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Freiwilligendienst im Ausland

Paris - Stadt der Extreme

Seit ich hier in Troyes lebe, war ich schon mehrmals in Paris – klar, die Metropole ist nur eineinhalb Stunden Zugfahrt entfernt, die nur 15 Euro kostet.
Mein letzter Besuch in Paris war jedoch etwas Besonderes, denn diesmal begleiteten mich meine Eltern. In knapp drei Tagen wollten wir zusammen die wichtigsten Touristenattraktionen besichtigen. Da wir mit dem Auto unterwegs waren, wurden wir schon vor unserer Ankunft mit den Herausforderungen dieser Großstadt konfrontiert: Je näher wir Paris kamen, desto dichter wurde der Straßenverkehr. Dabei scheinen alle Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt: Rollerfahrer brausen zum Beispiel mit extremer Geschwindigkeit und ohne jeglichen Sicherheitsabstand zwischen den Autos hindurch. Auch als wir am nächsten Morgen in die U-Bahn einstiegen, verbesserte sich der Eindruck vom Verkehr in Paris nicht gerade. Wir landeten in einem sehr vollen Wagon und immer mehr Leute drängten sich hinein – Alltag in Paris, dort steht eben nichts still, überall Musik, Lärm, Stimmengewirr, Menschen.
Dabei ist die Stadt wirklich etwas Besonderes: An jeder Straßenecke ragen die beeindruckenden alten Häuserfassaden auf, in der Innenstadt findet man zu jeder beliebigen Uhrzeit geöffnete Geschäfte, Restaurants, Crêpes-Stände oder Bars.
Auch das Seine-Ufer, gesäumt von alten Bäumen, zieht nicht umsonst jährlich über 30 Millionen Touristen in seinen Bann. Ganz zu schweigen von den weltberühmten Sehenswürdigkeiten: von der Basilika Sacré-Coeur über den Louvre, die (zugegebenermaßen etwas mitgenommene) Kathedrale Notre Dame bis hin zum Eiffelturm. Als ich mit meinen Eltern schließlich aus der Metro stieg und Letzterer vor uns aufragte, waren wir alle beeindruckt.
Trotz allem, Paris hat zwei Seiten: Bei genauerem Hinsehen verwandelt sich die vermeintlich „perfekte“ Stadt der Liebe in ein trauriges Beispiel dessen, was wir Menschen unserer Umwelt antun. In der Seine schwimmen schon seit Jahren keine Fische mehr, die Luftqualität zählt zur schlechtesten Europas – und eine Begegnung mit aus Müllbergen auftauchenden Ratten ist keine Seltenheit.
Auch wenn ich mit meinen Eltern eine sehr schöne Zeit in Paris verbracht habe, die Stadt hat mich auch zum Nachdenken gebracht.

 

Freiwilligendienst im Ausland

Der Sinn eines Sozialzentrums - 2

Von meiner Arbeit mit Senioren habe ich bereits berichtet. Im Rahmen meines Freiwilligendienstes habe ich aber auch häufig mit Kindern und Jugendlichen zu tun, zum Beispiel helfe ich bei der Hausaufgabenbetreuung mit und organisiere Bastel- und Kunstkurse.
Vor einigen Monaten nahm ich zum ersten Mal an einem Jugendtreff teil, den mein Tutor organisiert. Dabei war ich vom Verhalten einiger Jugendlicher schockiert: Ihnen fehlten jegliche Umgangsformen und wir hatten Mühe, überhaupt etwas Sinnvolles mit ihnen zu unternehmen.
Allerdings befinden sich diese jungen Menschen in keiner leichten Situation: Die wenigen Jugendlichen, die während der Schulzeit nicht in einem Internat leben, finden auf dem Land nur wenige Gleichaltrige und können kaum soziale Kontakte pflegen. Der Jugendtreff bringt daher Jugendliche aus verschiedenen Dörfern zusammen und ermöglicht es ihnen, zumindest einmal wöchentlich einen gemeinsamen Nachmittag zu verbringen.
Natürlich ist unser Sozialzentrum nicht nur für Menschen in schwierigen Lebenssituationen da: Es ist immer schön, wenn fröhliche Kinder zum Klavierunterricht oder zum Kunstkurs vorbeikommen! Und es freut uns auch, dass wir viel Aufmerksamkeit für unsere Arbeit bekommen: Die Menschen hier schätzen unsere Angebote sehr.
Jetzt, nach einigen Monaten, beginne ich die Ziele des Sozialzentrums zu begreifen und finde meinen Freiwilligendienst durchaus sinnvoll. Gleichzeitig gehört immer eine gute Portion Idealismus dazu, denn im Alltag geht organisatorisch oft einiges schief.
Und auch wenn ich froh bin, in der Stadt zu leben: Während der letzten Monate hier habe ich das Landleben auch sehr zu schätzen gelernt. Schon morgens auf dem Weg zur Arbeit kann man über den Feldern einen wunderschönen Sonnenaufgang bewundern und während meiner Mittagspause gehe ich am Flussufer spazieren.

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 26, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Der Sinn eines Sozialzentrums – 1

Vor einigen Wochen habe ich bereits von meiner Arbeit im Sozialzentrum hier in Frankreich berichtet – und auch, dass der Anfang dort schwer für mich war.
Angesichts schlecht organisierter Arbeitsabläufe und geringer Teilnehmerzahlen bei unseren Aktivitäten stellte ich mir häufig die Frage, welchen Sinn es macht, in einer Kleinstadt eine solche Institution aufrechtzuerhalten. Doch jetzt, nach fast sechs Monaten, wird es für mich immer klarer: Viele Menschen sind hier auf dem Land mit schwierigen Situationen konfrontiert, über die ich als „Großstadtkind“ vorher nie so recht nachgedacht habe.
Zunächst gibt es nur wenig Arbeit und viele Menschen kommen daher ins Sozialzentrum, um ihren Lebenslauf zu aktualisieren, Anschreiben auszudrucken, Stellenanzeigen zu recherchieren oder sich beraten zu lassen. Wer Arbeit in der Umgebung findet oder Auszubildender ist, kann sich im Sozialzentrum unter bestimmten Bedingungen außerdem einen Motorroller mieten, denn der öffentliche Nahverkehr ist kaum ausgebaut.
Auch in unseren Computerkursen wird mir bewusst, dass manche Dorfbewohner sich ein wenig abgeschnitten fühlen müssen. Viele Teilnehmer kommen aus Neugier, weil es im Dorf nichts mehr Neues zu sehen gibt, oder um sich mit anderen Senioren auszutauschen. Manchmal stoßen wir während unserer Kurse auch auf individuelle Schwierigkeiten: So kann beispielsweise ein Herr nicht so gut lesen und schreiben. Eine achtzigjährige Dame, die sehr aufgeschlossen und voller Lebenslust ist, hat Probleme mit der Bedienung der Maus, da ihre Hand zu sehr zittert. In diesen Situationen lernen wir als Freiwillige, uns auf Menschen einzulassen und uns ihren Situationen anzupassen.
Wenn sie ihre ersten E-Mails verschicken und so mit ihren Kindern und Enkeln in Kontakt bleiben können, sind die meisten Teilnehmenden sehr zufrieden.
Sehr interessant sind zudem immer die Gespräche mit ihnen. Zum Beispiel erzählte mir die 80-jährige Dame von ihren Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg, den sie als Kind miterleben musste. So sind die Computerkurse ein sinnvoller Austausch, von dem auch ich und die beiden anderen Freiwilligen profitieren. Das ist ja auch ganz im Sinne des Konzepts des Sozialzentrums. Denn schließlich sollen unterschiedliche Menschen zusammengebracht und informelles Lernen ermöglicht werden.

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 3, 2019
Autor: Anna
Rubrik: orientieren
Apr 3, 2019