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Freiwilligendienst im Ausland

Immer noch nicht angekommen

Als ich damals im Juni aus Nicaragua abgereist war, hatte ich meinem Freund, meiner Gastfamilie und all den anderen Menschen, die mir so wichtig geworden waren, versprochen, nach einem halben Jahr wieder zurückzukehren. Ich hatte dieses Versprechen keine Sekunde vergessen, doch war ich seit meiner Ankunft in Deutschland so beschäftigt gewesen, dass ich einfach nicht die Zeit gefunden hatte, mich um ein Flugticket zu kümmern. Die Betreuung von Ruth, ihr dabei zu helfen sich in Deutschland einzugewöhnen, die Fiesta für San Carlos mit vorzubereiten und gleichzeitig die Aufgaben meines Praktikums zu erfüllen...

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich gar keine Zeit gehabt hatte, um richtig in Deutschland anzukommen. Mit meinen Gedanken war ich oft in Nicaragua oder in Texas bei meiner Gastfamilie, bei denen ich während meines Auslandsjahres in der elften Klasse gelebt hatte. Ich verbrachte viel Zeit im Internet oder am Telefon, um mit den Leuten dort in Kontakt zu bleiben, und gleichzeitig beschwerten sich meine Freunde in Deutschland, dass ich nie Zeit für sie hatte. Ich wollte allen gerecht werden, wollte, dass alle wussten, wie wichtig sie mir waren und dass ich sie nicht vergessen hatte. Doch es gelang mir nicht.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  11.04.2011
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
11.04.2011

Freiwilligendienst im Ausland

Comenius war ein Tscheche

Genüsslich lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück. Zur Ausnahme saß ich mal ganz hinten in der letzten Reihe und konnte die Hampelmänner, die da vorne Lehrer spielten, ganz in Ruhe beobachten. Es war ein herrliches Gefühl. Nicht ich hielt da vorne den Unterricht, nicht ich trat unsicher von einem auf den anderen Fuß, nicht ich ermahnte verzweifelt die Störenfriede hinten links in der Ecke, nicht ich war der Buhmann, der Hausaufgaben aufgab, nicht ich fühlte mich vom Klingeln erlöster als jemals zuvor in meiner Schulzeit –  nein, ich saß und drehte Däumchen, lachte an der ein oder anderen Stelle wohlwollend und gab hinterher ein Feedback, wie der Oberlehrer schlechthin. Doch wer stand da vorne?
Richtig, Schüler! Anlässlich des 419. Geburtstages von Jan Ámos Komenský (besser bekannt als Comenius, der übrigens tatsächlich Tscheche war!) wurde an meiner hiesigen Schule der Tag des Lehrers zelebriert. Riesige Blumensträuße schmückten die Pulte der Lehrerinnen und für die Herren der Schöpfung gab’s Schokolade. Alle Lehrer durften sich erholen: Heute hielten die Acht- und Neuntklässler den Unterricht!
Klar, dass der ein oder andere echte Lehrer nicht an sich halten konnte und sich trotzdem einmischte – und klar, dass nicht alle Schüler in der Lage waren, eine ganze Klasse in Schach zu halten. Bald hörte man überall das Gerücht, dass zwei arme Achtklässler, die das Glück hatten, ausgerechnet in der ersten Stunde den Unterricht der Direktorin vertreten zu müssen, jetzt in ihrem Klassenraum saßen und einen Test schrieben. Offensichtlich war ihr Lehrversuch gescheitert...

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  05.04.2011
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
05.04.2011

Freiwilligendienst im Ausland

Die Tücken eines Whiteboards

Ich war in meinem Element. Ich schrieb und kritzelte, malte, veranschaulichte –  bald war die ganze Tafel vollgeschrieben, von dem ursprünglichen Weiß sah man nicht mehr viel, dafür aber viele liebevoll angefertigte Skizzen, die den Sachverhalt erläutern sollten. Ich verlieh gerade dem letzten meiner Meisterwerke mit einem besonders reichen Wortschwall den letzten Schliff, als ich plötzlich merkte, wie die Stimmung im Klassenraum umschlug.
Waren meine Schüler vorher noch verwirrt bis gelangweilt gewesen, im Normalzustand eben, so schauten sie jetzt zu Tode erschrocken auf das neue Whiteboard, das ich so munter bearbeitet hatte. Fast fühlte ich mich in meiner Ehre gekränkt, als ich ihre entsetzten Blicke auf meinen hübschen Bildchen ruhen sah, da merkte ich plötzlich, dass ich einen Riesenfehler begangen hatte: Permanent-Marker! Der Stift war wasserfest gewesen und somit für den Gebrauch an einer wiederbeschreibbaren Tafel völlig ungeeignet!
Es brach ein Tohuwabohu los, das sich gewaschen hatte. Während die einen versuchten, mir die Problematik zu erläutern, waren die anderen schon dabei, mir die Lösung des Problems nahezulegen, auf Tschechisch, Deutsch, mit viel Hand und Fuß – aber trotzdem lauthals. Wäre die Situation in dem Moment nicht so ernst gewesen, hätte ich furchtbar über ihre Rufe nach „Bier!“ lachen müssen! Es war mein größtes Improvisationstalent gefragt. Während irgendwo ganz tief in mir mein Herz mit einem gewaltigen Satz in die Hose rutschte,  markierte ich diejenige, die alles unter Kontrolle hatte. Bald hatte ich sie wieder so weit, dass sie zumindest so taten, als ob sie sich mit dem Unterrichtsstoff befassten. Ich schickte zwei Jungs zum Hausmeister, bald kamen sie mit der gewünschten roten Flasche wieder, an deren offensichtlichem Alkoholgehalt sie sich mit den Worten „Nicht trinken!“, die ihnen der Hausmeister eingeprägt haben dürfte, erfreuten.  Sie putzten die Tafel, ich erließ ihnen die Hausaufgaben und bald waren alle glücklich: Die Schüler über eine so „aufregende“ Unterrichtsstunde und die Inga, weil die Tafel wieder strahlend weiß leuchtete…

Autor: Inga  |  Rubrik: orientieren  |  29.03.2011
Autor: Inga
Rubrik: orientieren
29.03.2011