Daten schützen und über Bedrohungen aufklären
Die virtuelle Welt ist sein Arbeitsplatz: Marcello Bellini kümmert sich als IT-Sicherheitskoordinator darum, streng vertrauliche Daten seines Arbeitgebers vor Angriffen von außen zu schützen. Im Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg überwacht der 34-Jährige Netzwerke und Server, installiert IT-Sicherheitssysteme und schult andere Mitarbeiter.
IT-Sicherheitskoordinatoren verstehen bei Programmiercodes nicht nur Bahnhof.
Foto: Rehm/WillmyCC
Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg ist eine Forschungseinrichtung zur Analyse von internationalen Kriminologiestrukturen und Strafrechtssystemen. Anhand von Daten, die empirisch erhoben wurden, sollen hier unter anderem die Ursachen von Kriminalität erforscht und Präventivmaßnahmen entwickelt werden.
Das Institut arbeitet mit sensiblen Daten von Polizei und Staatsanwaltschaft, sammelt sie und wertet sie aus. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die vor allem von den Mitarbeitern absolute Verschwiegenheit verlangt. Entsprechend müssen auch sämtliche Daten vor Zugriffen von Unbefugten geschützt werden. Dieser Aufgabe hat sich Marcello Bellini verschrieben. Nach seiner Ausbildung zum Fachinformatiker, die er ebenfalls beim Max-Planck-Institut absolvierte, bildete er sich 2004 zum IT-Sicherheitskoordinator weiter. „Natürlich hatte ich schon während der Ausbildung mit Datensicherheit zu tun. Durch die Weiterbildung bei einem privaten Bildungsträger, die innerhalb des Europäischen Sozialfonds finanziell komplett getragen wurde, konnte ich mein Wissen aber spezialisieren und mehr Verantwortung übernehmen“, sagt der 34-Jährige.
Hackerangriffe unterbinden
Die Weiterbildung absolvierte er während seines Jobs. Er arbeitete Vollzeit, wurde aber zu Teilen freigestellt – und büffelte auch mal am Wochenende. Mit Unterstützung eines Fachbegleiters aus seinem Unternehmen und eines Lernprozessbegleiters der Cert-IT, der Zertifizierungsstelle für IT-Fachkräfte, führte er innerhalb von sechs Monaten ein praktisches Projekt durch. Marcello Bellini installierte dazu - aufbauend auf einer IT-Grundschutzanalyse seines Unternehmens - ein sogenanntes Intrusion-Detection-System. „Das ist ein System zur Erkennung von Hackerangriffen auf unsere Netzwerke und Server. Es ergänzt und optimiert die weiteren Sicherheitssysteme“, erklärt der IT-Sicherheitskoordinator, der zum Abschluss seiner Prüfung das Projekt präsentierte und in einem Fachgespräch mit einem Cert-IT-Prüfer verteidigte.
In Ergänzung zur Projektarbeit besuchte der gebürtige Lörracher unter anderem Schulungen im Bereich des IT-Grundschutzes. Auch in seiner Freizeit musste er viel Neues lernen. „Es ist unverzichtbar, dass ich auch heute immer up to date bleibe, was EDV- und Netzwerktechnik im Allgemeinen betrifft, und natürlich muss ich immer wissen, welche neuen Bedrohungen es gibt“, sagt er.
Zu 80 Prozent ist Marcello Bellinis Arbeitstag klar durchstrukturiert: Er überwacht etwa 50 Server mit 150 angeschlossenen Arbeitsplatzrechnern. „Alles muss penibel dokumentiert werden, wir führen regelmäßig Sicherheitstests durch und updaten die Systeme“, sagt der 34-Jährige, der die Mitarbeiter des Unternehmens schult und in allen Sicherheitsfragen Ansprechpartner ist. Unter anderem informiert er darüber, welche E-Mails nicht geöffnet werden sollten oder welche Internetseiten eine Bedrohung darstellen könnten. Auch das sogenannte Social Engineering, eine kriminelle Methode zur Beschaffung von Informationen mit oder ohne technische Hilfsmittel, ist ein Problem, womit sich der IT-Sicherheitskoordinator beschäftigt. Hacker gaukeln etwa falsche Identitäten vor, um beispielsweise an Passwörter zu kommen. Bellini versucht, diese Machenschaften schon im Vorfeld durch Aufklärung zu unterbinden.
„Außerdem bin ich im Bereich IT-Sicherheit verantwortlich für die Ausbildung unserer angehenden Fachinformatiker“, sagt Marcello Bellini. Neben dem technischen Verständnis seien in seinem Job Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Geduld vonnöten. „Man muss die Bereitschaft mitbringen, selbst immer dazulernen zu wollen, sich ein großes Spektrum an Wissen aneignen und man sollte auch die englische Sprache beherrschen“, sagt der IT-Sicherheitskoordinator, der es besonders schätzt, dass sein Job vielseitig und abwechslungsreich ist. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es auch in der IT-Sicherheit nicht, gerade im Zeitalter der sozialen Netzwerke, in denen man oft leichtfertig Daten freigibt“, sagt Marcello Bellini, der mittlerweile auch ein Fernstudium der Fachrichtung Informatik abgeschlossen hat. „Bisher aber konnten wir durch unsere gewissenhafte Arbeit und sorgfältige Beobachtung ernsthafte Schäden abwenden und dafür werde ich mich auch in Zukunft mit all meinem Know-how einsetzen“, sagt er.




