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Barrierefrei promovieren!

Forschungsstand erweitern

Barrierefrei promovieren – so heißt dieser Blog. Ich denke häufig über diesen Titel nach, weil mir immer wieder auffällt, wie viele Barrieren es im Studium oder bei einer Doktorarbeit gibt.
So wie heute, als ich meine Recherchen nach aktuellen Forschungsergebnissen zu meinem Promotionsthema aufgegriffen habe. Diesen sogenannten Forschungsstand muss ich nachträglich erweitern, wie es die Gutachter wünschen. Oder besser gesagt: Ich muss ihn spezialisieren. Denn ich habe bisher nur zusammengetragen, welche Literatur zur Lesemotivation blinder Menschen existiert. Solche über die Lesemotivation von Sehenden habe ich bislang absichtlich ausgespart. Ich dachte, das wäre nicht Thema meiner Arbeit – und habe offensichtlich falsch gedacht. Zumindest sagen das meine Gutachter.
Also hole ich diesen Teil nun nach. Ich habe bereits im Online-Katalog der Bib gestöbert und ein paar Bücher, die mir geeignet erscheinen, in meiner Favoritenliste abgespeichert. Ich dachte, dass ich so wenige Tage später direkt auf die Online-Karteien zugreifen und unmittelbar da weitermachen könnte, wo ich zuletzt aufgehört hatte.
Doch heute stellte ich fest, dass keiner der Links noch funktioniert: „Ihre Sitzung ist abgelaufen“, lautet die Begründung. Darunter steht, ich soll die Katalogsuche neu starten. Wer rechnet denn mit so etwas? Jetzt kostet es mich eineinhalb Stunden zusätzlich, um erneut die Literatur herauszusuchen, die ich schon ermittelt hatte.

Barrierefrei promovieren!

Frau Dr. Daniela Preiß

Nach meiner Doktorprüfung habe ich mir erst einmal fünf bis sechs Wochen freigenommen. Zwar habe ich immer wieder an meine Doktorarbeit gedacht, mich aber keineswegs damit beschäftigt – außer, wenn ich mit Familie und Freunden anstoßen oder Geschenke entgegennehmen sollte. Nicht einmal in die Gutachten meiner Doktormutter und des Zweitbetreuers habe ich hineingeschaut.
Mein Freund hatte mich für die Prüfung motiviert, indem er mir einen schönen Urlaub versprach. Gesagt getan: Wir verbrachten eine Woche bei seiner Eltern auf den Kanarischen Inseln – eine Woche voller Sonnenschein, Strandbesuche und Entspannung.
Von der Dissertation fühle ich mich mittlerweile merkwürdig distanziert. Dabei weiß ich genau, dass ich noch einmal angreifen muss: Ich muss den Text überarbeiten und danach als Buch veröffentlichen. Exakt ein Jahr bleibt mir dafür Zeit. Erst hinterher wird meine Urkunde ausgestellt und ich bin tatsächlich „Frau Dr. Daniela Preiß“.
Allmählich sollte ich also anfangen, mich mit der nächsten Aufgabe zu beschäftigen. Wo und wie kann ich publizieren? In der Promotionsordnung steht einiges darüber, das habe ich schon einmal gelesen. Oder besser gesagt habe ich sie Satz für Satz, Punkt für Punkt mit jemandem durchgesprochen. Denn es ist nicht so leicht, die Bedingungen und Möglichkeiten zu verstehen, aus denen ich wählen kann. Selbst diese Formulierungen scheinen Barrieren zu enthalten.

Barrierefrei promovieren!

Und jetzt?

Es ist schon verrückt. Die Doktorprüfung liegt hinter mir und ich habe meine Aufgabe souverän gemeistert. Nun sind alle Barrieren überwunden.
Wenn ich in mich hineinhorche, spüre ich Stolz. Aber die anderen Empfindungen – Freude und Erleichterung – fallen eher gedämpft aus, weil ich mich immer noch ein wenig benommen fühle. Eine Woche ist vergangen und das Ganze kommt mir vor wie ein Traum. Etwas Unwirkliches, das ich zunächst noch begreifen muss.
Und natürlich schiebt sich die Frage heran, wie es weitergehen soll. Feiern, mich ausruhen – und was dann?
Tatsächlich habe ich die ersten Tage nach der Prüfung bei meinem Freund verbracht. Der Test war am Mittwoch. Am Sonntag, wieder alleine, habe ich bis zehn Uhr geschlafen. Das passiert mir nur selten. Und am Nachmittag bin ich schon wieder drei Stunden weggeglitten. So war es auch, nachdem ich im September die Doktorarbeit abgegeben hatte: erst einmal schlafen, weil ich mich absolut ausgelaugt fühlte. Vorher war mir die Erschöpfung nicht so sehr bewusst gewesen. Aber später holte ich das Versäumte nach.
Am Montag habe ich dann eine Bewerbung geschrieben, da es schließlich weitergehen muss. Ich habe mich wieder um meine Aufträge gekümmert, die ich freiberuflich übernehme und möchte meinen Internetauftritt erweitern und verbessern. Ich finde eben immer etwas, zu tun. Aber im Moment bin ich nicht mehr so eng gebunden, sondern kann meine Zeit endlich so gestalten, wie es mir gefällt.