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100 erste Tage an der Uni

Exkursion: Praha - Na Slatinach

Es ist ein sommerlicher Wochentag in der tschechischen Hauptstadt. Die Haltestangen im Bus kleben. Junge Frauen tragen kurze T-Shirts von ihren Lieblingsbands („Hostenträger Industry“) oder haben sich den Namen der Band gleich auf den Unterarm tätowiert („Krystof“). Wo geht die Reise hin? In den Süden der Stadt, in die Kolonie „Na Slatinach“, an deren Grenzen zugleich die Stadt endet. Mein Begleiter ist „Praha Neznama“ („Unbekanntes Prag“), ein Buch, dass Petr Ryska jüngst veröffentlicht hat. Es ist ein Buch von einem Prager für Prager, die die versteckten Besonderheiten ihrer Stadt kennenlernen möchten. So mache auch ich mich auf ins Abenteuer.
Die Bilder im Buch machen unheimlich Lust auf einen Spaziergang: bewohnte Zugcontainer, rostige Karossen, wuchernde Hecken. Die Kolonie „Na Slatinach“ wird heute als Gartenanlage bezeichnet. In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik nach 1918 lebten hier arme Menschen in heruntergekommenen Holzhäusern. Und bis heute hat sich im Grunde genommen wenig geändert. Ich komme an einer Polizeistation vorbei. In „Unbekanntes Prag“ lese ich, dass sie hier errichtet wurde, um die Kolonie zu überwachen. Regelmäßig wird hier auch heute noch Streife gefahren. Mit dem Buch in der Hand laufe ich durch die schmalen Gassen. Die Buden, die den Eindruck von Wochenendhäuschen machen, scheinen verlassen. Doch dort hängt frisch gewaschene Wäsche auf der Leine. Und da! Habe ich da nicht gerade ein Kind lachen gehört?
Vereinzelt erblicke ich einige Bewohner. Man beobachtet mich mit Misstrauen. Die Gardinen werden zur Seite geschoben und dahinter hevorgelugt, durch die Zwischenräume im Gartenzaun hindurch werde ich gemustert. Ich fühle mich furchtbar. Ich bin kein Tscheche und selbst wenn ich einer wäre: Was habe ich hier verloren? Diese Menschen wollen hier bestimmt nicht gestört werden.
Die Sonne senkt sich langsam. Ich versuche, schneller zu gehen, nehme Abkürzungen, klappe das Buch mit der Karte zu. Ich will hier nicht mehr sein. Hinter einem Gartenzaun steht ein junger, groß gewachsener Muskelmann neben seiner Oma. Er wiegt einen Baseballschläger in den Händen. Sie bedeutet mir mit einem Kopfschütteln, dass ich hier nichts zu suchen habe. Ich eile weiter. Man blickt mir hinterher. Ich mache, dass ich schnell wieder zur Bushaltestelle zurückkomme.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  27.10.2016
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
27.10.2016

100 erste Tage an der Uni

Die erste Woche

Die ersten Tage an der Uni habe ich erfolgreich hinter mich gebracht. In der Woche vor Vorlesungsbeginn fand eine Orientierungswoche für alle Erstis statt. Diese bestand aus zwei Teilen: Einem offiziellen Teil mit Infoveranstaltungen zum Aufbau des Studiums, zu Auslandssemester und Praktika, was tatsächlich interessanter war, als ich gedacht hatte. Der zweite, inoffizielle Teil war trotzdem ein bisschen wichtiger. Die Fachschaft, also Studierende aus höheren Semestern, organisierte für uns ein abwechslungsreiches Programm, das eine Stadtrallye durch Marburg, gemeinsames Grillen an der Lahn, eine Nachtwanderung und unzählige Kennenlernspiele beinhaltete. Dadurch ist es mir zum Glück ziemlich leicht gefallen, meine Kommilitonen kennenzulernen, neue Freunde zu finden und viel Spaß zu haben.
Als dann das Semester richtig losging, fand ich trotzdem erst einmal alles noch neu und überfordernd. Was eine Vorlesung ist wusste ich zwar, aber was ist genau der Unterschied zwischen einer Übung und einem Tutorium? Und was ist überhaupt das akademische Viertel? Diese und weitere Fragen klärten sich zum Glück relativ schnell, sodass das Studium und die Universität nach ein paar Tagen gar nicht mehr so furchteinflößend wirkten wie am Anfang.
Ein paar Unklarheiten gibt es aber natürlich trotzdem noch. Zum Beispiel finde ich die Raumnummerierung im Hörsaalgebäude noch ziemlich verwirrend, weswegen ich mich ständig verlaufe. Außerdem habe ich noch keine Ahnung davon, welches Lehrbuch ich mir für welches Modul am besten zulegen sollte und welches ich mir in der Bibliothek ausleihen kann. Alles in allem bin ich mit meiner ersten richtigen Uniwoche aber zufrieden. Über meinen Stundenplan bin ich besonders glücklich, weil ich nur zweimal früh aufstehen muss und freitags sogar komplett frei habe. Allerdings muss ich für all meine Module jedes Mal lange Texte für die darauf folgende Woche lesen, sodass ich den freien Tag auch gut gebrauchen kann.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  25.10.2016

100 erste Tage an der Uni

Hin und Her

Kaum habe ich mich in meinem WG-Zimmer in Marburg richtig eingerichtet und die Stadt ein bisschen kennengelernt, musste ich schon wieder meine Tasche packen und mich in den Zug Richtung Heimat setzen. Grund dafür waren ein paar Termine und Verabredungen mit Freunden und ehemaligen Kollegen. Knapp eine Woche später ging es dann wieder zurück nach Marburg. Ich lernte endlich meine neue Mitbewohnerin kennen, die kurz nach mir eingezogen ist, und wurde zu einer WG-Party eingeladen, die ich nicht verpassen wollte. Außerdem musste ich mich dringend mit dem Marburger Busfahrplan vertraut machen, bevor das Semester startet. Für mich als Landei ist es nämlich eine komplett neue Erfahrung, dass mehrmals stündlich verschiedene Linienbusse fahren, was anfangs ganz schön verwirrend sein kann. Trotzdem dauerte mein Aufenthalt in Marburg wieder nur eine Woche, bevor ich erneut zurück zu meinen Eltern gefahren bin. Diesmal wegen des jährlichen Weinfestes in meinem Heimatort. Als Kontrastprogramm zu Marburg, wo ich bisher nur eine paar wenige Leute kenne, habe ich dort gefühlt alle meine Freunde und Bekannte getroffen.
Aktuell befinde ich mich wieder in Marburg. Das ganze Hin und Her in den vergangenen Wochen war ziemlich anstrengend. Ständig musste ich meine Tasche packen, fast so, als würde ich irgendwohin zu Besuch kommen. Es ist ein komisches Gefühl, an zwei Orten zu wohnen, aber nirgends richtig zu leben. Mein altes Zimmer im Haus meiner Eltern sieht nicht mehr richtig bewohnt aus, weil ich einige meiner Möbel sowie den Großteil meiner Sachen beim Umzug mitgenommen habe. Und mein WG-Zimmer in Marburg sowie die Stadt selbst sind mir noch nicht vertraut genug, um mich dort richtig zu Hause zu fühlen. Da das Semester nun angefangen hat, werde ich jetzt aber erst einmal in Marburg bleiben – und mich hoffentlich richtig einleben.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  18.10.2016
Autor: Franziska
Rubrik: studium
18.10.2016