Das tut die Politik
Viele Frauen in Führungspositionen? Fehlanzeige! Dabei zeigt die Politik seit Jahren viel Engagement, um die Karriere- und Aufstiegschancen von Frauen zu verbessern. Auch eine Frauenquote ist Thema - sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft.
Die Politik zeigt schon seit Jahren Engagement
Foto: WillmyCC
Das i-Tüpfelchen einer wissenschaftlichen Karriere ist die Berufung auf eine Professur. Bis dahin ist es ein langer Weg – den immer noch mehr Männer als Frauen gehen. Nach aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) waren 2009 lediglich 18 Prozent der Professorenstellen mit Frauen besetzt. Um das zu ändern, hat das BMBF im Jahr das Professorinnenprogramm gestartet, das engagierten Nachwuchswissenschaftlerinnen unter die Arme greifen soll. Bis zu drei Professorenstellen können Hochschulen dadurch mit Frauen besetzen – mit finanzieller Unterstützung von Bund und Ländern. „Auf lange Sicht wird dadurch sichergestellt, dass Frauen an Hochschulen auf Strukturen treffen, die ihnen die gleichen Chancen bieten wie ihren männlichen Mitbewerbern“, betont Christina Hadulla, Leiterin des Referats „Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung“ beim BMBF.
Für Chancengleichheit in der Wirtschaft, beispielsweise durch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, setzt sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit verschiedenen Maßnahmen ein. Ein Baustein ist das Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“, das Familienfreundlichkeit zu einem Markenzeichen der deutschen Wirtschaft machen möchte. Herzstück des Programms ist ein Netzwerk, in dem sich Unternehmen und Institutionen zu ihrer familienbewussten Personalpolitik bekennen und sich dafür engagieren. Firmen können aber auch am gleichnamigen Wettbewerb teilnehmen und zeigen, wie sie Familienfreundlichkeit verwirklichen. „In Zeiten eines ständig wachsenden Wettbewerbs und eines zunehmenden Fachkräftemangels können Unternehmen mit einer frauen- und familienfreundlichen Personalpolitik ihre Attraktivität für gut ausgebildete Nachwuchskräfte steigern“, ist Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, überzeugt.
Frauenquote in der Diskussion
Einen Schritt weiter als Förderprogramme geht die Frage, ob eine Frauenquote für Führungspositionen in Wirtschaft und Wissenschaft eingeführt werden sollte – was derzeit in beiden Bereichen diskutiert wird. Während sich Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder für eine flexible Quote ausspricht, die börsennotierte Unternehmen dazu verpflichtet, selbst eine Frauenquote für Vorstand und Aufsichtsrat festzusetzen (siehe „Frauen an die Spitze“), hat sich in der Wissenschaft im Laufe der Quotendiskussion das sogenannte Kaskadenmodell entwickelt, wie Christina Hadulla vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erklärt: „Danach soll sich der Anteil von Frauen, der auf der vorherigen
Qualifikationsstufe vorhanden ist, auch auf der nächsten Stufe wiederfinden. Sind zum Beispiel in der Medizin 50 Prozent der Promovierten Frauen, sollte bei den Nachwuchsstellen im Forschungsbereich ebenfalls die Hälfte mit Frauen besetzt sein. Bei den Ingenieuren haben wir nur knapp 20 Prozent weibliche Absolventen, also erwarten wir auch bei den nachfolgenden Positionen 20 Prozent.“
Doch egal, ob die Frauenquote kommt oder nicht: Es gibt einige Punkte, bei denen Frauen selbst ansetzen können, um ihre Karrierechancen zu verbessern. Ein großes Netzwerk aufzubauen und zu pflegen, schätzen sowohl Christina Hadulla als auch Josef Hecken als sehr wichtig ein. „Allerdings stehen Frauen gerade im beruflichen Alltag solche Netzwerke weniger zur Verfügung“, berichtet Josef Hecken. „Frauen müssen daher in ihren Unternehmen aktiv werden, Vorbilder und Mentoren suchen, Fragen stellen und Unterstützung durch Mentoring und Coaching einfordern.“ Ein weiterer Schritt sei, dass Frauen sich zeigen und ihre Leistungen und Ergebnisse angemessen präsentieren. „Außerdem müssen sie sich klar machen, dass Rückschläge nicht das Ende ihrer Karriere bedeuten müssen, sondern auch nützliche Erfahrungen sein können. Was Winston Churchill einmal gesagt hat, gilt hier ganz besonders für Frauen: ‚Erfolg haben heißt, einmal mehr aufstehen, als man hingefallen ist’.“





