, stelle ich fest. Man bedenke, dass die meisten anwesenden alten Damen sich schon nicht merken konnten, was es zum Mittag gab. Wie sollen sie dann verstehen, dass es sich bei dieser Reportage lediglich um eine Aufarbeitung der Geschehnisse von vor drei Monaten handelt?

Als Resultat ist die Allgemeinheit also wieder genauso betroffen wie noch im März. Etwas weniger vielleicht – die Berichterstattung ist nicht ganz so dramatisch aufbereitet. Trotzdem habe ich all Mühe damit, einer Oma auszureden, unbedingt und sofort zum Flughafen zu wollen. Auf die vorsichtige Frage, was sie denn da wolle, erwidert sie eher angsteinflößend als erklärend: „Mein Bruder ist gestorben, finden Sie das gut!?“ Ich versuche zu ergründen, warum genau ihr Bruder am Flughafen gestorben sein sollte. Als könnte sie Gedanken lesen, kommt sie mir allerdings zuvor und erklärt: „Mein Bruder war in dem Flugzeug“. Damit bleiben mir zwei Möglichkeiten. Zum einen kann ich versuchen ihr zu erklären, dass sich der Absturz vor längerer Zeit ereignet hat, ihr Bruder nicht in dem Flugzeug saß, und dieses schon gar nicht direkt am Flughafen abgestürzt ist ... oder ich behelfe mir mit einer kleinen Notlüge. „Madame, alles ist gut, wir konnten Ihren Bruder erreichen, er ist nicht abgestürzt“, höre ich mich da auch schon intuitiv sagen. Einen Moment später bin ich froh, dass ich mich nicht in langwierige Erklärungen verstrickt habe. Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen.

Aber nur kurz. Denn inzwischen kenne ich meine lieben Alten. Und deshalb weiß ich auch ziemlich genau, wer die Wahrheit versteht und nur kurz an die Realität erinnert werden muss – und wer andererseits manchmal in seiner eigenen Welt unterwegs ist. In diesem Fall kann man wohl nur versuchen, die Situation in dieser dem Menschen eigenen Welt zu lösen.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  15.06.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
15.06.2015

Freiwilligendienst im Ausland

In meinem Keller liegt ne Leiche ...

„… wie werde ich sie los / hat da jemand einen Plan?“ Dieser Song von SDP und Sido spukt mir oft im Kopf herum und lässt mich oft tagelang nicht los. Seit einer Woche erscheint mir der Weg vom Song zur Realität gar nicht mehr so weit: Etwas zu optimistisch spaziere ich morgens um viertel vor sieben zum Joggen aus dem Haus. Die typische Motivationsmusik auf den Ohren mache ich zwei schwungvolle Schritte in die klare Luft hinaus. Auf der anderen Seite der ins Schloss fallenden Tür bemerke ich meine etwas zu voreilige Zuversicht – Schlüssel vergessen. Zu spät. Die Tür ist zu. Egal, denke ich, ich bin eh zu spät dran. Wenn ich mit der Runde fertig bin, müsste schon jemand am Empfang sitzen. Eine gute halbe Stunde später stelle ich ernüchtert fest, dass ich mit dieser Einschätzung falsch lag. In dem Moment ist aber auch das nicht weiter tragisch, strahlt die Sonne doch mit einer für die Jahreszeit ungewöhnlichen Kraft vom Himmel. Ich setze mich also auf die Stufen vor dem Eingang und warte. Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass der vor der Kreuzung etwas unentschlossen herumeiernde Mercedesfahrer beim nächstbesten Passanten seine Hilflosigkeit zum Ausdruck bringen wird. Als mir klar wird, dass der nächstbeste Passant ich bin, lässt der schon etwas angegraute Mann bereits sein Fenster herunter.

„Guten Tag. Wissen sie, ob die Krankenpfleger schon da sind?“ Natürlich sind hier schon Pfleger da. Das ist ein Altenheim. Da werden die Leute nicht ihrem Schicksal überlassen, nur weil es Nacht ist, denke ich. Mein offenbar verständnisloser Blick lässt ihn noch hinzufügen: „Ich brauche einen Krankenpfleger. Ich weiß nicht, was ich machen soll!“ Beruhigend versichere ich ihm, dass ich jemanden rufen kann, was ich auch sofort tue. Kurze Zeit später steht der auch schon in der Tür.

Als der Mann dann sein Problem darlegt, bekomme ich leider nur die Hälfte mit, weil ich größtenteils damit beschäftigt bin, mich zu fragen, ob ich das Ganze gerade tatsächlich richtig verstehe. Der Mann erzählt, er hätte zu Hause eine tote Verwandte und wüsste jetzt nicht so ganz genau, was man da machen sollte. So makaber diese Geschichte auch klingt, der Mann wirkte gefasst und nicht verzweifelt. Er war einfach nur ratlos. Der Pfleger alarmierte einen Arzt und der Mann trat beruhigt seinen Rückweg an.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  05.06.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
05.06.2015

Freiwilligendienst im Ausland

Abenteuer Englisch im Elsass (Teil 2)

Eigentlich bin ich froh, den verloren geglaubten Brief mit der PIN für mein Bankkonto nicht früher gefunden zu haben. So habe ich nämlich zumindest einen kleinen Schritt aus meiner Komfortzone heraus machen müssen und obendrein eine interessante Erfahrung gemacht. Denn ich lerne daraus: Am Ende kann man sich schon irgendwie verständigen. Und sei es in einem bunten Mix aus Sprachen, von denen man höchstens eine richtig beherrscht. Gerade im Altenheim mache ich die Erfahrung, dass es nicht immer die gemeinhin geläufige Weltsprache Englisch braucht, um sich klar zu machen. Denn von meinen lieben Alten spricht kaum jemand die Sprache des ehemaligen Alliierten. Hier wird man eher in einwandfreiem Deutsch zugetextet. Und ich muss die Anglizismen aus der Zeitung übersetzen.

Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass in allen drei Sprachen (Französisch, Englisch und Deutsch) nichts mehr geht, bleibt ja immer noch der „französische Dialekt“ Elsässisch. Obwohl dieser Dialekt in meinen Augen weder Französisch noch Dialekt ist, sondern eine völlig eigene Sprache, die (wenn überhaupt) eher dem Deutschen zuzuordnen ist. Denn wohingegen ich meine Senioren inzwischen fast immer verstehe, steht meine französische Kollegin oft mit großen Augen vor ihren Landsleuten und muss erklären: „Tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden. Ich spreche kein Elsässisch.“

In diesem Sinne: Salü, Tschüss, Salut und Bye!

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  29.05.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
29.05.2015