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Freiwilligendienst im Ausland

Eine Stunde Nicaragua

Als ich am Mittwochmorgen das Gymnasium betrat, war ich leicht aufgeregt. Mir war gesagt worden, dass ich die Unterrichtsstunde auf Spanisch halten, aber sehr langsam und deutlich sprechen sollte, da es durchaus einige gab, die Spanisch noch nicht so gut verstanden. „Ach ja, und mach dir keine Gedanken, wenn teilweise nur wenig Reaktion von den Schülern kommt, “ sagte die Lehrerin zu mir. „Einige von denen sind ganz schöne Schlafmützen.“ Schnell begriff ich, was sie gemeint hatte. Bereits als ich das Klassenzimmer betrat, lagen die Schüler mehr oder weniger lustlos auf den Bänken, und als ich mit dem Vortrag begann, blickten mich zunächst nur verschlafene, desinteressierte Gesichter an. Doch nach und nach kam Regung in die Runde. Als ich über die Parties der nicaraguanischen Jugendlichen sprach, tauchten die ersten Fragen auf. Aber auch die ganz anderen Lebensbedingungen, unter denen die meisten Kinder dort aufwachsen, interessierten sie, und als sie hörten, dass meine Gastschwester mit 14 schwanger wurde und es in Nicaragua durchaus normal ist, dass Jugendliche mit 17 oder 18 Jahren bereits zwei bis drei Kinder haben, wurde ich geradezu mit Fragen bombardiert. Als es zur Pause läutete, gab es immer noch so viele Fragen, dass wir vereinbarten, dass ich in der darauffolgenden Woche eine weitere Unterrichtsstunde übernehmen würde.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  05.07.2011
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
05.07.2011

Freiwilligendienst im Ausland

Das SEK stürmt die Schule

Drei schwarzgekleidete Männer in Kampfanzügen stürmten schwerbewaffnet an mir vorbei dir Treppe hinauf. Es war Freitagmorgen, 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn, gerade hatte ich nichtsahnend die Schule betreten. Auf ihren Rücken leuchteten mir in knalligem Orange die Lettern POLICIE entgegen. Ich erstarrte. Dann spurtete ich den Polizisten hinterher gen Lehrerzimmer. Hinter mir polterte es. Es war der kleine Honza aus der 2b. „Was ist los?!“, fragte er erschrocken. Ich hielt inne, fasste ihn an beide Schultern und sagte ruhig aber bestimmt: „Hans, es ist jetzt ganz wichtig, dass du in deiner Klasse bleibst und wartest bis die Lehrerin kommt, verstehst du?!“ Hoffentlich hörte er mein Herzrasen nicht. Er verschwand. Gott sei Dank. Ich sauste am Sekretariat vorbei, dort schnappte ich die Worte „Junge …oben …Polizei, schnell!“ auf. Etwas war außer Kontrolle geraten, aber was? Am Treppenabsatz in den dritten Stock kam mir Honzas Lehrerin entgegen: Don’t go up! There is …“ Der Rest ging in einem ohrenbetäubenden Knall von oben unter. Erfurt, Winnenden, Emsdetten, ein Wort reihte sich an das nächste und ließ mein Herz aussetzen. Aber es war kein Schuss, beruhigte ich mich, eher ein zerbrechendes Möbelstück, kein Schuss. Außerdem hatte ich bislang nur drei Polizisten gesehen. Mit der Konrektorin zusammen wagte ich mich in den dritten Stock. Dort kam uns ein merkwürdiges Quartett entgegen. Zwei SEK-Leute schleiften einen offensichtlich betrunkenen Mann in Handschellen hinter sich her, während der dritte leise in sein Mikrofon sprach. Mir fielen hunderttausend Steine vom Herzen.

Autor: Inga  |  Rubrik: orientieren  |  29.06.2011
Autor: Inga
Rubrik: orientieren
29.06.2011

Freiwilligendienst im Ausland

In Vertretung von Ruth

Im Rahmen ihres FSJs war Ruth bereits in ein paar Erlanger Grundschulen gegangen, hatte zusammen mit den Kindern typisch nicaraguanische Spiele gespielt und mit ihnen das Nationalgericht Gallo Pinto (Reis mit Bohnen) gekocht. Eine Nicaraguanerin, die schon seit vielen Jahren in Erlangen lebt, hatte sie dabei begleitet und das Nötigste übersetzt.

Vor einigen Wochen war dann die Anfrage eines Gymnasiums gekommen, ob sie nicht auch dort einen kleinen Vortrag halten könnte. Doch hatte sie zu genau dieser Zeit ein FSJ-Seminar und so war ich gefragt worden, ob ich nicht eine Unterrichtsstunde über das Leben nicaraguanischer Jugendlicher vorbereiten könnte. Außerdem sollte ich ein paar Informationen darüber geben, wie man einen Freiwilligendienst selber organisieren kann, da sich viele Schülerinnen und Schüler der Kollegstufe nicht sicher seien, ob sie nach dem Abi direkt eine Ausbildung machen, studieren oder sich vielleicht doch erst einmal eine Art Auszeit nehmen sollen. So hatte ich während der letzten Tage meines Praktikums eine kleine PowerPoint-Präsentation mit Fotos aus San Carlos vorbereitet.

Autor: Esther  |  Rubrik: orientieren  |  22.06.2011
Autor: Esther
Rubrik: orientieren
22.06.2011