Zwischen Papierflieger und Politik
Die Politik liegt ihr im Blut. "Wenn man sich engagiert, kann man auch etwas bewegen", sagt Miriam Gruß, Bundestagsabgeordnete der FDP. Bisher hat die Nachwuchspolitikerin und junge Mutter alle Ziele erreicht, die sie sich selbst gesteckt hat.
Am Wochenende bastelt die Politikerin Miriam Gruß Kastanienmännchen mit ihrem Sohn.
Foto: Privat
Der Tag beginnt mit einem frischen Apfel-Karotten-Ingwersaft. Zumindest für Miriam Gruß. „Das ist wie ein tägliches Ritual", meint die 33-Jährige. Der morgendliche Trank stärkt und macht sie fit für den Alltag. „Ich bin mir darüber bewusst, ein Greenhorn zu sein", sagt sie kritisch über sich selbst. Gegenüber Parteigranden wie dem Fraktionsvorsitzenden der FDP Guido Westerwelle oder dem früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher stimmt dies sicherlich.
Von der Pike auf
Betrachtet man jedoch ihre politische Laufbahn ist sie schon lange keine Anfängerin mehr. Mit 22 Jahren trat sie in die FDP ein, wurde zwei Jahre später stellvertretende Kreisvorsitzende des Bezirks Augsburg-Stadt, schließlich Kreisvorsitzende. Etwas später dann Mitglied des geschäftsführenden Bezirksvorstandes der FDP Schwaben. 2007 schließlich Mitglied im Landesvorstand der FDP Bayern. Das Politikgeschäft hat sie also von der Pike auf gelernt.
Erstmals in den Bundestag gewählt wurde Miriam Gruß 2005, völlig überraschend kam dies für sie. „Es war ein tolles Gefühl, als ich das erste Mal im Parlament saß." An ihre erste Rede vor dem Plenum, die handgestoppte zwölf Minuten dauerte, erinnert sie sich gerne. „Das war eine sehr lange Rede, üblich sind fünf bis sechs Minuten." Souverän sprach sie, blieb äußerlich ruhig und gefasst. „Doch die Knie haben gezittert ohne Ende", blickt die Politikerin augenzwinkernd zurück.
Längst hat sie gelernt, dass in der Politik oft mit harten Bandagen gekämpft wird. „Je mehr Erfahrung man hat, desto besser kann man damit umgehen." Außerdem könne man sich von den erfahrenen Kollegen den einen oder anderen Rat holen.
Neues Kapitel
Bereut hat sie die Entscheidung, Berufspolitikerin zu werden, nicht. „Ich wollte wissen, wie Politik in der Praxis funktioniert." Deshalb engagierte sie sich bereits während ihres Studiums der Rechtswissenschaften und der Politikwissenschaften. Mit der Wahl zur Bundestagsabgeordneten gab sie ihren Job als selbstständige Wirtschaftsberaterin bei der Finanz- und Vermögensberatungsfirma MLP auf und begann, ein neues Kapitel in ihrem Lebenslauf zu schreiben.
„Anfangs fühlte ich mich wie eine Existenzgründerin", erzählt sie. Als Novizin im Bundestag organisierte sie für ihr Berliner Büro „vom Bleistift bis zu den Büromitarbeitern" alles selbst. Heute ist ihr Tagesablauf äußerst durchstrukturiert. Montags Anreisetag aus ihrer Heimatstadt Augsburg. Hintergrundgespräche mit Kollegen und Journalisten. Besprechung der Woche. An den Dienstagen Gremiensitzungen, Arbeitsgruppentreffen, Fraktionssitzung. Abends so genannte Parlamentarische Abende, ebenso vertrauliche Hintergrundgespräche. „Mittwochs findet die Familienausschußsitzung statt."
Miriam Gruß bringt „federführende parlamentarische Initiativen", also zum Beispiel Vorschläge für neue Gesetze ein, in denen es zum Beispiel um die Familienfreundlichkeit von Betrieben oder um den Kinderschutz in Deutschland geht. Themen, die der kinder- und jugendpolitischen Sprecherin der FDP-Fraktion am Herzen liegen.
Wochenenden mit Nikolas
Als Mutter des heute vierjährigen Nikolas weiß sie genau, was es bedeutet, Karriere und Familienleben miteinander zu vereinbaren. Sehr lange suchte sie zunächst nach einem Betreuungsplatz für ihr Kind, bis schließlich ihr Ehemann einsprang und im ersten Jahr die Erziehung übernahm. „Nach einigen Turbulenzen zu Beginn ist jetzt Ruhe eingekehrt." Miriam Gruß' Eltern sind nun unter der Woche für den Nachwuchs da.
Am Wochenende pendelt Miriam Gruß nach Hause - dann werden Kastanienmännchen gebastelt, Laub gesammelt und mit dem Kleinen Kuchen gebacken. „Ich habe immer nach Wegen gesucht, Politik und Erziehung in Einklang zu bringen." Sie rät: „Man muss sich rechtzeitig einen Unterstützerkreis aufbauen, sowohl beruflich als auch privat, und sich nicht scheuen, Hilfe aktiv einzufordern." Ihren Leitspruch setzt sie täglich um: „Finde deinen eigenen Weg, sei mutig und ergreife deine Chancen."

