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Berufe beim Fernsehen

Vor und hinter der Kamera

Wer glaubt, dass eine Fernsehsendung nur von Journalisten, Moderatoren und Kameraleuten produziert wird, irrt. Viele wirken mit, wenn eine Sendung entsteht: Redakteure, Cutter, Medienmanager — die Palette der Berufe beim Fernsehen ist breit gefächert.

Das innere eines Ü-Wagens.

Beim Fernsehen arbeiten viele unterschiedliche Berufsgruppen.

Foto: WillmyCC

Ingo Moll ist beim WDR in Köln für die Realisierung des ARD-Morgenmagazins und anderer aktueller Sendungen verantwortlich. „Meine Arbeit ist extrem abwechslungsreich und vielfältig“, sagt der Produktionsleiter. Nach dem Abitur hat er zunächst die Höhere Handelsschule besucht und danach ein zweijähriges Aufnahmeleiter-Volontariat bei der Ausbildungsgemeinschaft für Medienberufe (AGM) in Hamburg begonnen. Sie ist ein Zusammenschluss von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und kommerziellen Fernseh-Produktionsbetrieben mit dem Ziel, eine praxisorientierte und betriebsübergreifende Ausbildung anzubieten. „In dieser Zeit habe ich Stationen beim ZDF, Westdeutschen und Hessischen Rundfunk absolviert. Neben der Praxis, bei der wir bei Studio- und Außenaufnahmen am Set mit dabei waren, gab es mehrwöchige Blockseminare“, erzählt der 35-Jährige.

Spezialisten aus verschiedenen Bereichen

Foto von Ingo Moll.

Ingo Moll

Foto: Privat

Aufnahmeleiter sind verantwortlich für die Planung und den organisatorischen Ablauf von Sendungen. Doch damit Publikumsmagneten wie das Morgenmagazin, TV Total oder andere beliebte Fernsehformate über den Bildschirm flimmern können, sind viele Berufe beteiligt. Beim ARD Morgenmagazin etwa wirken viele Köpfe mit unterschiedlichen Berufsbildern mit: Im technischen Bereich Regisseure und ihre Assistenten, Kameraleute, Beleuchter, Bildtechniker, Toningenieure und Cutter. Im gestalterischen Bereich Grafiker, Masken- und Szenenbildner, Ablaufredakteure – und natürlich die Moderatoren vor der Kamera. Welche Leute aber genau bei einer Produktion zusammenarbeiten, hängt auch vom Format ab: Ob Nachrichtensendung, TV-Serie oder Fernsehfilm.

Neben Bereichen wie Journalismus, Technik, IT, gestaltende Berufe, Schauspiel und Archiv hat ein Medienunternehmen natürlich auch klassische Unternehmensabteilungen wie etwa Buchhaltung, Verwaltung, Personal, Rechtsabteilung und Öffentlichkeitsarbeit. Hier arbeiten unter anderem kaufmännische Fachkräfte wie Kaufleute für Bürokommunikation, für Marketingkommunikation sowie für Spedition und Logistikdienstleistungen. Daneben sind hier auch Juristen, Controller und Wirtschaftswissenschaftler, die zum Beispiel im Bereich Human Resources (Personal) beschäftigt sind, zu finden. In der Öffentlichkeitsarbeit können etwa auch Geisteswissenschaftler, Kommunikationswissenschaftler, Historiker und Politikwissenschaftler eine Anstellung finden.

Laut einer Studie der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten in der Bundesrepublik Deutschland (ALM), zuständig für die privaten Rundfunkanstalten, aus dem Jahr 2007 hat sich die Zahl der Beschäftigten im privaten Fernsehen von 1996 bis 2006 nahezu verdoppelt. Ende 2006 lag sie bei knapp 16.600. Vier Fünftel der Beschäftigten hatten Ende 2006 ein festes Arbeitsverhältnis. Davon waren vier Prozent Auszubildende und sechs Prozent Praktikanten sowie Hospitanten. Der Anteil der sogenannten festen freien Mitarbeiter, die für das Privatfernsehen arbeiten, lag bei zwölf Prozent. Nach Angaben der ALM hat sich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Zahl der Gesamtbeschäftigten von 1996 bis 2006 um 4.500 auf knapp 52.000 Mitarbeiter erhöht.

Einer von Ihnen ist Produktionsleiter Ingo Moll. Allerdings arbeitete auch er nach dem Volontariat zunächst ein halbes Jahr als freier Mitarbeiter für den HR, bis er ein Angebot vom WDR bekam. „Vor zehn Jahren war die Situation noch etwas einfacher“, räumt er ein. „Heute braucht man für den Einstieg sicher mehr Initiative.“ Als Produktionsleiter trägt Ingo Moll mittlerweile die organisatorische und finanzielle Gesamtverantwortung von Sendungen. Dabei spielt die Kostenkontrolle eine sehr große Rolle.

Und das dürfte bei öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk gleich sein. Deutschland hat nämlich ein sogenanntes duales Rundfunksystem, womit das gleichzeitige Bestehen öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks bezeichnet wird. Ein Unterschied besteht darin, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk zum Teil durch Rundfunkgebühren finanziert, der private ausschließlich durch Werbung.

Die technische Entwicklung hat auch die Arbeit der Fernsehjournalisten verändert. Sebastian Artymiak vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) beschreibt die Arbeit aus seinem Erfahrungsbereich: „Videokameras sind inzwischen einfach zu bedienen. Der Reporter, der früher nur Zettel und Stift dabei hatte, produziert heute auch das 30-Sekunden-Video für das Internet und den dreiminütigen Film für die Nachrichtensendung im TV. Dieser Trend dokumentiert sich darin, dass auch immer mehr Videojournalisten (VJs) für die Sender arbeiten. Diese Videojournalisten arbeiten häufig als feste Freie und liefern den Redaktionen ihre Beiträge zu.“

Außerdem nimmt die crossmediale Aufbereitung immer mehr Raum ein. „In den Redaktionen arbeiten Teams daran, sowohl den Videotext als auch den Text für die Online-Seiten zu schreiben. Die Verknüpfung von Fernsehen und Online-Angeboten mit Zusatzinformationen dient der Zuschauerbindung“, sagt Sebastian Artymiak.

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