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Freiwilligendienst im Ausland

Gleich weiter nach Weimar

Wieder zu Hause anzukommen, nachdem man neun Monate auf einem anderen Kontinent mit anderer Sprache und Kultur gelebt hat, ist gar nicht so einfach. Klar habe ich mich sehr gefreut meine Eltern wiederzusehen und auch die paar wenigen Freunde, die noch in Nürnberg wohnen. Aber wenn es ungefähr null Grad hat, Schnee liegt und auch ansonsten alles grau in grau ist, wird man schon ein bisschen traurig, den Sonnenschein Mexikos hinter sich gelassen zu haben.

Die ersten Tage kam mir hier alles so still und tot vor. In Mexiko oder zumindest in Mexiko-Stadt ist es nie still, man hört immer Musik, Verkehr oder Leute, die sich unterhalten. Die Menschen sind auch bunter angezogen und haben eher mal ein Lächeln auf den Lippen.

Allerdings muss ich zur Verteidigung Deutschlands sagen, dass auch hier vor ein paar Tagen die Sonne geschienen hat und die Leute gleich viel farben- und generell froher rumgelaufen sind. Spontan wurde man von dem einen oder anderen sogar gegrüßt.

Zu Beginn fand ich es bei uns zu Hause so still und einsam, und ich war es auch gar nicht mehr gewöhnt, nur an einem Ort zu sein (die letzten Monate hatte ich ja alle paar Wochen bzw. Tage den Ort gewechselt). Deswegen, und auch weil ich eine meiner besten Freundinnen unbedingt wieder sehen wollte, bin ich gleich am ersten Wochenende nach meiner Rückkehr nach Weimar gefahren.

Meine Freundin studiert dort Urbanistik und wohnt in einer ganz wunderbaren Dreier-WG. Dort sind wir stundenlang im Wintergarten gesessen und haben alleine oder mit einer ihrer Mitbewohnerinnen gequatscht. Außerdem hat sie mir natürlich die Stadt gezeigt. Weimar ist ja wunderschön! Die historische Altstadt mit dem Goethe-Schiller-Denkmal, der Ilmpark mit Goethes Gartenhaus... Schon interessant, mal zu sehen, wo sich die großen Klassiker, mit denen man in der Schulzeit so geplagt wird, aufgehalten haben.

Am letzten Tag haben wir noch an einem Bauhausspaziergang teilgenommen. Dieser war auch recht informativ. Wir haben einiges über die Entstehungsgeschichte des Bauhaus‘ gelernt und konnten die Gebäude von z.B. Henry van de Velde mit ein bisschen mehr Hintergrundwissen anschauen.

Natürlich waren wir auch auf Studentenpartys und das hat mir wieder ein bisschen mehr Lust aufs Studieren gemacht. Ich hatte also eine ganz wunderbare Zeit in Weimar und zusammen mit dem besseren Wetter bin ich inzwischen wieder mit Deutschland versöhnt und habe nicht das Gefühl, dass ich sofort wieder nach Mexiko zurück will.

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  23.04.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
23.04.2013

Freiwilligendienst im Ausland

Hasta luego, Mexiko City!

Erst habe ich mich gefragt, ob ich den Blog „Adios (tschüß) Mexiko City“ nennen soll, aber dann dachte ich mir „hasta luego“ (bis demnächst) trifft es besser. Vor einer Woche bin ich nämlich aus meiner neuen Heimatstadt auf Zeit zurück nach Deutschland geflogen. Der Abschied war hart, aber es lässt sich doch besser aushalten, wenn man davon ausgeht, bald zurückzukommen.

Obwohl ich ein knappes halber Jahr in Mexiko-Stadt gewohnt habe, konnte ich bei einem Zwischenstopp nach meiner zweimonatigen Reise immer noch viel entdecken: Ich war beispielsweise mit Freunden in Ixtapalapa, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt, der für eine ganz besondere Osterprozession bekannt ist. Es war angekündigt, dass drei Millionen Menschen hier sein würden. Wir hatten aber das Gefühl, dass zwei Nullen zu viel angehängt worden waren. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Mühe sich hier an Ostern gegeben wird, den Leidensweg Christi nachzuspielen. Die Prozession zieht fast die gesamte Osterwoche durch den Stadtteil. Als wir dort waren, haben wir die Episode gesehen, in der Jesus zum Tode verurteilt wird.

Eine weitere Entdeckung war für mich der „Mercado de Sonora“, auch als Hexenmarkt bezeichnet. Diesen wollte ich schon die ganze Zeit mal besuchen, bin aber aus unerfindlichen Gründen nie dazu gekommen. Man arbeitet sich durch die Gemüseabteilung und den Papierdekorations- und Plastikblumenteil vor zum Tiermarkt. Wenn dieser erfolgreich durchquert und auch die Holzlöffel- und Schnitzereiwarenstraße passiert sind, kommt man am eigentlichen Hexenmarkt raus. War es die ganze Zeit davor extrem laut und haben alle wild durcheinander geschrien, ist es jetzt auf einmal recht ruhig. Alle sprechen leise oder flüstern. Man hört nur ein seltsames Schaben und Quieken und irgendwelche komischen Gesänge von CDs, die zum Verkauf angeboten werden. Hier bekommt man alles, was man als private Hexe braucht: asiatisches und blondes Frauenhaar, Schädel, Kräuter und Samen aller Art, Hufeisen, Handschellen, Schlangenhaut, Heiligenstatuen, Trommeln, Harze und Rinden, Frösche und Ratten… Ich kam mir vor wie in einem Museum. Ich habe Zitronengras und Kardamom für einen Tee gekauft, aber eigentlich nur, um mir die Stände ein bisschen genauer anschauen zu können. Sogleich wurde ich gefragt, wofür ich die beiden Zutaten brauchen würde. Die Verkäuferin wollte wissen, gegen oder für was dieser Tee denn sei. Nur zum trinken und weil er lecker ist, gab ich zurück. Ich bin schließlich keine Hexe!

Diese netten Entdeckungen, die ich zusammen mit meinen mexikanischen Freunden gemacht habe, haben mir den Abschied nicht gerade leicht gemacht. Aber ich weiß ja: eines Tages werde ich zurückkehren. Hasta luego!

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  15.04.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
15.04.2013

Freiwilligendienst im Ausland

Letzte Reisetage

Ich kann es gar nicht glauben! Mir kam die Zeit in Amerika immer so unendlich lange vor. Ich hatte überhaupt keinen Überblick mehr, wie lange ich bereits in Mexiko, den USA, Kuba und Guatemala gewesen war und wie viel Zeit mir noch blieb. Und zack, auf einmal waren es nur noch zehn Tage! Der Tag meines Rückflugs rückt also in Riesenschritten näher!
Wir, also meine Freundinn und ich, sind gerade in Tilapita. Das ist eine Insel vor der Pazifikküste von Guatemala und hier ist absolut nichts los. Wir sind die einzigen Touristen weit und breit. Es gibt ein paar Insulaner und viele Schweinchen. Ich glaube, das ist der einzige Strand auf der Welt, an dem es mehr Schweine als Touristen gibt!

Die Natur ist wunderbar. Die Insel ist auf der Flussseite von Mangrovenwäldern bewachsen und auch die Strandseite lässt nicht zu wünschen übrig. Ein riesiger, menschenleerer schwarzer Strand erstreckt sich so weit das Auge reicht. Die Wellen brausen und die Vögel kreisen über den Himmel. Der ideale Ort um abzuschalten und zu entspannen.
Man muss es sich aber auch erst mal verdienen, hierher zu kommen. Für die 100 Kilometer von Xela haben wir rund sieben Stunden gebraucht! In Guatemala gibt es im Gegenzatz zu Mexiko nämlich kaum Fernstrecken- und Nachtbusse. Wenn man also nicht in Touristenbussen fahren will, fährt man alle Strecken mit dem öffentlichen Nahverkehr. Das bedeutet: viel umsteigen und extrem langsam vorankommen. Die meisten unserer Gefährte waren sogenannte Chickenbusse (der Name, weil dort alles, unter anderem auch Hühner, transportiert wird). Es handelt sich um riesige, bunt bemalte Busse, die mit einem Affenzahn über die schlechten Straßen düsen.

Als wir das erste Mal mit einem dieser Busse gefahren sind, haben wir uns ganz optimistisch einen Kaffee im Becher mitgenommen und uns schon beim Einsteigen gewundert, warum die Sitzbänke so breit sind, dass man kaum durch den Mittelgang passt. So können zwar drei Leute auf jeder Bank sitzen, aber keiner kann mehr im Gang stehen, was ja dem lateinamerikanischen System der Überfüllung komplett widerspricht. Sobald der Bus aber auf eine Serpentinenstraße fuhr, fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Die Leute sitzen zu zwei mal drei in einer Reihe und schließen so die kleine Lücke des Ganges und zwar aus dem einfachen Grund, dass man ansonsten überhaupt keine Chance hat, irgendwie auf seinem Platz zu bleiben. Dann lernten wir auch, dass man in einem solchen Bus keinen Kaffee trinkt. Mit der Zeit sind wir routiniertere Chickenbusfahrer geworden. Aber die Angst, dass unsere Rucksäcke, die immer auf dem Dach mitfahren, in einer Kurve mal über Bord gehen, sind wir nie losgeworden.

 

Autor: Maja  |  Rubrik: orientieren  |  03.04.2013
Autor: Maja
Rubrik: orientieren
03.04.2013