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Existenzgründung

Zwischen Freiheit und Verantwortung

Ein Leben ohne Chef - davon träumen viele Menschen. Dabei hat das Arbeiten auf eigene Rechnung nicht nur Vorteile, wie der Kommunikationsdesigner Fabian Schneidmadel (29) berichten kann.

Das Foto zeigt ein Porträt von Fabian Schneidmadel. Er hat kurze braune Haare und trägt eine schwarze Jacke.

Er hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt: Fabian Schneidmadel.

Foto: Privat

Mittwochmorgen, ein strahlender Frühlingstag beginnt. In der Werbeagentur „zweckdesign“ in der oberpfälzischen Kleinstadt Amberg bekommt Fabian Schneidmadel davon wenig mit. Er starrt auf zwei übergroße Monitore. Die Jalousien des kleinen Büros sind herunter gelassen, damit die Sonne nicht zu sehr auf den Bildschirm fällt. „Heute ist wieder einer dieser Tage: Alle Aufträge kommen auf einmal“, erklärt der Kommunikationsdesigner. Das ist nicht immer so: Es gibt Phasen, da hat der 29-Jährige weniger Arbeit und verlegt deshalb den Feierabend auf den frühen Nachmittag. Auch das gehört zur Selbständigkeit – sich dem Rhythmus der schwankenden Auftragslage anzupassen.

Seit knapp zwei Jahren gelingt das dem Akademiker nun erfolgreich. Nach dem Studium hatte er beschlossen, sich selbstständig zu machen. Ein Beratungsgespräch bei der IHK hatte er in Anspruch genommen, um Fragen wie Startkapital, Strategie und Unternehmensziel zu klären. Auch die Arbeitsagenturen bieten kostenfreie Beratungen an, um potenziellen Existenzgründern die ersten Schritte zu erklären.

An Startkapital benötigte der 29-Jährige bei seinem Beruf nicht viel, den Computer für seine Arbeit besaß er bereits. Andere Existenzgründer können unter Umständen einen Gründungszuschuss oder einen KfW-Unternehmerkredit in Anspruch nehmen. Das Ziel seiner Firma ist es, die Kunden in den Bereichen Konzeption, Gestaltung, Fotografie, Abwicklung und Realisierung von sämtlichen Kommunikationsmaßnahmen zu begleiten.

Prospekte für kleine Betriebe, CD-Covers für befreundete Bands sowie Flugblätter für Partys erstellte Fabian Schneidmadel bereits während seines Studiums des Kommunikationsdesigns an der FH Würzburg und verdiente sich nebenbei ein paar Euro als freiberuflicher Gestalter. So entstanden erste Kontakte zu Kunden, von denen Fabian Schneidmadel heute noch profitiert.

Netzwerken konnte er schon immer gut. Ebenso verhält es sich mit seinem Kompagnon, einem befreundeten Fotograf, mit dem sich Fabian Schneidmadel zu einer GbR – Gesellschaft des bürgerlichen Rechts – ein halbes Jahr nach dem Studium zusammengeschlossen hat. Beide Kollegen gelten in dieser Rechtsform als selbstständig und können gemeinsam Aufträge akquirieren und bearbeiten. Auch diese Gemeinschaft hat dem Kommunikationsdesigner die Angst vor der Existenzgründung genommen, da dieser vorher bereits etliche Jahre selbstständig war und schon über Stammkunden verfügte.

„Kann man davon leben?“

Dennoch: „Gewisse Sorgen bleiben. Etwa die Frage: Kann man davon leben? Man bekommt ja nicht wie ein Festangestellter regelmäßig Gehalt. Bei mir ist es manchmal mehr, manchmal weniger Geld.“ Bereut habe Fabian Schneidmadel seinen Schritt in die Selbständigkeit jedoch nie. „Ich habe einfach mehr kreative Freiheiten. Kein Chef guckt auf meine Entwürfe und sagt mir, wie sie aussehen müssen.“ Das erfordere aber ein hohes Maß an Verantwortung: „Wenn ich Fehler mache und eine Broschüre mit falschen Angaben gedruckt wird, werde ich dafür vom Kunden haftbar gemacht. Auch finanziell.“

Apropos Finanzen: Wer auf eigenen Beinen steht, sollte auch rechnen können: Einnahmenüberschussrechnung und Umsatzsteuervoranmeldung – „ein notwendiges Übel“, betont der Gestalter pragmatisch. Das Jonglieren mit Zahlen gehöre eben zum Unternehmertum. Ebenso wie hohe Einsatzbereitschaft und Selbstdisziplin. Punkt neun Uhr fahren bei „zweckdesign“ jeden Morgen die Rechner hoch und eine Arbeitswoche hat oft deutlich mehr als 40 Stunden. Auf Urlaub muss der junge Selbständige dennoch nicht verzichten: „Ich nehme mir genauso viele Tage frei wie Angestellte. Auch wenn ich in dieser Zeit natürlich kein Geld verdiene.“

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