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Freiwilligendienst im Ausland

Die Auto-Frage

Wie wollten wir eigentlich durch Neuseeland reisen? Gute Frage, nächste Frage. War es in Deutschland noch sonnenklar erschienen, dass wir uns ein Auto kaufen, überkamen uns vor Ort Zweifel. Wir hörten schlimme Geschichten von betrogenen Autokäufern oder Leuten, die am Ende heimreisen mussten, ohne das Auto verkauft zu haben.

Als Alternative boten sich die Backpacker-Busse an, die auf festgelegten Routen durchs Land fahren. Wir konnten uns nicht entscheiden und buchten zuerst einmal den „Overlander“, einen „Bummelzug“, der von Auckland (im Norden der Nordinsel), vorbei an schneebedeckten Bergen, bis ans untere Ende der Nordinsel fährt: in die Hauptstadt Wellington.

Wellington trägt den Beinamen „windy Welly“ und ist gar nicht so, wie wir uns eine Großstadt vorstellen. Die Stadt liegt direkt am Meer, die Leute sind entspannt und überall sind Berge. An guten Tagen kann man sogar bis zur Südinsel sehen, die man mittels einer Fähre innerhalb von drei Stunden erreicht.

Meine Mitreisende Elena hat Verwandtschaft in Wellington und wie es der Zufall so wollte, war der Schwiegervater ihrer Cousine Autohändler und beschaffte uns ein von ihm geprüftes Auto für 1.200 Euro, das wir vor der Heimreise wieder abgeben und von ihm verkaufen lassen durften. Wenn das kein Glück war!

Nur ein einziges Mal haderten wir mit dem Schicksal, nämlich als wir unbedingt weiter in einem Hostel in Christchurch arbeiten wollten, dann aber gehen mussten, weil es keine Arbeit mehr für uns gab. Vier Tage später passierte das Erdbeben, bei dem viele Menschen starben und auch unser Hostel zusammenstürzte. Vielleicht waren es die vielen positiven Gedanken der Daheimgebliebenen, ein Schutzengel oder einfach Glück. Jedenfalls ging immer alles gut aus, wir waren privilegiert in unseren Erfahrungen und unendlich reich an Begegnungen mit tollen Menschen.

Autor: Miriam  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  06.09.2011
Autor: Miriam
Rubrik: auszeit nach dem abi
06.09.2011

Freiwilligendienst im Ausland

Faszination Fahrrad: Von Bratislava nach Belgrad III

Ich hatte als einzige keinen Reisepass und auch noch nie in meinem Leben einen benötigt. Auf der Seite des Auswärtigen Amts stand Schwarz auf Weiß geschrieben, dass mein Personalausweis für die Einreise nach Serbien und Kroatien ausreichen würde, Erfahrungsberichte besagten aber, dass gerade in Serbien Grenzbeamte aus Lust und Laune lieber den Reisepass sehen.

Ein wenig eifersüchtig schielte ich auf die frischen Stempel meiner Mitradler, die ihre Pässe rasch zuklappten und sich auf ihre Räder schwangen. Dem Erstaunen des Grenzers über 14 Radler, die munter durch Europa fuhren, war es zu verdanken, dass ich neben dem „okay“ nicht nur meinen Perso, sondern auch ein Blatt Papier mit serbischem Stempel zurückbekam. Wie ein Schneekönig freute ich mich über meinen ersten improvisierten Einreisestempel und fast noch mehr darüber, nach acht Tagen endlich im Zielland angekommen zu sein!

Tatsächlich war die Ankunft in Belgrad überwältigend. Wir hatten knapp 800 Kilometer geschafft, keiner hatte aufgegeben, wir hatten uns durch Regen, Wind, Hitze, über Berge, Landstraßen, Schotter und sogar Schnellstraßen gekämpft, und waren endlich am Ziel. Im Park traten unsere Cellisten ein letztes Mal auf, unter freiem Himmel, die Sterne lachten auf uns herab und ein jeder war zu Recht stolz auf sich. Wir strahlten eine besondere Stimmung aus, der Moment zählte, wir waren hier und nirgendwo anders, endlich, nach tagelangen Strapazen dort angekommen, wo wir hinwollten, und mancher war zu Tränen gerührt. Es war der schönste Abend der ganzen Tour.

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  29.08.2011
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
29.08.2011

Freiwilligendienst im Ausland

Auf der Harmony-Farm

Unsere erste WWOOFing-Farm sollte sich gleichzeitig als die schlimmste herausstellen. Nachdem ich die ersten Eindrücke auf der Farm gesammelt hatte und mir klar wurde, wo wir gelandet waren, konnte ich nur noch lachen. Sollte ich wirklich in einem unverschließbaren Schuppen mit durchgebrochenen Betten schlafen? War es nicht eigentlich Teil des Deals, Essen zu bekommen? Hatte ich tatsächlich die Anweisung erhalten die Tische mit dem gleichen Lappen wie die Klos zu putzen?

Die Anlage liegt in Albany bei Auckland und will ein Wellpark sein, in dem sich Leute erholen und meditieren können. So fanden wir uns eines Abends auf einer „New-Moon-Ceremony“ wieder. Ob wir die Harmonie und grenzenlose Liebe spüren konnten? – Klar, oder würde ich sonst harmonisch mit gefühlten tausend Spinnen in einem Schuppen hausen?

Vom WWOOF-Prinzip „ökologisch landwirtschaften“ und „Land und Leute kennen lernen“ bekamen wir nur wenig mit. Man traf uns morgens, um uns entweder zur Kloputzschicht oder zum Müllschleppen einzuteilen. Wir durften nicht die gleiche Küche wie die Besitzer benutzen, sondern mussten in einem Kellerloch essen.

Allerdings trafen wir dort auch andere WWOOFer, mit denen wir dann doch sehr viel Spaß hatten. Paradoxerweise waren wir alle Meinung, eine tolle Zeit gehabt zu haben. Und: Wir lernten, dass sich alles, was auf den ersten Blick schlecht erscheint, zum Guten wenden kann.

Autor: Miriam  |  Rubrik: orientieren  |  25.08.2011
Autor: Miriam
Rubrik: orientieren
25.08.2011