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Barrierefrei promovieren!

Zeit und Raum (Teil 1)

Seit einiger Zeit habe ich keine Wohnung in Erlangen mehr. Entweder halte ich mich bei meinen Eltern im Fichtelgebirge auf oder in Frankfurt bei meinem Freund. Das heißt aber auch, dass ich nur noch selten an die Universität in Mittelfranken komme. Um von Frankfurt nach Erlangen zu fahren, brauche ich dreieinhalb Stunden mit dem Regionalexpress. Ein Auto kann ich, wegen meiner Blindheit, nicht selber steuern. Und der ICE würde an Erlangen vorbei nach Nürnberg rauschen. Von dort aus müsste ich dann wieder nach Erlangen zurück. Unterm Strich hätte ich damit kaum Zeit gewonnen. Ein Problem ist das deshalb, weil ich noch Verbesserungen an meiner Doktorarbeit vornehmen muss und dafür Bücher aus der Bibliothek benötige.

In der Universitätsbibliothek kann ich, falls sich nicht gerade ein anderer Nutzer damit beschäftigt, ein Buch bestellen und am nächsten Tag liegt es zur Abholung bereit. Zählt der Titel allerdings nicht zum Erlanger Bestand, gestaltet sich das Ganze schwieriger. Dann wechsle ich zum Bayerischen Verbundkatalog. Irgendeine wissenschaftliche Bibliothek in Erlangen hat in der Regel das Buch vorrätig und kann es mir schicken – aber wann?  Manchmal muss ich zwei Wochen warten oder auch einen ganzen Monat. Hinterher bleiben mir nur wenige Tage, um nach Erlangen zu fahren und das Buch dort abzuholen.

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  01.08.2018

Barrierefrei promovieren!

Die unendliche Geschichte

Schreibe ich wirklich nur eine Doktorarbeit? Manchmal kommt es mir vor, als müsste ich die unendliche Geschichte erzählen. Die beiden Gutachten, die ich nach meiner Verteidigung erhalten habe, fließen jetzt in die endgültige Fassung meiner Arbeit ein. Ich verbessere, erweitere … und erschrecke darüber, wie viele Fehler mir entgegenspringen.
Okay, meistens handelt es sich dann um Kleinigkeiten, etwa die Aussage eines Interviewpartners, die ich falsch zugeordnet oder mit nein anstatt ja vermerkt hatte. Hatte ich mein Material über Monate hinweg nicht einheitlich interpretiert? Was bedeutet es zum Beispiel, wenn jemand erklärt, er würde bloß gelegentlich in einer öffentlichen Bibliothek entleihen? So gut wie nie? Nein? Oder vielleicht doch ja?
Dann wirkt sich das, was ich korrigieren will, auch noch an mehreren Stellen aus: Ich muss einige Textpassagen berichtigen und die Daten in den zugehörigen Tabellen anpassen.
Und wenn ich schon erleichtert aufatmen will, weil ich denke, jetzt habe ich es endlich geschafft, kann ich mich darauf verlassen, dass bald wieder etwas Neues aufkommt – eben die unendliche Geschichte. Meine besten Grüßen an Michael Ende, der sein gleichnamiges Buch damals sicher schneller abgeliefert hat, als ich heute meine Dissertationsschrift entwickle.
Ein paar Monate bleiben mir noch. Im Moment fühle ich mich frei im Kopf, um weiterzukämpfen. Es gibt keine anderen Projekte, die dringend abzuschließen wären. Also dann – auf geht’s!

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  10.07.2018
Autor: Daniela
Rubrik: beruf & karriere
10.07.2018

Barrierefrei promovieren!

Forschungsstand erweitern

Barrierefrei promovieren – so heißt dieser Blog. Ich denke häufig über diesen Titel nach, weil mir immer wieder auffällt, wie viele Barrieren es im Studium oder bei einer Doktorarbeit gibt.
So wie heute, als ich meine Recherchen nach aktuellen Forschungsergebnissen zu meinem Promotionsthema aufgegriffen habe. Diesen sogenannten Forschungsstand muss ich nachträglich erweitern, wie es die Gutachter wünschen. Oder besser gesagt: Ich muss ihn spezialisieren. Denn ich habe bisher nur zusammengetragen, welche Literatur zur Lesemotivation blinder Menschen existiert. Solche über die Lesemotivation von Sehenden habe ich bislang absichtlich ausgespart. Ich dachte, das wäre nicht Thema meiner Arbeit – und habe offensichtlich falsch gedacht. Zumindest sagen das meine Gutachter.
Also hole ich diesen Teil nun nach. Ich habe bereits im Online-Katalog der Bib gestöbert und ein paar Bücher, die mir geeignet erscheinen, in meiner Favoritenliste abgespeichert. Ich dachte, dass ich so wenige Tage später direkt auf die Online-Karteien zugreifen und unmittelbar da weitermachen könnte, wo ich zuletzt aufgehört hatte.
Doch heute stellte ich fest, dass keiner der Links noch funktioniert: „Ihre Sitzung ist abgelaufen“, lautet die Begründung. Darunter steht, ich soll die Katalogsuche neu starten. Wer rechnet denn mit so etwas? Jetzt kostet es mich eineinhalb Stunden zusätzlich, um erneut die Literatur herauszusuchen, die ich schon ermittelt hatte.