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Ausbildung live

Von Hypochondrie und anderen Schwierigkeiten

Eins meiner Lieblingsthemen im Theorieunterricht ist die Krankheitslehre. Es gibt so ziemlich nichts, was es nicht gibt. Tag für Tag lerne ich Symptome kennen, die eine oder mehrere Krankheiten ergeben und auch, was zu dieser Krankheit geführt hat und wie man sie behandeln kann.
Ich werde systematisch darauf trainiert, Menschen ganz genau anzuschauen und Auffälligkeiten wahrzunehmen. Was sind das für Flecken auf den Nägeln? Die Haut ist an der Stelle aber komisch. Das Gewebe fühlt sich dort anders an.
Hat man das einmal verinnerlicht, ist es schwer, das abzustellen. So kommt es schon mal vor, dass ich neuen Bekanntschaften erst mal ein Kompliment für ihre schönen Venen mache.
Gleichzeitig darf mein Beruf nicht mein ganzes Leben bestimmen. Viel zu schnell fängt man an, sich selbst zu diagnostizieren. Und ruckzuck wird aus einem harmlosen Pickel das erste Symptom einer mittelschweren Krankheit.
Um dem entgegenzuwirken, betont meine Kursleitung stets, dass wir uns nicht verrückt machen und den Pfleger*innenmodus außerhalb des Krankenhauses ausstellen sollen.
Zugegeben: Das klappt nicht immer. Ich ertappe mich häufig dabei, wie ich fremde Menschen in der Bahn beobachte und überlege, was die auffälligen Erscheinungen für eine Geschichte zu erzählen haben.

Autor: Lydia  |  Rubrik: ausbildung  |  Jul 10, 2019

Ausbildung live

Luxusleben eines Azubis

Ich mag Praxiseinsätze unglaublich gern. Ich kann nicht immer ewig still sitzen, sondern brauche Bewegung. Und außerdem nehme ich in der Praxis unglaublich viel Wissen mit. Nur manchmal ist das nicht immer so einfach, wie ich es gern hätte.
Der bekannte Pflegenotstand und die dauerhafte Unterbesetzung führen verstärkt dazu, dass die praktische Ausbildung zu kurz kommt. Auf Fragen bekomme ich häufig nur eine genervte Antwort. Wenn ich bei einer Aufgabe Anleitung von einer examinierten Pflegekraft haben möchte, macht sie es lieber selbst. Kostet weniger Zeit und geht schneller, wenn sie das macht. Doch auf diese Weise lerne ich nichts.
Es geht sogar so weit, dass ich mich nicht mehr traue nachzufragen, wenn mir etwas unklar ist.
Aktuell erlebe ich das komplette Gegenteil. Die Pflegekräfte auf meiner derzeitigen Einsatzstation sind alle sehr hilfsbereit und zeigen mir gerne etwas. Ich darf Fragen stellen und alle bemühen sich um Antworten. Hier haben die Pflegekräfte verstanden, dass sie Nachwuchskräfte nicht vergraulen dürfen, wenn sich die Situation verbessern soll.
Ich frage mich, warum das nicht überall machbar ist und warum es so viele Stationen gibt, bei denen man jeden einzelnen Dienst zählt, bis man sie wieder verlässt. Ist das der Sinn unserer praktischen Ausbildung? Nach und nach Stationen von der Liste streichen, bei denen man nach dem Examen auf keinen Fall anfängt? Ich glaube nicht. Und ich hoffe, dass noch mehr schülerfreundliche Stationen auf mich warten.

 

Ausbildung live

Ausflug in die Endoskopie

Im Rahmen meines Einsatzes in der Gastroenterologie konnte ich einen Tag lang in der Endoskopie meines Lehrkrankenhauses hospitieren.
Die Endoskopie zählt zur Funktionsdiagnostik und führt Untersuchungen, wie Bronchioskopien, Magen- oder Darmspiegelungen durch. In der Endoskopie verläuft alles sehr zügig. In drei Räumen laufen gleichzeitig unterschiedliche Untersuchungen ab.
Ich dachte immer, dass solche endoskopischen Untersuchungen sehr lange andauern, doch länger als eine Viertelstunde dauert es meistens nicht. Der Patient wird anschließend in den Aufwachraum gebracht und dort in der Aufwachphase begleitet. Der Untersuchungsraum wird währenddessen schon wieder für den nächsten Patienten hergerichtet. Es ist schon sehr faszinierend, wie routiniert und perfekt das Team zusammen arbeitet. Jeder weiß, was zu tun ist. Der Zeitplan ist streng getaktet. Kommt ein Patient später oder kommt es zu Komplikationen, verschiebt sich alles nach hinten.
Zudem habe ich die Möglichkeit, mir die Verdauungsorgane durch die Kamera im Endoskop von innen anzusehen. Zu den gezeichneten Skizzen im Lehrbuch ist keinerlei Ähnlichkeit erkennbar und sowohl die Pflegekräfte als auch der Arzt erklären mir sehr viel Detailwissen.
Ich bin unglaublich dankbar, diese Möglichkeit gehabt zu haben. Doch auch, wenn ich diesen Tag sehr spannend und interessant fand, könnte ich mir nicht vorstellen, als Endoskopiekraft zu arbeiten. Die Untersuchungen unterscheiden sich kaum voneinander uns es gibt wenig Abwechslung. Für mich fehlt wohl etwas Action. Aber es ist trotzdem gut, den Horizont wieder einmal erweitert zu haben.

 

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  Jun 28, 2019