Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Freiwilligendiesnt im Ausland

Zwischen den Fronten

Nichtsahnend schlenderte ich durch die letzte Reihe. Plötzlich bemerkte ich eine hastige Bewegung neben mir. Ich schaute auf die entsprechende Bank und sah Jana, wie sie hastig ihre vollgekritzelte Handinnenseite mit einem Tintenkiller bearbeitete. Sie bekam einen roten Kopf und schaute angstvoll zu mir hoch. Die Sache war glasklar, selten hatte sich jemand so doof beim Spicken angestellt. Der Schüler in mir regte sich, brüllte aus vollem Halse „unfair!“ und ärgerte sich, dass er nicht petzen durfte. Ich schaute sie böse an und ging weiter.

Doch dann fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Wieso verpetzen?! Ich war hier die Lehrerin! Von verpetzen konnte gar keine Rede sein, ich war dafür verantwortlich, dass die Schüler nicht täuschten, schließlich war ich als Aufsicht berufen worden! Ich schaute zurück auf die arme Schülerin, welche knallroten Kopfes wahrscheinlich gerade ein Stoßgebet nach dem anderen in den Himmel schickte. Wieder schlenderte ich an ihrer Bank vorbei, blickte auf ihren Test.

Er war grottenschlecht, offenbar hatte das Spicken nicht geholfen. Ich war hin und her gerissen, stand zwischen den Fronten. Es war meine Pflicht als Lehrerin den Täuschungsversuch mitzuteilen. Ich wusste, dass sie eine sechs bekommen und ihre Eltern informiert werden würden.  Vor dieser Situation hatte es mir lange gegraut. Mein Blick wanderte zwischen Lehrer und Schüler hin und her. Längst war der Beweis auf ihrer Hand vernichtet. Ich beschloss es bleiben zu lassen. Ihr knallrotes Gesicht und ihre angstvollen Augen verrieten mir, dass sie so bald nicht wieder spicken würde. Der Schüler in mir gewann.

Autor: Inga  |  Rubrik: orientieren  |  10.03.2011
Autor: Inga
Rubrik: orientieren
10.03.2011

Freiwilligendienst im Ausland

Laptop-los

Es war die Apokalypse. Ich surfte ganz gemütlich im Internet, postete Unsinn auf Facebook, las meine E-Mails, schaute Quatsch auf YouTube an und ZACK – war das Gerät aus. Schwarz. Nichts ging mehr. Ich erschrak mich zu Tode. Da mein Laptop ein etwas älteres Modell ist, beunruhigte ich mich nicht allzu sehr, sprach ihm gut zu, gönnte ihm zwei Tage Pause und probierte es von Neuem. Keine zehn Minuten hielt das Teil durch bis der Bildschirm wieder – ZACK – schwarz wurde. Ich unterdrückte meinen Tobsuchtsanfall, startete ihn nochmal, diesmal fuhr er nicht mal richtig hoch, bevor er wieder abstürzte.  Das ging eine Woche so, bis ich mich mit meinem Schicksal abfand: Ich würde den Rest meines Lebens ohne Internet und PC verbringen. Kein Skype, kein Facebook, keine E-Mails, keine sozialen Kontakte, keine Verbindung zur Heimat. Keine Berufsinformation, keine Recherche über Studiengänge, keine Bewerbungen. Kein Google, kein Wikipedia, keine sonstige Bildung. Keine Tagesschau, keine Online-Zeitschriften, keine aktuellen Nachrichten. Lediglich die monatlichen Berichte über meine Unterrichtsstunden konnte ich am Schul-PC erledigen. Und dann und wann eine E-Mail nicht allzu privater Natur. Ich war völlig auf Entzug.
Kein Wunder, dass ich alles daran setzte ein neues Gerät zu ergattern. Und siehe da: Ein Hilferuf in die Heimat rettete mich. Ich bin wieder in Besitz eines gebrauchten, aber voll funktionsfähigen Notebooks!

Autor: Inga  |  Rubrik: orientieren  |  09.03.2011
Autor: Inga
Rubrik: orientieren
09.03.2011

Freiwilligendienst im Ausland

Jízerska 50 — oder ein buntes Skispektakel

50 (!) Kilometer waren sie auf ihren schmalen Langlaufskiern gelaufen und ihre Erleichterung, endlich im Ziel zu sein, war förmlich greifbar. Ich konnte nicht umhin, an der Ziellinie mitzujubeln und mich über die leuchtenden Augen in den roten Gesichtern zu freuen, obwohl mir jeglicher Wintersport bisher immer fremd gewesen war.

Es war an einem strahlend blauen Vormittag in Bedøichov, dem Austragungsort des in ganz Europa bekannten Skilanglaufspektakels. Es wimmelte nur so von unterschiedlichen Sprachen, Farben, Skiern und Bierständen, vor Musik und guter Laune. In einem großen weißen Zelt, auf dem in fünf verschiedenen Sprachen „Nur für Athleten“ stand, wurden heiße Getränke und eine Stärkung für die bewundernswerten Sportler angeboten.

Ein ergrauter Mann stand vor einer Holzbude und sagte immerfort die Anzahl der bereits im Ziel eingetrudelten Läufer an. Als ich gegangen bin, waren sie schon bei fast 4.500, aber ein unendlich langer Strom bunt gekleideter Menschen zog sich immer noch durch den Wald. Für Wintersportbanausen wie mich war es beeindruckend und tatsächlich erzählte mir die tschechische Lehrerin am nächsten Tag ganz begeistert, dass „sogar der estnische Präsident“ mitgelaufen sei!

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  28.02.2011
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
28.02.2011