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Fachhumangenetiker

Das muss in den Genen liegen

"Die Genetik fand ich schon während meiner Schulzeit besonders interessant", erzählt Dr. Frank Dechend. Der 40-Jährige hat deshalb nicht nur Biologie studiert, sondern anschließend noch eine Weiterbildung zum Fachhumangenetiker (GfH) absolviert. Heute arbeitet er als Laborleiter im Zentrum für Humangenetik in Hildesheim.

Das Foto zeigt Frank Dechend in einem Labor. Er hat kurze graue Haare, trägt eine Brille und einen weißen Kittel.

Er ist Erbkrankheiten auf der Spur: Frank Dechend.

Foto: Privat

Frank Dechends Schulzeit liegt schon ein wenig zurück, und seither hat die Wissenschaft in Sachen Genetik enorme Fortschritte gemacht. Analysen der DNS (Desoxyribonukleinsäure oder -acid (DNA) = Biomolekül, das sämtliche Erbinformationen eines Lebewesens trägt) werden in manchen Teilen der Welt sogar durchgeführt, um die Urheber von Hundehäufchen aufzuspüren. Frank Dechends Aufgaben sind da weit weniger profan: In einer Gemeinschaftspraxis von Gynäkologen und einem Facharzt für Humangenetik untersuchen er und sein Team vor allem die genetische Veranlagung von Eltern, deren Kinderwunsch sich bislang nicht erfüllt hat. „Wir versuchen herauszufinden, woran das liegt“, so Frank Dechend. Außerdem untersucht er Fruchtwasserproben, Blut oder Mundschleimhaut auf erblich bedingte Erkrankungen.

1990 begann er sein Biologiestudium an der Universität Hannover, acht Jahre später, nachdem er bereits erfolgreich im Fach Humangenetik promoviert hatte, entschied er sich für die Weiterbildung zum Fachhumangenetiker – aus persönlichen und pragmatischen Gründen: Er fand es schöner, Untersuchungen durchzuführen, die tatsächlich ein handfestes, verwertbares Diagnoseergebnis bringen, statt als Biologe in der Forschung nach dem Prinzip „trial and error“ zu arbeiten. Zudem schätzte er dort seine Berufschancen schlechter ein: „Man bekommt in der Regel nur Zeitverträge und steht unter einem hohen Erfolgsdruck.“

Hohe moralische und ethische Verantwortung

Nicht dass er als Laborleiter ein sorgenfreies, lockeres Leben hätte. „Ich habe als Fachhumangenetiker eine hohe moralische und ethische Verantwortung“, schildert der gebürtige Hannoveraner seinen Arbeitsalltag, „beispielsweise, wenn das Ergebnis einer Fruchtwasseruntersuchung am Ende zu einer Abtreibung führt.“ Das sei manchmal schon belastend.

Die Weiterbildung zum Fachhumangenetiker ist von der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) verbandsintern geregelt und dauert fünf Jahre. Während der ersten 36 Monate arbeitete Frank Dechend am Institut für Humangenetik der Medizinischen Hochschule Hannover. Die übrigen 24 Monate absolvierte er ab 2001 in einem Privatlabor in Hildesheim – bei seinem heutigen Arbeitgeber, einem Facharzt für Humangenetik, der von ihm so überzeugt war, dass er ihn anschließend als Laborleiter übernahm. „Learning by doing“, beschreibt Frank Dechend die Zeit in der Weiterbildung, für die er als Angestellter Gehalt bezog. „Das war ein Vollzeit-Job, bei dem man Methoden und Techniken lernt und eine bestimmte Anzahl von Fällen bearbeiten muss“, erläutert der 40-Jährige. Beispielsweise sieht die Weiterbildungsregel der GfH derzeit unter anderem mindestens zehn pränatale Diagnosen und 50 Analysen von Nukleinsäuren im Bereich Molekulare Genetik vor.

Kein direkter Patientenkontakt

Aufgrund der Regelungen von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung können Fachhumangenetiker nicht selbstständig arbeiten, müssen also bei einem Mediziner angestellt sein. Daneben können sie an Forschungsinstituten, Hochschulen und in der Pharmaindustrie arbeiten.

Vor den Ärzten habe er Respekt, meint Frank Dechend, müssen die sich doch direkt mit den Patienten und deren Diagnosen auseinander setzen. Als Fachhumangenetiker hat er selbst in der Regel keinen direkten Kontakt zu Erkrankten. „Wer das also haben möchte, sollte sich lieber für ein medizinisches Studium entscheiden“, rät er. Neben seiner Tätigkeit im Labor gibt er sein Wissen und seine Erfahrung an der Universität Hildesheim als Lehrbeauftragter für Humangenetik an die Studierenden weiter – quasi als Nebenjob.

An seiner Arbeit als Laborleiter schätzt er den hohen Freiheitsgrad, das selbstständige Arbeiten, die Abwechslung und den Bezug zum Menschen. „Es ist kein 08/15-Job“, meint er, wobei er sich weniger als Leiter, denn als Organisator fühlt. „Meine Mitarbeiter und ich sind aufeinander angewiesen.“ Die eigentlichen Tests der meist per Post angelieferten Proben führt er nicht selbst durch, sondern prüft am Ende deren Resultate und verfasst die entsprechenden Berichte. „Die Humangenetik betrifft fast alle medizinischen Bereiche“, erläutert Frank Dechend, „man muss sich als Fachhumangenetiker also einer großen gesellschaftlichen Verantwortung stellen.“

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