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Abschiedsfeier - Teil 1

Groß und würdevoll hat das Institut meine Doktormutter in den Ruhestand verabschiedet. Rund 90 Gäste sind zusammengekommen, um ihr für den langjährigen Einsatz zu danken und ihr eine freudenreiche Zukunft zu wünschen. Ich war gerührt und froh, diesen Abend miterleben zu dürfen.

Die Anreise hat sich allerdings mit Hürden gestaltet. Zuerst hatte mein Zug Verspätung und als ich mich in den Toilettenräumen umziehen und frisch machen wollte, blockierte ein Putzwagen den Zugang. Wo sich das nächste WC in dem Gebäude befindet, wusste ich allerdings nicht genau. So blieb mir nur zu warten, nervös, zunehmend angespannt, weil ich ja auch noch den Weg zum Veranstaltungsort finden musste. Weil mir die Zeit davonlief, schnappte ich mir ein paar Studenten, die vor der Hauptbibliothek herumstanden und sich sofort einverstanden erklärten, mich das letzte Stück zu begleiten.

Dann traf ich meine Doktormutter und wir konnten ein paar Worte wechseln. Als sie mir die Hand schüttelte, war ich von der Atmosphäre so gerührt, dass ich für einen Moment den Impuls verspürte, sie zu umarmen. Natürlich hielt ich mich zurück, denn so etwas wäre unserem Verhältnis keinesfalls angemessen gewesen. Ich glühte innerlich und freute mich auf den Abend. Ich wusste ganz genau, warum ich mich damals für diese Professorin als Betreuerin meiner Doktorarbeit entschieden hatte. 

 

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Auf der Überholspur

Früher haben einige um mich herum gescherzt: „Bevor du deine Doktorarbeit beendest, verabschiedet sich deine Betreuerin in den Ruhestand.“ Das war vor zwei, drei Jahren und ich bin immer fest entschlossen gewesen, es nicht so weit kommen zu lassen. Aber jetzt ist es doch passiert: Meine zuständige Professorin zog Anfang April einen Schlussstrich unter ihre Lehre und den universitären Alltag.. Mitte Mai gab es noch eine Tagung, die ihre jüngste Doktorandin organisiert hatte. Sie ist sehr gelobt worden, weil alles so reibungslos verlaufen ist. Außerdem hat diese Promotionsstudentin, stellvertretend für alle anderen, eine Abschiedsrede für unsere Doktormutter gehalten und sich bedankt, zu diesem Anlass sprechen zu dürfen. Ich hätte das auch als eine Ehre empfunden. Gleichzeitig dachte ich mir: Hey, die hat es geschafft. Sie hat nicht nur eine Tagung organisiert, sondern auch noch einen sauber formulierten, gut gestalteten Vortrag gehalten. Dafür bewundere ich sie, denn sie ist wirklich im Wissenschaftsbetrieb angekommen und befindet sich sozusagen auf der Überholspur.
Unsere Mentorin hat den Beitrag geliefert, mit dem die Tagung abgerundet wurde. Zugleich war das ihre persönlich letzte Vorlesung, mit dem Thema: „Die große amerikanische Aloe – Christoph Jacob Trew und seine Sammlungen“.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  May 27, 2019
Autor: Daniela
Rubrik: beruf & karriere
May 27, 2019

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Verschobene Abgabe

Ich hoffte also, dass ich meine Doktorarbeit noch bis Mitte oder Ende November verbessern dürfte. Aber dann hatte ich richtig Glück. Zufällig kamen wir darauf zu sprechen, bis wann meine Betreuerin die überarbeitete Version – für die Veröffentlichung – genehmigen müsste. Spätestens im Januar, glaubte ich. Aber sie war ganz erstaunt, als ich das sagte. Irgendetwas hatte ich da falsch verstanden.
Und dann nannte sie einen Wert, der mich aufhorchen ließ: 90 Prozent. Wenn den Doktoranden nach der Verteidigung und dem Erhalt der mündlichen Gutachten nur ein Jahr Zeit bliebe bis zur Publikation, dann würden 90 Prozent von ihnen das nicht schaffen.
Darüber war ich unendlich erleichtert. Denn es bedeutete, dass der Fehler nicht zwangsläufig bei mir lag. In manchen Stunden hatte ich mich selbst nicht mehr verstanden, und hinterfragt, wie es passieren konnte, dass ich für die letzten Eingriffe in meine Arbeit so viel Zeit benötigte. Immerhin waren mir früher nur die Semesterferien geblieben, um Hausarbeiten zu schreiben. Ansonsten beschäftigten mich Vorlesungen, Seminare, Prüfungen und vieles mehr.
Und jetzt das! Klar, eine Dissertationsschrift ist mit einer universitären Hausarbeit nicht vergleichbar. Aber ich wusste nun, dass ich mich nach wie vor im Rahmen meiner Möglichkeiten bewegte und einen Antrag stellen würde, um die Abgabefrist nach hinten zu verschieben.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Apr 29, 2019
Autor: Daniela
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Apr 29, 2019