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100 erste Tage an der Uni

Freizeitstress

Allmählich kehrt in mein Studentenleben ein bisschen Alltag ein. Meinen Stundenplan habe ich mittlerweile verinnerlicht und ich weiß, wie viel Zeit ich für die Nachbereitungen und das Textelesen einplanen muss, um mit dem Stoff hinterherzukommen. Obwohl ich das Gefühl habe, meinen Unikram gut zu organisieren und alles im Griff zu haben, fühle ich mich in letzter Zeit aber ein bisschen gestresst.
In meiner Freizeit bin ich viel unterwegs, was hauptsächlich daran liegt, dass mein Freundeskreis in Marburg sehr unternehmungslustig ist – ob Geburtstagsfeiern, Poetry-Slam, eine spontane Kneipentour oder nur ein Filmeabend, irgendetwas ist eigentlich immer geplant. Hinzu kommt, dass ich fast jeden Tag ins Fitnessstudio gehe, wofür ich ausreichend Zeit einplanen muss. Außerdem bin ich der aktiven Fachschaft beigetreten, die sich regelmäßig trifft. Wegen all dieser Aktivitäten bin ich nur selten zu Hause und habe nur wenig Zeit für mich alleine.
Vor kurzem entschieden meine Freunde spontan, abends doch noch einmal loszuziehen. Eigentlich hatte ich mich schon auf einen gemütlichen Abend zu Hause gefreut, geriet aber trotzdem wieder in einen inneren Konflikt: Einerseits hatte ich eine anstrengende Woche hinter mir und war ein bisschen erkältet, weswegen ich früh schlafen gehen wollte. Andererseits wollte ich auch keinen lustigen Abend mit meinen Freunden verpassen. Letztendlich entschied ich mich trotzdem dafür, zu Hause zu bleiben. Spätestens als ich mit meiner Kuscheldecke und einem Buch im Bett lag, war ich froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einfach mal einen Roman gelesen, Musik gehört oder eine Serie geschaut habe.
Obwohl ich weiß, dass ich an diesem Stress selbst schuld bin und mich niemand zwingt, ständig unterwegs zu sein, fällt es mir schwer, Prioritäten bei meinen Freizeitaktivitäten zu setzen. Ich habe mir aber vorgenommen, in Zukunft mehr Zeit für mich selbst einzuplanen, um eine gute Balance zwischen Uni, Freunden, Sport und Zeit zum Entspannen zu finden.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  22.11.2016
Autor: Franziska
Rubrik: studium
22.11.2016

100 erste Tage an der Uni

WG-Kommunismus

Die meisten meiner studierenden Freunde wohnen, genau wie ich, in einer Wohngemeinschaft. Ich finde es sehr interessant zu hören, wie sich die verschiedenen WGs organisieren und welche Unterschiede es gibt. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie ihre Mitbewohner fast nie zu Gesicht bekommt, geschweige denn viel mit ihnen redet. Eine andere Freundin kocht regelmäßig mit ihren Mitbewohnerinnen und verbringt sehr viel Zeit mit ihnen. Außerdem kenne ich WGs, in denen alles akribisch geregelt ist, zum Beispiel, wer wann wo putzt oder was einkaufen geht. Andere leben komplett ohne Putzplan oder Absprachen, aber es funktioniert trotzdem.
Ich selbst wohne in einer Vierer-WG. Fast zeitgleich mit mir ist eine meiner Mitbewohnerinnen ebenfalls neu eingezogen, sodass quasi eine komplett neue Konstellation zustande kam. Deshalb haben wir uns erst einmal alle zusammengesetzt, um ein paar Absprachen zu treffen. Bevor ich in die WG eingezogen bin, gab es die Regel, dass jeder seinen eigenen Kram in der Küche besitzt. Das bedeutet, dass jeder seine eigenen Teller, Tassen und Töpfe hat, die sonst keiner benutzen darf. Wir waren uns zum Glück einig, dass diese Regel getrost abgeschafft werden konnte und führten stattdessen in unserer Küche den Kommunismus ein: Wir teilen uns ab jetzt so viel wie möglich. Meine beiden Mitbewohner, die schon länger in der WG wohnen, beförderten jeweils quasi eine eigene Ausstattung an Küchenutensilien zu Tage, weswegen wir vieles jetzt sogar doppelt und dreifach besitzen. Auch mit Haushaltsgeräten wie Sandwichmaker oder Waffeleisen sind wir ziemlich gut ausgestattet und benutzen diese gemeinschaftlich. Neben Geschirr, Töpfen und anderen Gerätschaften haben wir außerdem beschlossen, dass wir ab jetzt auch Obst, Gemüse, Kartoffeln, Mehl, Tee und einige andere Lebensmittel aus unserer WG-Kasse bezahlen und teilen. Natürlich hat nach wie vor jeder auch seine eigenen Sachen für sich alleine, aber ich finde, dass Teilen in einer WG für ein gutes Zusammenleben sehr wichtig ist. Bisher klappt das bei uns auch ziemlich gut und ich bin froh, in keiner Zweck-WG zu wohnen.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  14.11.2016
Autor: Franziska
Rubrik: studium
14.11.2016

100 erste Tage an der Uni

Exkursion: Praha - Na Slatinach

Es ist ein sommerlicher Wochentag in der tschechischen Hauptstadt. Die Haltestangen im Bus kleben. Junge Frauen tragen kurze T-Shirts von ihren Lieblingsbands („Hostenträger Industry“) oder haben sich den Namen der Band gleich auf den Unterarm tätowiert („Krystof“). Wo geht die Reise hin? In den Süden der Stadt, in die Kolonie „Na Slatinach“, an deren Grenzen zugleich die Stadt endet. Mein Begleiter ist „Praha Neznama“ („Unbekanntes Prag“), ein Buch, dass Petr Ryska jüngst veröffentlicht hat. Es ist ein Buch von einem Prager für Prager, die die versteckten Besonderheiten ihrer Stadt kennenlernen möchten. So mache auch ich mich auf ins Abenteuer.
Die Bilder im Buch machen unheimlich Lust auf einen Spaziergang: bewohnte Zugcontainer, rostige Karossen, wuchernde Hecken. Die Kolonie „Na Slatinach“ wird heute als Gartenanlage bezeichnet. In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik nach 1918 lebten hier arme Menschen in heruntergekommenen Holzhäusern. Und bis heute hat sich im Grunde genommen wenig geändert. Ich komme an einer Polizeistation vorbei. In „Unbekanntes Prag“ lese ich, dass sie hier errichtet wurde, um die Kolonie zu überwachen. Regelmäßig wird hier auch heute noch Streife gefahren. Mit dem Buch in der Hand laufe ich durch die schmalen Gassen. Die Buden, die den Eindruck von Wochenendhäuschen machen, scheinen verlassen. Doch dort hängt frisch gewaschene Wäsche auf der Leine. Und da! Habe ich da nicht gerade ein Kind lachen gehört?
Vereinzelt erblicke ich einige Bewohner. Man beobachtet mich mit Misstrauen. Die Gardinen werden zur Seite geschoben und dahinter hevorgelugt, durch die Zwischenräume im Gartenzaun hindurch werde ich gemustert. Ich fühle mich furchtbar. Ich bin kein Tscheche und selbst wenn ich einer wäre: Was habe ich hier verloren? Diese Menschen wollen hier bestimmt nicht gestört werden.
Die Sonne senkt sich langsam. Ich versuche, schneller zu gehen, nehme Abkürzungen, klappe das Buch mit der Karte zu. Ich will hier nicht mehr sein. Hinter einem Gartenzaun steht ein junger, groß gewachsener Muskelmann neben seiner Oma. Er wiegt einen Baseballschläger in den Händen. Sie bedeutet mir mit einem Kopfschütteln, dass ich hier nichts zu suchen habe. Ich eile weiter. Man blickt mir hinterher. Ich mache, dass ich schnell wieder zur Bushaltestelle zurückkomme.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  27.10.2016
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
27.10.2016