Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Kunz (53) ist seit sechs Jahren Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes Deutscher Humangenetiker e.V. (BVDH). Er ist Leiter eines zytogenetischen, also mit der Chromosomenforschung befassten, Labors in Berlin.
abi>>: Welches sind die wichtigsten Tätigkeitsfelder eines Fachhumangenetikers?
Jürgen Kunz: Fachhumangenetiker sind als qualifizierte Naturwissenschaftler im
diagnostischen humangenetischen Labor tätig. Hier analysieren sie Veränderungen auf der Ebene von Chromosomen, der DNA oder von Proteinen, die Ursache von genetisch bedingten Krankheiten sein können. Dazu setzen sie im Labor Zellkulturen an, arbeiten Nukleinsäuren auf und analysieren Chromosomen im Mikroskop. Anschließend bewerten sie die Untersuchungsergebnisse und fassen diese als Befundberichte ab. Nicht zu vergessen: Auch Personalführung, Verwaltungs- und Organisationsaufgaben gehören dazu.
abi>>: Hat man als Fachhumangenetiker direkten Kontakt zu Patienten?
Jürgen Kunz: In der Regel nicht. Wir beraten Ärzte im Vorfeld einer genetischen Untersuchung beziehungsweise erläutern diesen die Befundberichte.
abi>>: Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es für die Weiterbildung?
Jürgen Kunz: Der Fachhumangenetiker ist eine von der Gesellschaft für Humangenetik (GfH) geregelte und zertifizierte Weiterbildung. Sie wird an Hochschulinstituten für Humangenetik oder Medizinische Genetik sowie an Einrichtungen, die von der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) als Weiterbildungsstätten zugelassenen wurden, durchgeführt und dauert in der Regel fünf Jahre. Notwendig ist ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches Studium. Eine Promotion im Fach Humangenetik ist nicht von Nachteil.
abi>>: Wie beurteilen Sie die Berufschancen von Fachhumangenetikern?
Jürgen Kunz: Im Grunde genommen gut. Eine Anstellung dürften die meisten sicher finden. Wer aber mehr erreichen, sich etwa als Laborleiter selbstständig machen möchte, scheitert an der Ärzte-Lobby. Ein Fachhumangenetiker kann nur zusammen mit einem Mediziner ein Labor betreiben. Für einen hochqualifizierten Naturwissenschaftler mag das durchaus als einschränkend empfunden werden. Aber man bewegt sich eben in einem medizinischen Fachgebiet.






