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E-Assessment

Online zum Erfolg

An den Rechner, fertig, los: Wer auf der Jagd nach seinem Traumjob ist, muss bei der Bewerbung mittlerweile bei vielen großen Unternehmen Tests im Internet durchlaufen. Auch an einigen Hochschulen werden E-Assessments inzwischen für das Auswahlverfahren genutzt. Und immer häufiger ersetzt dort der Computer auch die Klausur mit Papier und Kuli.

Auf dem Foto ist Shirin Over an einem Schreibtisch sitzend zu sehen. Vor ihr stehen ein Laptop und eine Kaffeetasse. Sie hat lange braune Haare hinten zusammengefasst,  trägt eine blaue Bluse mit einer schwarzen Strickjacke darüber.

Shirin Over hat ihr Online-Assessment erfolgreich bestanden.

Foto: Privat

Shirin Over hat ihr erstes Online-Assessment hinter sich und damit einen dualen Studienplatz ergattert. Nun studiert sie im zweiten Semester Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Ingolstadt und absolviert gleichzeitig ein Traineeprogramm im IT-Bereich der Media-Saturn-Unternehmensgruppe. Derzeit ist die 19-Jährige in der Abteilung Corporate IT Security im Einsatz. Zehn Studienplätze in diesem Fach vergibt Media-Saturn pro Jahr. Nach der Bewerbung durchläuft eine Auswahl von Kandidaten das Online-Assessment, die hier Ausgewählten werden dann im klassischen Assessment-Center nochmals geprüft. „Das Online-Assessment unterstützt unsere Vor-Auswahl. Wir können so die Bewerber identifizieren, die auch das Studium schaffen können“, sagt Kirsten Seiler, Senior Specialist Talent Relations bei Media-Saturn.

Anders als klassische Assessment-Verfahren finden Online-Assessments daheim am PC statt, und damit nicht unter Beobachtung von Personalentscheidern. Auch Gruppenübungen sind nicht möglich. Inhaltlich gibt es aber viele Ähnlichkeiten – so wird beispielsweise häufig logisches oder analytisches Denken abgefragt.

Uhr tickt auch beim Online-Test

Shirin Over war aufgeregt, als sie von dem Online-Assessment erfuhr, „aber das legte sich schnell wieder“, erinnert sie sich. Eine gezielte Vorbereitung war nicht möglich. „Es ist ein bisschen wie ein IQ-Test. Ich musste Zahlenreihen fortschreiben, Synonyme für Wörter finden, Prozentrechnen und Textaufgaben lösen“, erinnert sich Shirin Over. Kirsten Seiler ergänzt: „Das ist nichts aus der Luft Gegriffenes. Gute Schüler wissen, was zu tun ist.“ 55 Minuten Zeit haben die Bewerber, nachdem sie zu Hause die zuvor verschickten Zugangsdaten im Internet eingegeben und den Test gestartet haben. Bei den einzelnen Übungen läuft die Zeit, zwischen den Übungen dürfen sie jedoch pausieren. Shirin Over bewertet das Online-Assessment im Nachhinein positiv: „Ich fand es recht gut – besser als das Assessment im Unternehmen, wenn so viele andere dabei sind.“

Was aber, wenn man durchrasselt? Rainer Thiel, Berater im Team akademische Berufe der Agentur für Arbeit Lüneburg, sagt: „Wenn man bei einem Online-Assessment nicht besteht, heißt das nicht gleich, dass man für den Beruf nicht geeignet ist. Es heißt nur, dass andere Bewerber besser in das von diesem Unternehmen geforderte Anforderungsprofil passen.“

Eine andere Form von Assessment im Internet ist das Self-Assessment, das für die allgemeine Berufs- und Studienorientierung genutzt und auch von einigen Unternehmen auf ihren Karriereseiten angeboten wird. Hierbei können Bewerber in einem unverbindlichen Test eine Selbsteinschätzung vornehmen und überprüfen, für welche Jobs sie geeignet sind oder ob ihr Profil den Anforderungen eines Unternehmens genügt. Dabei bekommen nur sie selbst die Ergebnisse des Tests.

E-Klausuren für Massenstudiengänge

Auch an Hochschulen hält das E-Assessment Einzug: Nicht nur zur Identifizierung geeigneter Studienbewerber, sondern auch als computergestütztes Klausur- und Prüfungsinstrument. „E-Assessments spielen bei der Zulassung für einen Studienplatz eine immer größere Rolle“, weiß Rainer Thiel. An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg zum Beispiel ist ein Online-Selbsttest vor der Bewerbung für die meisten Bachelor-Studiengänge Pflicht.

Daneben nutzen immer mehr Hochschulen, etwa die Unis in Mainz, Kassel und Bremen, Computer-Klausuren während des Studiums, um den steigenden Studierendenzahlen Rechnung zu tragen. „Entstanden sind diese E-Assessments unter anderem, um in Massenstudiengängen wie der BWL die Korrektur von Klausuren zu erleichtern“, erklärt Jens Bücking vom Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML) der Universität Bremen. Auch die Verwaltung der Ergebnisse ist dadurch deutlich erleichtert und die gespeicherten Fragen können für spätere Klausuren leicht wieder verwendet werden.

Geprüft werden kann nicht nur mit Multiple-Choice-Fragen, sondern auch mit Freitext-Aufgaben. „Der Prüfer kann festlegen, welche Termini in einer Freitext-Antwort genannt werden müssen, damit die Frage richtig beantwortet ist. Essaytexte sind getippt zumindest besser leserlich für die Prüfer als handschriftliche Antworten“, sagt Jens Bücking. Das Vorurteil, dass die Studierenden bei Multiple-Choice-Fragen viel durch Raten lösen könnten, kommentiert Jens Bücking so: „Wenn die Fragen gut und richtig gestellt worden sind, kann man auch bei Multiple-Choice eine gute Prüfungsqualität erreichen.“

Erste Auswahl für Unternehmen

Unternehmen sehen in den Online-Assessments ein sehr hilfreiches Instrument, schnell und kostengünstig eine erste Auswahl zu treffen. „Bei den unterschiedlichen Abschlüssen wie Bachelor, Master, Diplom fällt es teilweise schwer, die Leistungsfähigkeit der Bewerber einzuschätzen“, sagt etwa Lars Meuser, der bei Tchibo für die Assessments zuständig ist. „Bei einem Online-Assessment hängt die Messlatte für alle auf dem gleichen Niveau.“

Doch es gibt auch Kritikpunkte: So kann nicht überprüft werden, ob für alle Bewerber die gleichen Bedingungen herrschten, etwa technischer Art, oder ob die Kandidaten wirklich selbst die Aufgaben erfüllt haben. Dass die Bewerber eventuell einen oder mehrere Freunde an ihrer Stelle an den Rechner setzen könnten, glaubt Lars Meuser nicht. „Das ist bei unseren Tests zeitlich kaum denkbar, außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand, der den Job wirklich will, sein Glück in fremde Hände legt. Und spätestens in dem bei uns folgenden Life Assessment würde er oder sie sich outen.“

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