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Abschiedsfeier - Teil 2

Die Vorträge an diesem Abend riefen mir noch einmal ins Gedächtnis, wie viel meine Doktormutter in den letzten Jahren und Jahrzehnten für ihr Fach, die Buchwissenschaft in Erlangen, geleistet hatte. Natürlich weiß ich das längst, fühle mich aber immer wieder beeindruckt, wenn ich es von Neuem höre. Einer der Redner verglich die Professorin sogar mit der Aloe, über die sie später noch etwas erzählen würde. Leider schaffte ich es nicht, seine Worte festzuhalten. Sie rieselten durch wie Wasser zwischen den Fingern, aber sie passten sehr gut zu meiner Doktormutter.
Genauso faszinierte mich einer ihrer Kollegen, der extra aus Paris angereist war und sich bei den Rednern einreihte. Sicher hätten alle Zuhörer Englisch verstanden, einige sogar Französisch. Aber er hielt seine Rede auf Deutsch und dadurch drückte er auch seine Wertschätzung aus. Überhaupt bekam die Professorin etliche Geschenke überreicht. Ich hatte mich für eine hübsche Tasse und besonderen Tee entschieden, denn immer wieder, bei Besprechungen in ihrem Büro, konnte ich frisch aufgebrühten, aromatisch intensiven Kräutertee genießen.
Nach dem offiziellen Teil ging es weiter zu Gesprächen am Buffet. Und ich freute mich sehr, als ich von einem Medienwissenschaftler aus der Schweiz begrüßt wurde, der mich bei meiner Verteidigung geprüft hatte. Sonst kamen mir bloß wenige Leute entgegen. Irgendwie scheine ich, mit meiner Behinderung, eine ansteckende Krankheit herumzutragen, aber er sagte „hallo“ und so konnten wir uns ein bisschen unterhalten.

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Aug 26, 2019
Autor: Daniela
Rubrik: beruf & karriere
Aug 26, 2019

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Abschiedsfeier - Teil 1

Groß und würdevoll hat das Institut meine Doktormutter in den Ruhestand verabschiedet. Rund 90 Gäste sind zusammengekommen, um ihr für den langjährigen Einsatz zu danken und ihr eine freudenreiche Zukunft zu wünschen. Ich war gerührt und froh, diesen Abend miterleben zu dürfen.

Die Anreise hat sich allerdings mit Hürden gestaltet. Zuerst hatte mein Zug Verspätung und als ich mich in den Toilettenräumen umziehen und frisch machen wollte, blockierte ein Putzwagen den Zugang. Wo sich das nächste WC in dem Gebäude befindet, wusste ich allerdings nicht genau. So blieb mir nur zu warten, nervös, zunehmend angespannt, weil ich ja auch noch den Weg zum Veranstaltungsort finden musste. Weil mir die Zeit davonlief, schnappte ich mir ein paar Studenten, die vor der Hauptbibliothek herumstanden und sich sofort einverstanden erklärten, mich das letzte Stück zu begleiten.

Dann traf ich meine Doktormutter und wir konnten ein paar Worte wechseln. Als sie mir die Hand schüttelte, war ich von der Atmosphäre so gerührt, dass ich für einen Moment den Impuls verspürte, sie zu umarmen. Natürlich hielt ich mich zurück, denn so etwas wäre unserem Verhältnis keinesfalls angemessen gewesen. Ich glühte innerlich und freute mich auf den Abend. Ich wusste ganz genau, warum ich mich damals für diese Professorin als Betreuerin meiner Doktorarbeit entschieden hatte. 

 

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Auf der Überholspur

Früher haben einige um mich herum gescherzt: „Bevor du deine Doktorarbeit beendest, verabschiedet sich deine Betreuerin in den Ruhestand.“ Das war vor zwei, drei Jahren und ich bin immer fest entschlossen gewesen, es nicht so weit kommen zu lassen. Aber jetzt ist es doch passiert: Meine zuständige Professorin zog Anfang April einen Schlussstrich unter ihre Lehre und den universitären Alltag.. Mitte Mai gab es noch eine Tagung, die ihre jüngste Doktorandin organisiert hatte. Sie ist sehr gelobt worden, weil alles so reibungslos verlaufen ist. Außerdem hat diese Promotionsstudentin, stellvertretend für alle anderen, eine Abschiedsrede für unsere Doktormutter gehalten und sich bedankt, zu diesem Anlass sprechen zu dürfen. Ich hätte das auch als eine Ehre empfunden. Gleichzeitig dachte ich mir: Hey, die hat es geschafft. Sie hat nicht nur eine Tagung organisiert, sondern auch noch einen sauber formulierten, gut gestalteten Vortrag gehalten. Dafür bewundere ich sie, denn sie ist wirklich im Wissenschaftsbetrieb angekommen und befindet sich sozusagen auf der Überholspur.
Unsere Mentorin hat den Beitrag geliefert, mit dem die Tagung abgerundet wurde. Zugleich war das ihre persönlich letzte Vorlesung, mit dem Thema: „Die große amerikanische Aloe – Christoph Jacob Trew und seine Sammlungen“.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  May 27, 2019
Autor: Daniela
Rubrik: beruf & karriere
May 27, 2019